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Leugner von Verbrechen: Das Schweigen von Willi Langthaler

Willi Langthaler ist Anführer der Wiener Antiimperialistischen Koordination (AIK) und hat es bislang fertig gebracht für den Djihadismus einzutreten und gleichzeitig auch Obmann der „Jugoslawisch-Österreichische Solidaritätsbewegung“ zu sein. Die von ihm angeführte AIK hat eindeutig für den serbischen Faschisten Vojislav Seselj und den mutmasslichen Kriegsverbrecher Slobodan Milosevic Stellung bezogen...

Von Karl Pfeifer

So schrieb Langthaler: „Als am 20. September 2003 in Srebrenica die ausschließlich den muslimischen Opfern des Krieges gewidmete Gedenkstätte Potoèari eröffnet wurde, durfte Bill Clinton nicht fehlen. Denn er war der geistige Autor des „Massakers von Srebrenica“, das ein wesentlicher Bestandteil im Propagandafeldzug gegen Jugoslawien war und zur Rechtfertigung des Nato-Krieges 1995 diente.“ [1] D.h. Langthaler leugnet, dass ungefähr 8.000 bosnisch-muslimische Männer und Jungen in der Nähe von Srebrenica massakriert wurden. Dann beklagt er den langen „Arm der Haager Politjustiz“ und versteigt sich zur Behauptung: „Selbst die Nationalsozialisten hatten Georgi Dimitrov im Reichstagsbrand-Prozess das Recht auf Selbstverteidigung zugestanden, doch die Haager Politjustiz versucht das beständig zu unterbinden.“ [2] Diesen Artikel unterzeichnete er als „Willi Langthaler, Obmann, Jugoslawisch-Österreichische Solidaritätsbewegung Wien, am 14. Januar 2006“

Wir alle konnten sehen, wie der Richter diese Tage Radovan Karadzic befragte, ob er sich selbst verteidigen wolle. Es gehört schon eine gehörige Portion Unverfrorenheit dazu,die Nazi-Justiz in einem günstigeren Licht erscheinen zu lassen, als diejenige des UN-Tribunals. Doch wer Verständnis für Leugner der NS-Verbrechen zeigt, dem kommt solch ein die NS-Justiz verharmlosender Spruch nicht zufällig über die Lippen, strebt doch Langthaler eine Querfront mit Rechtsextremisten an.

Doch nun, da Radovan Karadzic von Serbien an den internationalen Gerichtshof ausgeliefert wurde, schweigt Willi Langthaler.

„Nur etwa 4000 Leichen“

Anders seine GenossInnen von der nationalbolschewistischen Jungen Welt und der Website kominform. Sie publizierten ein langes Interview mit Edward S. Herman emeritierter Professor für Finanzwirtschaft an der Universität von Pennsylvania/USA und Vorsitzender der Srebrenica Research Group unter dem Titel: „In Bosnien hat kein Völkermord stattgefunden“ [3]
Edward S. Herman hat bereits andere Genozide geleugnet und findet ebenfalls Verständnis für Leugner der NS-Verbrechen. [4]

Seine Art der Argumentation erinnert an diejenige der Leugner und Verharmloser der nationalsozialistischen Verbrechen. Auf die Frage nach dem Massaker von Srebrenica antwortet er ausweichend: „Sie spiegelt die andauernde Demütigung und den Verlust der staatlichen Souveränität Serbiens wider, das seit 1990 den Angriffen der EU ausgesetzt ist. Die EU bestimmt, was Serbien zu tun hat, um von der Liste der Bösen gestrichen zu werden. Das Land verliert dabei seine Autonomie, seinen Stolz und seine Besonderheiten. Der westliche Druck machte es zum scharf gespaltenen, gebrochenen Land, zum failed state.“

Wie die Holocaustleugner, lehnt auch Herman „die Mainstream-Geschichte über Srebrenica“
ab: „Es gibt keine glaubwürdigen Beweise für die Behauptung, 7000 bis 8000 Muslime seien durch Serben in Srebrenica hingerichtet worden.“

Herman: „Die damalige Chefanklägerin Carla del Ponte verzweifelte, weil im Kosovo trotz hysterischen Unterstellungen von Massenmorden und einer der größten forensischen Untersuchungen in der Geschichte nur etwa 4000 Leichen gefunden wurden...
Es ist absurd, daß in Srebrenica ein Völkermord stattgefunden habe. Alle Frauen und Kinder wurden mit Bussen in Sicherheit gebracht, und das ICTY räumte selber ein, daß eine unbekannte Zahl von „Vermissten“ im Kampf gefallen sein können. Kann es einen „Völkermord“ in einer einzigen Kleinstadt geben?...
Als „Völkermörder“ werden die im Visier der Mächtigen stehenden angegriffen, jetzt der Präsident des Sudan, vor ihm Charles Taylor und Milosevic. Weder führende westliche Politiker noch deren Verbündete werden so tituliert.“

Es ist die übliche Mantra ultralinker Ideologen, die nichts mit der komplexen Wirklichkeit des Konflikts im ehemaligen Jugoslawien zu tun hat. Ihrer Lesart nach, verschworen sich die USA, Deutschland, Österreich und der Vatikan, um Jugoslawien zu zerstören. Hermans Methode ist:

 Terror und Massaker systematisch herunterzuspielen

 Die Verantwortung der lokalen Staatsmänner auf ein Minimum zu reduzieren und so

 das Leiden der wichtigsten Gruppen der Opfer der jugoslawischen Kriege zu leugnen

 Systematisch das „International Criminal Tribunal for Yugoslavia” (ICTY) als Werkzeug der Nato zu verleumden . Das hat wenig mit der Realität zu tun, denn das Gericht ist unabhängiger vom Westen als andere UNO Institutionen.
Herman unterdrückt folgende Fakten:

 Die Milosevic Kampagne gegen die Autonomie und dann die Abschaffung der Autonomie des Kosovo hat eine Art der Unterdrückung dort geschaffen, die schlussendlich zur bewaffneten Auseinandersetzung geführt hat.

