-- Schwerpunkt: Israel und Nahost
Judentum und Israel
haGalil onLine - http://www.hagalil.com

haGalil online

Das Rechte Lager: Für Avraham Burg kann es nur Verachtung geben

Die Presse der extremen Rechten nutzt jede Gelegenheit, um haArez", der verhassten linksliberalen Tageszeitung, Nazi-Ambitionen nachzusagen. Schwer nachvollziehbar, aber wahr. Über Abraham Burg, den ehemaligen Vorsitzenden des israelischen Parlaments, erfahren die Leser des Zofeh, er habe sich "den Blickwinkel der Nazis angeeignet", er sei ein Versager, ein jämmerlicher Kerl, der sich nun einschleimen wolle bei den Feinden Israels...

Die Tatsache, dass die Tageszeitung haArez ein Interview mit Avraham Burg veröffentlichte, kann man sich beim "Zofeh", dem ehemaligen Zentralorgan der National-Religiösen, nur mit einer 25%igen Anteilseignerschaft der deutschen Du-Mont-Gruppe an der Haaretz-Holding erklären.

Eigentlich wäre dieser Mann ja gar nicht so wichtig, so "haZofeh", aber leider bietet ihm ja "haArez" eine Plattform und macht ihn zu einem Kulturhelden. Abraham Burg sei der Lieblingsheld des Schocken-Blatts, meint der "Zofeh" und erläutert, dass sich das linksliberale Blatt inzwischen nicht mehr alleinig in der Hand der Familie Schocken, sondern "zu einem großen Teil im Besitz der Familie ehemaliger Nazis" befindet.

Makor / haZofeh: ..."Es steht völlig außer Frage, dass Burg sich den Blickwinkel der Nazis angeeignet hat, wenn er die israelische Gesellschaft betrachtet, und das ist der Kernpunkt seiner Perversität. In seinem Buch „Hitler besiegen“ bedauert er es, dass Israel Adolf Eichmann nicht begnadigt hat. Die israelische Gesellschaft selbst vergleicht Burg immer wieder mit Nazideutschland.

Es hat sich für den deutschen Herrn also durchaus gelohnt, in haArez zu investieren, denn jetzt wird die israelische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit verurteilt. Und da die israelische Gesellschaft die Fortsetzung der jüdischen Identität in aller Welt und der Schwerpunkt des jüdischen Volkes ist, zeigt sich, dass sich seit den Tagen der Nazis nichts verändert hat und die Juden wieder einmal keine Gnade verdient haben. Wenn Israel Nazideutschland ist, dann sind alle unschuldig, mit der Ausnahme Israels, denn es gibt kein größeres Übel als Nazideutschland und Hitler.

Die Palästinenser sind auf alle Fälle unschuldig. Burg stellt die Palästinenser als einen Anhäufung von Leichen dar, die wir mit der „Mauer“ verstecken wollen. Eine Anhäufung von Leichen- ein Bild aus dem Holocaust.
Besonders schlimm ist es, dass es Leute gibt, die Burg recht geben. Uzi Baram sagte z.B., er stimme mit der „Diagnose“ Burgs überein, akzeptiere jedoch die Lösung, sich einen ausländischen Pass zu besorgen, nicht unbedingt. Die Abscheu, die Burg gegenüber der israelischen Gesellschaft empfindet, wird demnach leider von einem beachtlichen Teil seines politischen Umfelds geteilt, und das ist äußerst beunruhigend....."

haZofeh, früher "einzige Tageszeitung des nationalen Blocks der religiösen Rechten", erscheint seit April 2007 nur noch als Wochenendbeilage der seit damals täglich erscheinenden "Makor Rischon" (Erste Quelle). Heute bezeichnet sich "Makor Rischon" als "das nationales Blatt des rechtsgerichteten Lagers" und versteht sich in erster Linie als Sprachrohr des harten Kerns der Siedlerbewegung. Vertreten werden aber auch Positionen der Liebermann-Partei, bis hin zu den, manchmal als zu "weich und lau" kritisierten Positionen der Neo-Konservativen um Bibi Netanyahu.

Hintergrund:
*Das Interview
*Das Buch
*Über haArez

Category: Gesellschaft
Posted 07/23/07 by: admin



Warning: Declaration of NP_Print::doTemplateVar(&$item, $look) should be compatible with NucleusPlugin::doTemplateVar(&$item) in /homepages/20/d69932965/htdocs/hagalil/01/de/nucleus/plugins/NP_Print.php on line 69
[Printer friendly version] |
Warning: Declaration of NP_MailToAFriend::doTemplateVar(&$item, $look) should be compatible with NucleusPlugin::doTemplateVar(&$item) in /homepages/20/d69932965/htdocs/hagalil/01/de/nucleus/plugins/NP_MailToAFriend.php on line 59
[Mail to a friend]
[Möchten Sie sich anmelden und ein Benutzerkonto erstellen?]


