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Messianismus: Dürfen "Jesus-gläubige Juden" nach Israel einwandern?

Als einen wichtigen juristischen Sieg sogenannter "messianischer Juden" in Israel werteten deren Rechtsanwälte eine Entscheidung des Obersten Gerichts in Jerusalem, die eigentlich gar keine Entscheidung war: "Einigt euch - und wir werden eure Einigung absegnen", sollen die höchsten Richter des jüdischen Staates Mitte April den Streitparteien gesagt haben - worauf das Innenministerium seinen Antrag zurückgezogen habe...

Die Rechtsanwälte Juval Grajevsky und Calev Myers vertraten zwölf "messianische Juden" in einem Prozess gegen das Innenministerium des Staates Israel. Allen war die Einbürgerung nach Israel verweigert worden, angeblich weil sie sich ausdrücklich zum christlichen Glauben bekennen und in Jesus von Nazareth den, wie im sogenannten "Neuen Testament", der heiligen Schrift des Christentums, bereits erschienenen Messias sehen und diesen christlichen Glauben, auf Kosten des jüdischen Glaubens, auch weiterverbreiten möchten.

Die meisten der von den Anwälten vertretenen Jesus-Anhänger hatten, so ein Bericht der Anwälte, vom israelischen Innenministerium ein Schreiben erhalten, sie könnten keine israelische Staatsbürgerschaft erhalten, solange sie missionarisch aktiv seien und versuchten Juden vom Judentum abzubringen und zum Christentum zu bekehren.

Einer Antragstellerin sei auf dem Innenministerium mitgeteilt worden, ihre Missionsaktivitäten seien "gegen die Interessen des Staates Israel und das jüdische Volk" gerichtet. Die Beschuldigten weisen diese Anklagen zurück und meinen, dass der Vorwurf einer "Missionstätigkeit" keine rechtliche Grundlage dafür biete, einem Juden die Einwanderung nach Israel zu verweigern.

In den jüdischen Staat darf jeder einwandern, der Jude ist. Gerade nach der Schoah wollten die Gründungsväter des Staates jedem eine sichere Zuflucht garantieren, der als Jude verfolgt wurde. Deshalb gesteht das Rückkehrergesetz Israels auch Menschen das Recht auf die israelische Staatsbürgerschaft zu, die nach jüdischer Tradition eigentlich keine Juden sind bzw. sich selbst durch Praktizierung einer anderen Religion vom Judentum abwandten.

Dieser ursprünglichen Bestimmung zufolge darf jeder Israeli werden, der mindestens einen jüdischen Großelternteil nachweisen kann. Nach rabbinischem Gesetz ist dagegen nur Jude, wer eine jüdische Mutter hat oder nach jüdischem Ritus zum Judentum konvertiert ist. Eine Klausel, der zufolge nur der nach Israel einwandern darf, der sich von der jüdischen Religion nicht abgewandt hat, war später hinzugefügt worden und hatte in den vergangenen Jahren vor allem im Blick auf solche die der Ansicht sind der Messias sei, in Person des Jesus von Nazareth, bereits erschienen, für Wirbel gesorgt. Das Innenministerium des Staates Israel meinte deshalb, so genannten "messianischen Juden" die Einwanderung in den Staat der Juden verweigern zu können.

"Jews for Jesus" werden von allen Richtungen des Judentums (orthodox, chassidisch, neolog, konservativ, progressiv, rekonstruktionistisch...) als Menschen betrachtet, die dem Judentum den Rücken gekehrt haben. Nach ihrem Selbstverständnis wollen messianische Juden allerdings ganz bewusst ihre jüdisch-israelische Nationalität beibehalten und trotzdem an Jesus Christus, den christlichen Messias, glauben. Deshalb nennen sie sich lieber "messianisch-jüdisch" und nicht einfach "christlich". Viele der "Juden für Jesus" setzen sich bewusst von den christlichen Kirchen ab, lassen ihre Kinder beschneiden und feiern jüdische Feste anstatt oder neben den traditionellen christlichen Feiertagen.

Grajevsky und Myers werten den Ausgang ihres Prozesses gegen das Innenministerium vor dem Obersten Gerichtshof in Jerusalem als entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Akzeptanz messianisch-jüdischer Gemeinden innerhalb der jüdischen Welt. Dies erscheint insbesondere interessant, vor dem Hintergrund wachsender Spannungen und Ablehnung missionarisch-christlicher Aktivitäten.

Über Probleme "messianischer Juden" berichtete das israelische Boulevardblatt "Ma´ariv" in seiner in der Pessach-Ausgabe. Auslöser war ein Anschlag, der Ende März, genau zum Purimfest, gegen die messianisch-jüdische Familie Ortiz in der israelischen Westbank-Siedlung Ariel, gerichtet war. Der als Purimgeschenk getarnte Sprengsatz explodierte, als der 15-jährige Amiel Ortiz das Päckchen mit der Aufschrift "frohes Fest" öffnen wollte. Der Junge wurde schwer verletzt.

M'ariw stellt den Anschlag in einen Kontext von Schwierigkeiten, die Jesus-gläubige Juden vor allem in Arad und Beer Scheva erfahren. Als der Journalist des "Ma´ariv" bei seinen Recherchen auch "die andere Seite", nämlich orthodoxe Juden, befragte, wurde er von diesen zunächst für einen messianischen Juden gehalten und beschimpft. Der Artikel in M'ariw schloss sogar mit einem "messianisch-christlichen" Gebet, das unter anderem für die Genesung von Ami Ortiz bat.

(M'ariw / inn / 22. April 2008)

Category: Religion
Posted 04/23/08 by: admin



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