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FN-Vizechef Bruno Gollnisch wegen Holocaust-Leugnung verurteilt

Die "Nummer Zwei" in der Parteihierachie des französischen Front National (FN), Bruno Gollnisch, ist am Donnerstag, den 18. Januar 2007 wegen Holocaustleugnung in erster Instanz strafrechtlich verurteilt worden...

Von Bernard Schmid, Paris

Gollnisch, der aufgrund seiner Äußerungen zur Judenvernichtung vom Oktober 2004 bereits für die Dauer von fünf Jahren vom Hochschuldienst (als Juraprofessor an der Universität Lyon-III) suspendiert worden ist, erhält drei Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Ferner muss er eine Geldstrafe von 5.000 Euro zahlen. Hinzu kommen Schadensersatzzahlungen in Höhe von 55.000 Euro, die er an die neun Nebenkläger (Menschenrechts-, antirassistische und jüdische Gruppen) abführen muss.

Am 11. Oktober 2004 hatte Bruno Gollnisch am Parteisitz des FN in Lyon, wo er u.a. Regionalparlamentarier und Bezirksvorsitzender des rechtsextremen FN ist, bei einer Pressekonferenz erklärt, er stelle nicht in Frage, dass Millionen Menschen in den NS-Vernichtungslagern gestorben seien. Aber er fügte hinzu: "Was die Art und Weise betrifft, wie die Leute gestorben sind, muss die Debatte stattfinden (können)". Ob es Gaskammern zum Zwecke der Vernichtung von Menschenleben gegeben habe oder nicht, vermöge er nicht zu beantworten, denn er sei "kein Spezialist für diese Frage". Und: "Ich denke, man muss die Historiker darüber diskutieren lassen. Und diese Diskussion sollte frei stattfinden." Die gewählte Formulierung lässt eindeutig die Interpretationsmöglichkeit offen, dass die "Millionen Tote" beispielsweise an einer Epidemie gestorben seienj, und dass die Gaskammern in Wirklichkeit dazu gedient hätten, Flöhe (als Überträger der Typhuskrankheit) zu töten. Letzteres behauptete der Negationist (französische Bezeichnung für Auschwitzleugner) Jean Plantin in einer Abschlussarbeit für die Universität Lyon-III im Jahr 1999, die ihm jedoch inzwischen aberkannt worden ist. Schon wieder die Hochschule Lyon-III... Diese bildete noch in jüngerer Vergangenheit einen Hort für Rechtsextremisten und Holocaustleugner. Inzwischen versucht die Verwaltung jedoch, diesen Eindruck zu korrigieren, unter anderem indem sie Gollnisch im Frühjahr 2005 für fünf Jahre vom Dienst entband, bei Kürzung seines Professorengehalts um die Hälfte.

Der Prozess gegen Bruno Gollnisch hatte am 7. und 8. November 2006 stattgefunden. Aus taktischen Gründen hatte Gollnisch damals die Realität des Holocaust - äußerst widerstrebend - anerkannt, da nämlich der Anwalt der bis dahin als Nebenklägerin auftretenden Union der jüdischen Studenten in Frankreich (UEJF) ihm diesen Deal angeboten hatte: Öffentliche Anerkennung der historischen Realität der Judenvernichtung gegen seinen Rückzug als Nebenkläger. Gollnisch antwortete darauf mit einigen verbalen Windungen: "Meine Antwort ist positiv, Herr Vorsitzender..." Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin die Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro gegen Gollnisch gefordert.

Das jetzt vom Gericht verkündete Strafmaß liegt jedoch deutlich darüber. Gollnisch muss ferner das Urteil auf eigene Kosten in sämtlichen Zeitungen veröffentlichen, deren JournalistInnen damals bei seiner Pressekonferenz vom Oktober 2004 anwesend waren.

In einem am Donnerstag Nachmittag auf der Mailingliste des FN verbreiteten Kommuniqué nimmt Bruno Gollnisch zu dem am selben Tag verhängten Urteil Stellung. Darin geißelt er unter anderem die "Gedankenpolizei", die da inquisitorisch zugeschlagen habe und "die Meinungsfreiheit unterdrückt".

Bruno Gollnisch ist auch Vorsitzender der 20köpfigen neuen Fraktion im Europaparlament, die am (Montag, den) 15. Januar 07 unter dem Titel "Identität, Tradition, Souveränität" gegründet worden ist. Ihr gehören rechtsextreme Abgeordnete aus sieben verschiedenen Ländern an, darunter der einzige Europaparlamentarier der österreichischen FPÖ (Andreas Mölzer), die "Duce-Enkelin" Alessandra Mussolini, Vertreter des belgisch-flämischen Vlaams Belang sowie der "Großrumänienpartei" (PRM) und der bulgarischen Partei Ataka.

Partei-Vize des rechtsextremen Front National:
Gollnisch zieht den Holocaust öffentlich in Zweifel
Keine Kreide gefressen hatte er dieses Mal, bei seiner Pressekonferenz am Montag (11. Oktober). Bruno Gollnisch, "Generalbeauftragter" (délégué général) des rechtsextremen Front National und zweithöchster Parteifunktionär hinter dem Chef Jean-Marie Le Pen, reagierte auf einen Untersuchungsbericht über die Umtriebe von Auschwitzleugnern an der Universität Lyon-III...

Rechte Fraktion:
Die Kameradenflut
Der Beitritt Rumäniens und Bulgariens brachte auch neue ­rechtsextreme Abgeordnete ins europäische Parlament. Die Ultranationalisten schließen sich nun zu einer Fraktion zusammen...

Category: Frankreich
Posted 01/19/07 by: admin



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