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Deutsche Staatsbürgerschaft

Die Zahl der Israelis, die die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten, ist im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 50% gestiegen...

Von Ofer Aderet, Haaretz vom 25.7.2007

Bis vor drei Jahren wusste die 29-jährige Avital Direktor aus Azur gar nicht, dass sie Anspruch auf einen deutschen Pass hat. „Das passiert vielen Israelis. Sie haben die Möglichkeit, einen deutschen Pass zu erhalten, wissen es jedoch nicht“, erzählte sie gestern. Nachdem sie es erfahren hatte, begann die „Aktion“, wie sie es nennt.

Zunächst wandte sie sich an ihre Großeltern, Holocaustüberlebende aus Berlin und Stuttgart, und fragte sie, ob es ihnen etwas ausmachen würde, wenn sie eine deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. „Die Antwort ließ mich erschauern. Meine Oma sagte ganz einfach: ‚Du machst da weiter, wo wir aufgehört haben’“, erzählt Avital.

Avital ist eine der 4300 Israelis, die im vergangenen Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. Dies bedeutet einen Anstieg von 50% im Vergleich zum Vorjahr. Diese Woche veröffentlichte das Amt für Statistik in Deutschland die jährlichen Staatsbürgerschaftsangaben, und Israel ist das Land, in dem prozentual die meisten deutschen Staatsbürgerschaften erteilt wurden.

Es dauerte drei Jahre, bis Avital ihren Pass erhielt. „Der Prozess ist langwierig und nicht einfach“, erinnert sie sich. „Die Deutschen fordern alle Dokumente, die man sich nur vorstellen kann, und lassen keines aus.“ Letzten Endes erhielt sie die Staatsbürgerschaft, die automatisch auch auf ihre Kinder übertragen wird, „bis ans Ende aller Generationen“, wie sie sagt.

Der starke Anstieg der Zahl der Israelis, die einen deutschen Pass erhielten, wundert sie nicht. „Schaut doch nur, was hier los ist. Ein Land, das seine Bürger verschlingt. Die Leute wollen unbedingt weg“. In einigen Monaten, hofft sie, wird sie nach Deutschland fahren, um „Sound“ zu studieren. „Hier in Israel ist das wahnsinnig teuer, und in Deutschland kann ich fast umsonst studieren. Ich wollte in Israel studieren, aber ich kann es mir finanziell nicht leisten“, sagt sie.

Die Freunde Avitals reagierten mit gemischten Gefühlen. „Die meisten sagten, sie seien neidisch, aber es gab auch solche, die sagten, ich sei eine Verräterin.“

In ihrer Jugend war Avital Mitglied der Jugendbewegung „Heimatjugend“. An jedem Holocaust-Gedenktag demonstrierte sie vor der Deutschen Botschaft. Als sie ihren Pass erhalten hatte und die deutsche Botschaft in Tel Aviv verließ, musste sie lachen. „Ich schaute mich um, dachte an die Demos und fing an zu lachen“, erzählt sie. „Was für eine verrückte Welt. Die deutsche Erde ist mit dem Blut meiner Familie durchtränkt, und mir hat man einen deutschen Pass gegeben. Für mich ist das die Rache an Hitler. Eine süße Rache.“

Wer hat Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft?

· Die Kinder eines deutschen Vaters oder einer deutschen Mutter.

· Ehemalige Deutsche, denen die Staatsbürgerschaft während der Nazizeit entzogen wurde, und ihre Nachkommen.

· Wer mindestens acht Jahre legal in Deutschland lebt und eine Verbindung zum deutschen Kulturkreis beweist (mit Verzicht auf die bisherige Staatsbürgerschaft)

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv

Category: Deutschland
Posted 07/26/07 by: admin



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Comments

wrote:
Schön. Freut mich für sie :-) Da ich auch zwei Pässe habe (zwar nicht den israelischen), glaube ich, dass man sich sehr wohl zwei Ländern zugehörig fühlen kann (obwohl dies von vielen Politikern - mit nur einem Pass) bestritten wird. Wenn Avital Direktor nur drei Jahre auf ihren Pass gewartet hat, war das schnell. Der Artikel ist nicht so genau - wer mind. acht Jahre legal in Deutschland lebte kann die Staatsbürgerschaft erwerben (dies geht schneller, weil es viele Stellen gibt, die sowas nachprüfen können). In dem beschrieben Fall war es aber mit Sicherheit so, dass ihre Staatsbürgerschaft nur festgestellt wurde - eigentlich war sie aufgrund der Rechtslage schon von Geburt an Deutsche, ohne einen Pass zu haben (entzogene Staatsbürgerschaften während den Nazis haben keinerlei Bedeutung). Aber die "Feststellung der Staatsbürgerschaft" machen nur eine handvoll Beamte - ich glaube in Köln - für alle Länder dieser Erde und das dauert meisten - obwohl sie eigentlich ganz freundlich sind, wenn man anruft - zumindest habe die Erfahrung ich gemacht. Wahrscheinlich hätte man das Verfahren etwas beschleunigen können, wenn man darauf hingewiesen hätte, dass sie in D studieren möchte.
07/26/07 12:26:44

wrote:
@matthias
eigentlich war sie aufgrund der Rechtslage schon von Geburt an Deutsche,

Nicht "Deutsche" ! Deutsche Staatsangehörige !
Ich, für meinen Teil, lege schon auf meine Nationalität großen Wert : JÜDISCH
07/26/07 13:36:37

wrote:
Direktor ist eine deutsche Bezeichnung.
Avital ist ein huebscher Name.
Sie ist nur wenig aelter als mein aeltestes Kind.
Drei Jahre sind wirklich sehr lang, fuer meine Begriffe, aber es geht wohl sogar Menschen aus den ehem. Sowjetrepubliken so lang, bis sie in Deutschland sind.
"Bis ans Ende aller Generationen"... find ich eine gute Bezeichnung.
Und was heisst: "Du machst da weiter, wo wir aufgehoert haben?" Ich verstehe den Sinnzusammenhang nicht. Die Emigration der Grosseltern kann ich verstehen. Die Immigration der Enkeltochter begruesse ich und empfinde als Geschenk fuer Deutschland.
Herzlich willkommen!
07/26/07 19:47:28

wrote:
Nun, ich dachte es gibt ein Gesetz, wonach man in Deutschland nur eine Staatsbuergerschaft haben darf. Wer will schon seinen israelischen Pass aufgeben?
07/29/07 14:10:50

wrote:
Nein, Ludwig, es gibt schon immer in Deutschland Leute mit zwei Staatsbürgerschaften. Sehr häufig kommt es dabei vor, dass auch die israelische dabei ist. - Doch ich muss bemerken, dass nicht nur in Israel Nachkommen ehemaliger Deutscher leben, sondern auch in den USA, evtl. auch in Kanada. Da aber habe ich das Gefühl, dass wir uns solcher "Geschenke" (wie Schulz schreibt) nicht so schnell erfreuen können, und dies stimmt mich besonders traurig.
07/30/07 17:09:33

wrote:
shalom,
ich finde diesen schritt großartig. er zeugt meiner meinung für einen neuen umgang mit dem heutigen deutschland.
sehr viele israelis habe ich in einigen auslandsaufenthalten kennengelernt, die auch relativ ungezwungen mit dem thema deutschland umgegangen sind.
wir müssen alle nach vorn sehen und versuchen alte grenzen einzureissen,neue freundschaften schließen-das ist heute umso wichtiger. wir alle sollten aus der geschichte lernen....!
eine friedlichere welt ist möglich
07/30/07 18:09:19

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