 Das ermöglichte Milosevic die Institutionen Jugoslawiens zu beherrschen und hat gleichzeitig die slowenischen und kroatischen Eliten angespornt für die Unabhängigkeit einzutreten.

 Die jugoslawische Armee, die von Serben beherrscht wurde, begann einen ersten richtigen Krieg gegen die kroatischen Städte Osijek und Vukovar 1991.

 Bosnisch-serbische Einheiten, die den Löwenanteil der Männer und Waffen der jugoslawischen Armee übernahmen, begannen den Krieg in Bosnien 1992 gegen im großen und ganzen nicht bewaffnete bosnische Regierung und die nicht-serbische Bevölkerung.

 Diese bosnisch-serbische Macht hat eine “ethnische Säuberung” vorgenommen und bis zu 90 Prozent der Nicht-Serben von früher gemischten Gebieten, die sie eroberten oder kontrollierten vertrieben.

 Dabei kam es zu Massakern, Folterlagern und organisierter Vergewaltigung.
Natürlich waren die anderen nationalistischen Eliten des ehemaligen Jugoslawiens mitschuldig an dem was dann geschehen ist. Insbesondere verschwor sich der kroatische Präsident Franjo Tudjman mit Milosevic, um Bosnien aufzuteilen. Die kroatische Diskriminierung der Serben war mit ein Grund, für den Krieg 1991. Kroatische bewaffnete Einheiten haben auch mörderische „ethnische Reinigung“ in Bosnien durchgeführt, insbesondere gegen Muslime 1993 und 1995 führte die kroatische Wiedereroberung der Krajina-Region (nach drei Jahren serbischer Herrschaft während der Kroaten vertrieben und getötet wurden) zu einer Vertreibung und Ermordung von vielen serbischen Zivilisten. Und auch die bewaffneten Einheiten der Bosnier und der Albaner haben „ethnische Säuberungen“ und Gräuel gegen Serben und andere begangen.
Die Behauptung von der Dämonisierung der Serben, soll diese Fakten vertuschen. Dabei greift Herman pauschal die Medien an. Doch es waren gerade die von Herman verleumdeten Medien, die über albanische Gräuel und Vertreibung von Serben berichteten und das war vielleicht die wichtigste Geschichte 2000.

Es ist einfach lächerlich, für die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien „den Westen“ verantwortlich zu machen, denn die britische Administration unter John Major und die französische von Francois Mitterand haben alles unternommen, um Milosevic entgegenzukommen während die Clinton Administration versucht hat die USA herauszuhalten. Es waren die Berichte über die Gräuel in Bosnien, die dazu geführt haben, dass ähnlich wie die Holocaustleugner, die Anhänger Milosevic (auch im Westen) behauptet haben, dass diese von den westlichen Medien „erfunden“ wurden, um die Serben zu „dämonisieren“ und so eine „westliche Intervention“ gegen sie zu rechtfertigen. Das ist auch die Linie von Herman. Doch warum die westlichen Politiker – die mit all ihrer Macht versuchten Milosevic zu befrieden und eine militärische Intervention zu vermeiden – ausgerechnet die Serben „dämonisieren“ sollten wird nicht erklärt. Herman erklärt auch nicht, wie man so viele Journalisten überzeugen konnte an einer Verschwörung teilzunehmen.

Doch kann man von Leugnern von Massakern wie Edward S. Herman keine rationale Erklärung erwarten. Die „Srebrenica Research Group” wird unterstützt und propagiert von den Machern des „Znet“ eine Website von Neo-Stalinisten in der USA.

Kein Zufall, dass auch auf der extrem rechten Website „Antiwar.com“ die von Justin Raimondo – einem Schützling des ehemaligen republikanischen Politikers Pat Buchanan – das Massaker von Srebrenica geleugnet wird. Herman und Raimondo vertreten gescheiterte politische Traditionen.
Herman hat zusammen mit Noam Chomsky einen infamen Artikel veröffentlicht, mit dem sie
die Verbrechen von Pol Pot und des Khmer Rouge verharmlosten, die angeblich von den westlichen Medien übertrieben worden sind [5], genauso wie heute die Verbrechen von Radovan Karadzic von diesen Medien übertrieben sein sollen. Herman setzt die Tradition seiner Generation von Ultralinken fort Stalin, Mao, Pol Pot, Ceausescu, Mugabe zu verteidigen und nun kommt noch Al Bashir dazu.

Ultralinke und Rechtsextremisten finden eine gemeinsame Agenda wenn es gegen das demokratische System im Westen geht. Ihre Apologie für die Mörder von Srebrenica ist ein Ergebnis ihrer Wut gegen die moderne Welt, die ihre Politik hinter sich gelassen hat. So rechtfertigen sie ihren eigenen Zynismus und ihre doppelten Standards.

Anmerkungen:
1) http://www.okaz.at/cgi-bin/mojo/mojo.cgi?
flavor=archive&id=20031007053342&list=JOeSB
2) http://www.antiimperialista.org/index.php?
option=com_content&task=view&id=4116&Itemid=82
3) http://www.jungewelt.de/2008/08-02/001.php?sstr=Edward%7CS%7CHerman
http://www.kominform.at/article.php/20080803003805780
4) http://www.coldtype.net/Assets.07/Essays/1107.Ed.Genocide.pdf
5) Distortions at Fourth Hand’, The Nation, June 25, 1977.

Category: Österrreich
Posted 08/04/08 by: admin



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