Comments

wrote:
Wenn Israel Nazi-Deutschland waere, die Fortsetzung von Nazi-Deutschland, welches aufhoerte 1945 zu existieren,
dann muessten Juden denken und handeln wie Nationalsozialisten und aehnliche Niederlagen entwickeln.
Da Juden vorher nicht Nazi-Deutschland waren (ich bin Deutschland war ein Slogan, ein Werbespruch der letzten Jahre, um eine deutsche Identitaetsfindung zu ermoeglichen, welche mich aber nicht antoernt), koennen sie kaum nachher bis in die Gegenwart Nazi-Deutschland geworden sein, wer einen Feind nachahmt, ist selbst schuld! Vorbilder werden nachgeahmt, Feinde niemals!

Was ich kaum verstehe, dass Juden sich untereinander so wenig verstehen, dass ein Schreck zurueckbleibt...
ich denke immer: bei Juden gibt es keine Kriminalitaet...

und von bestimmten online-Seiten kommen heutzutage andere Karikaturen.
Jeder, jede Person, welche sich mit Juden oder Judentum anfaengt zu beschaeftigen oder auseinanderzusetzen wird angefeindet? Von wem? Von Juden?
Von den eigenen Leuten? Auf Grund welcher Wuensche oder Erfahrungen?

Normalerweise sollte Freundschaft wachsen und ehrlicher Austausch.
07/23/07 16:45:48

wrote:
Danke, haGalil, für diesen Artikel, gekoppelt mit den übrigen Texten (Links).

Bevor jemand das Buch gelesen - und hoffentlich - verstanden hat, was nicht unbedingt Akzeptanz beinhalten muss, kann nur versucht werden, sich aus Deinen (haGalils) Texten ein Urteil zu bilden.

Danach sieht es so aus, dass der Autor eine achtbare Persönlichkeit ist, den seine Sorge um den zukünftigen Weg des kleinen Staates und seiner BewohnerInnen umtreibt und der eine Diskussion, wie sie sich deshalb entwickelt hat, durchaus provozieren wollte.

Dass Zionismus nicht ein Synonym für Nationalismus (israelischen) werde, wie von Uneinsichtigen, Böswilligen und FeindInnen des Staates samt seinen BewohnerInnen konstant behauptet, leider aber auch von militanten UtopistInnen in Israel selbst zumindest in Ansätzen durchaus angestrebt - das scheint mir sein Ziel.

Zionismus kann nicht sein:

- Kolonialismus (so verstand ihn - auch -, mit Abstrichen, Herzl)
- Nationalismus (mit dem ganzen negativen Beiwerk)
- Abschottung

er ist IMHO in seiner besten Auslegung:

- Sammlungs- und Einigungsbewegung jüdischen Lebens, parteiübergreifend und doch demokratisch
- Diskussionsthema
- Avantgardistischer Anstoß für immer wieder neu zu gehende Wege zum Frieden und zum anzustrebenden Auskommen mit den Nachbarstaaten, selbst wenn einer davon erst noch entstehen muss
- Grundlage der Staatsidee, um Israel für alle Zeiten zusammenzuhalten in nationalem, säkulärem und auch religiösem Bewusstsein (ruhig ein bisschen stolz)

Diesen progressiven Zionismus gibts ja schon, das zeigt haGalil jeden Tag...

Ja, aber die anfänglichen, aus der Gedankenwelt der Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts geborenen, nicht mehr opportunen, aber noch lebendigen Ideen des "älteren" Zionismus schaden ihm und leiten u.U. auf gefährliche Wege, sobald sich Leute dogmatisch darauf berufen: siehe - nicht nur - Zofeh.
07/24/07 05:56:10

wrote:
Ich denke, dass Burg das Kind mit dem Bad ausschüttet. Es interessiert mich gar nicht, dass rechte Journalisten ihn angreifen. Was mich interessiert sind seine Übertreibungen und die Dämonisierung des Zionismus.
Ich denke, dass all die Antizionisten, die Israelbasher doch zuerst ihren Traum vom perfekten Staat in einem der Nachbarländer von Israel verwirklichen sollten.

