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60 Jahre israelische Wirtschaft – ein Grund zum Stolz

In fünf Monaten wird Israel seinen 60. Geburtstag feiern. Die Feierlichkeiten werden von nicht wenig nationalem Stolz auf die Errungenschaften begleitet sein, die Israel in diesen 60 Jahren erzielt hat, an vorderster Stelle die ökonomischen Errungenschaften...

Von Meirav Arlozorov, Haaretz, 08.01.08

Nein, das ist nicht zynisch gemeint. Geht man für einen Moment zurück und blickt auf Israel in der wirtschaftlichen Perspektive von 60 Jahren, ergibt sich ein wunderbares Bild. Man beachte: Das Bruttonationaleinkommen Israels ist in den vergangenen 60 Jahren genau um das 60-fache gestiegen. Dies bedeutet einen Anstieg von durchschnittlich 7 Prozent im Jahr. Die Bevölkerung Israels ist um das Zehnfache gewachsen – ein Anstieg von durchschnittlich 4 Prozent im Jahr. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf ist um das Sechsfache gewachsen – ein Anstieg von jährlich durchschnittlich 3 Prozent.

Die Zusammenstellung dieser drei Daten macht Israel einzigartig und positioniert es weltweit als eine Art Wirtschaftswunder. Es gibt Länder, deren Wirtschaftswachstumsrate in den letzten 60 Jahren höher war, aber keines vergrößerte ihre Bevölkerung in diesem Zeitraum um das Zehnfache. Gewöhnlich gehören die Staaten, die über ein rasantes Bevölkerungswachstum verfügen, zu den ärmsten der Welt. In Anbetracht dieses Wachstums erweckt der Anstieg des Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommens Staunen.

Aber nachdem wir uns selbst auf die Schulter geklopft haben, müssen wir wiederum auf die historische Entwicklung dieser Daten blicken, um zu erkennen, dass das Bild, das sie erzeugen, kein einheitliches ist. So lässt sich die israelische Wirtschaftsgeschichte in drei gesonderte Phasen unterteilen. Die erste Phase, von der Staatsgründung bis zum Yom-Kippur-Krieg (1973), war eine Phase des schnellen Wachstums der Wirtschaft und gleichzeitig auch der Bevölkerung. Dabei ragt das Jahrzehnt von 1954 bis 1965 heraus, das Jahrzehnt des großen israelischen Wirtschaftswunders, in dem es Israel gelang, sich von einem bescheidenen Land, das Massen von Einwanderern aufnahm, zu einem Staat mit einem beinahe westlichen Lebensstandard zu entwickeln.

Die zweite Phase vom Yom-Kippur-Krieg bis zum Stabilisierungsprogramm von 1985 war die traurige Phase innerhalb der Geschichte Israels. Dies war das verlorene Jahrzehnt, in welchem Israel alle erdenklichen wirtschaftspolitischen Fehler beging und einen bedeutenden Teil der Errungenschaften verlor, die es in den drei Jahrzehnten davor erreicht hatte. Das Wirtschaftswunder wurde zum Wirtschaftsunglück, bis die galoppierende Inflation und die anschwellende nationale Verschuldung Israel an den Rand des Zusammenbruchs brachte und zur dringenden Notwendigkeit des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms von 1985.

Die dritte und wichtigste Phase ist die seit dem Stabilisierungsprogramm von 1985. Dies ist die Phase des Wiederaufbaus der israelischen Wirtschaft aus ihren Ruinen. Diejenigen, die diese Restauration herbeiführten, die Bank of Israel und das Finanzministerium, sind es auch gewesen, die den neuen wirtschaftlichen Kurs Israels prägten: Genug mit der konzentrierten staatlichen Wirtschaft, die Bankrott gemacht hatte, Zeit für die moderne Marktwirtschaft.

Es ist heute verbreitet, über die Umwandlung Israels in ein Land des „brutalen Kapitalismus“ zu klagen und sich an die israelische Wirtschaft der 50er und 60er Jahre zu klammern, die es nicht mehr gibt. Ein Blick auf die Zahlen der letzten 20 Jahre zeigt jedoch, wie berechtigt die Entscheidung war, sich vom alten wirtschaftlichen Kurs zu verabschieden, der Israel an den Rand des Abgrunds der Wirtschaftskrise von 1985 brachte, und stattdessen einen neuen wirtschaftlichen Kurs einzuschlagen.

So befindet sich die Wachstumsrate des Pro-Kopf-Einkommens, die während des verlorenen Jahrzehnts allein auf etwa 1 Prozent gesunken war, seit 1985 in einem beinahe ununterbrochenen Aufwärtstrend. Heute liegt die Rate bei 3,5 Prozent, und auch wenn dies viel weniger ist als im ersten Jahrzehnt Israels, ist dies eine eindeutige Verbesserung.

So befindet sich die Inflation, die während des verlorenen Jahrzehnts absurde Höhen erreicht hatte, seitdem in einem andauernden Bremsprozess. Die gegenwärtige Inflationsrate ist die niedrigste, die Israel je gekannt hat. So befinden sich die die Staatsausgaben, die während des verlorenen Jahrzehnts den Gipfel von 65 Prozent des Bruttonationaleinkommens erreicht hatten, seitdem in einem andauernden Schrumpfungsprozess. Die Rate der Staatsausgaben gleicht heute derjenigen, die Israel Ende der 60er Jahre gekannt hatte, praktisch sind aber die zivilen Ausgaben innerhalb des Haushalts größer – die Rate der Militärausgaben ist heute die niedrigste in der Geschichte Israels.

So die Wende in der Zahlungsbilanz Israels. Nachdem Israel zeit seines Bestehens, vor allem während des Wirtschaftswunders im ersten Jahrzehnt, mehr importiert als exportiert hat, hat sich das Bild innerhalb der letzten drei Jahre geändert. Erstmals ist Israel zu einem Staat mit einem Überschuss auf dem laufenden Konto geworden – einen Staat, der mehr exportiert als importiert – d.h., erstmals ist Israel ein Staat, der sich in wirtschaftlicher Hinsicht selbst erhält.

In der Tat hat sich Israel in den letzten 20 Jahren die Infrastruktur für ein langfristiges Wachstum geschaffen. Dabei ereigneten sich für Israel in den letzten 20 Jahren auch einige weniger gute Dinge. Die sozialen Unterschiede sind stark gewachsen, u.a. wegen des Übergangs zur Marktwirtschaft, aber auch wegen anderer Entwicklungen wie der Globalisierung oder des Gewichts des High-tech innerhalb des israelischen Aufschwungs. Darüber hinaus hat auch die gesellschaftliche Solidarität schwer gelitten, u.a. wegen des Übergangs zur Marktwirtschaft (nur das Geld ist die Antwort auf alles…), aber auch wegen der Entwicklung Israels zu einem großen und sehr heterogenen Land, wegen des Wertewandels, den die gesamte westliche Welt durchläuft.

Israel hat sich in den letzten 20 Jahren somit zum Guten wie auch zum Schlechten verändert. Klar ist, dass die Lage, wenn der Wandel nicht vollzogen worden wäre und die israelische Wirtschaft sich nicht so erneuert hätte, wie sie sich erneuert hat, heute sehr viel schlechter wäre. Alles Gute zum 60sten.

Category: Wirtschaft
Posted 01/10/08 by: admin



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