Von Israel Perfektion zu erwarten und gleichzeitig für die schwersten Menschenrechtsverletzungen in den Nachbarstaaten und in der PA Verständnis aufzubringen, das ist auch bei vielen linken Israeli nicht populär.
Und Shavit hat diese Kritik an Burg auch klar ausgedrückt.
Burg hat das Recht dort zu leben, wo es ihm passt, aber wenn er daraus eine Ideologie macht, dann wird man das auch sachlich beanstanden dürfen.

Diese Art der „Selbstkritik“ erinnert mich an eine jüdische Dame, die ich als zehnjähriger Bub nach dem „Anschluss“ gehört habe zu sagen, dass der brutale Antisemitismus in der „Ostmark“ durch diejenigen jüdischen Frauen verursacht wurde, die ihren Schmuck so provokativ getragen hatten.

Wenn hier jemand postet, dass er glaubt, dass Juden nicht kriminell sein können dann ist das die philosemitische Seite der deutschen Münze. Juden können kriminell sein, Juden (und jüdische Israelis) können genauso wie andere Menschen Menschenrechte verletzen. Jedoch im demokratischen jüdischen Staat Israel werden solche öffentlich angeprangert.
Es ist schlimm, dass man sich in Deutschland und Österreich auf Israel einschiesst während man zu den schrecklichen Menschenrechtsverletzungen in den muslimischen Ländern des Nahen Ostens schweigt oder sie sogar rechtfertigt. Kein Medium hier berichtet ein Wort über die drei wegen der "Ehre" erstochenen Schwestern im Gazastreifen, denn das passt nicht in das Bild, das man sich machen will.
Wenn aber jemand Israel mit Nazideutschland vergleicht, dann verharmlost er – nolens volens – den Nationalsozialismus. Und dabei soll man mir nicht kommen, dass solches auch von Juden gesagt wird. Denn es kommt nicht darauf an, wer was sagt, sondern ob die Aussage wahr oder unwahr ist.
07/24/07 20:18:48

wrote:
Herr Pfeifer, natuerlich spricht theoretisch nichts dagegen, den Traum vom perfekten Staat in einem Nachbarland Israels zu verwirklichen. An was haetten Sie da gedacht, soll es ein Paradies fuer Beduinen in Jordanien sein, oder eher eines fuer Maroniten im noerdlichen Libanon? Vorstellbar waere da so allerhand.
Der Zionismus hatte allerdings, zumindest war das mal so, zu meiner Zeit, das Ziel eine freie und offene Gesellschaft fuer Juden im Lande Israel einzurichten.
07/25/07 00:00:23

wrote:
Zu dem Buch kann ich nicht Stellung nehmen; ich habe es nicht gelesen. Gelesen habe ich aber das Interview in Haaretz (englische Version), und dort vermischt sich manches Weise mit viel Radikalismus und Realitätsblindheit. So beruft er sich dort auf Achad Ha'am. Das ist ja durchaus in Ordnung. Die israelische Identität verstärkt kulturell und weniger militärisch und machtpolitisch definieren zu wollen, ist ja nicht unsympathisch. Nur ist der hohe Stellenwert von Militär und Machtpolitik in der israelischen Gesellschaft nicht nur den Erfahrungen der Shoa und einer Ghetto-Mentalität geschuldet, sondern eben auch der Erfahrung von Aggression und Vernichtungswillen seitens der arabischen Nachbarn. Überhaupt scheint Burg in einer anderen Realität zu leben. Den Sicherheitszaun hält er für rassistisch und fremdenfeindlich, scheint aber zu vergessen, dass es ihn ohne Selbstmordattentate gar nicht geben würde. Die Berufung auf Achad Ha'am erscheint mir auch fragwürdig, stört sich Burg doch an dem Konzept Israels als jüdischem Staat. Achad Ha'am hat sicherlich seine Priorität nicht auf die Gründung eines jüdischen STAATES gelegt, aber sehr wohl die Schaffung eines JÜDISCHEN Gemeinwesens in Eretz Jisrael propagiert. Ja, Herrn Pfeifer ist zuzustimmen, wenn er feststellt, Burg habe das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Mir graut nur vor dem Tag, an dem die deutsche Übersetzung von "Hitler besiegen" erscheinen wird (wahrscheinlich bei Piper...)Die Reaktionen hierzulande kann man sich ja spätestens seit der Finkelstein-Debatte nur zu gut vorstellen.
07/25/07 21:32:09

wrote:
@ Dietrich Dancker wrote:

"...Mir graut nur vor dem Tag, an dem die deutsche Übersetzung von "Hitler besiegen" erscheinen wird ..."

Dem stimme ich zu, Herr Dancker.

Gruss, Gerd.
07/27/07 01:34:00

Add Comments








- - -