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Antonescu bleibt ein Verbrecher

Der Oberste Gerichtshof Rumäniens bestätigt das 1946 von einem Volksgerichtshof gefällte Urteil gegen die Angeklagten des faschistischen Militärregimes unter dem Diktator Ion Antonescu (1940-1944) ...

Von William Totok

Der Oberste Kassationsgericht Rumäniens hat dem Einspruch der Staatsanwaltschaft stattgegeben und die im Dezember 2006 vom Bukarester Appellationsgericht verfügte, teilweise Rehabilitierung des faschistischen Militärdiktators Ion Antonescu und 20 seiner engsten Mitarbeiter am 7. Mai 2008 wieder aufgehoben. Der 1946 während des Prozesses erhobene Anklagepunkt "Verbrechen gegen den Frieden", befand das Appellationsgericht 2006, sei nicht gerechtfertigt gewesen. Rumänien habe in der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs bloß die 1940 von den Sowjets annektierten Gebiete, Bessarabien und die Nordbukowina, zurückerobern wollen. Deshalb sei die Beteiligung Rumäniens am Überfall auf die Sowjetunion legitim gewesen.

Der Revisionsprozess wurde von Serban Alexianu, dem Sohn des früheren Gouverneurs von Transnistrien, Gheorghe Alexianu, angestrengt. Der Sohn von Alexianu versuchte nicht nur eine Rehabilitierung seines Vaters gerichtlich zu erreichen, sondern auch die Rückerstattung dessen beschlagnahmter Liegenschaften durchzusetzen. Auf Befehl Antonescu wurden 1941 nach Transnistrien - einem von Rumänien eroberten und verwalteten Gebiet zwischen Dnjestr und Bug - Juden, Roma und Mitglieder neoprotestantischer Religionsgemeinschaften deportiert. In den dort errichteten Todeslager und Ghettos starben über 300 000 rumänische und ukrainische Juden sowie über 20 000 Roma.

Antonescu wurde im August 1944 gestürzt und verhaftet, Rumänien wechselte danach die Fronten und schloss sich den Alliierten an. In dem 1946 gegen die 24 wichtigsten rumänischen Kriegsverbrecher stattgefundenen Prozess wurde Gheorghe Alexianu zusammen mit Staatsführer Ion Antonescu, dem Chef der Gendarmerie, Unterstaatssekretär im Innenministerium, General Constantin Z. Vasiliu sowie dem Außenminister und Vizepremier Mihai Antonescu für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die anderen Mitangeklagten erhielten schwere Gefängnisstrafen. Die in Abwesenheit zum Tode verurteilten, unter denen sich auch der Führer der rumänischen Faschistenorganisation "Legion des Erzengels Michael", Horia Sima befand, waren im Ausland untergetaucht. 1944 bildete Sima eine kurzlebige Exilregierung von Hitlers Gnaden und lebte danach ungestört im spanischen Exil. Sima, dem die westeuropäischen Ländern in der Nachkriegszeit keinerlei Reisebeschränkungen auferlegt hatten, starb 1993 während eines Aufenthaltes in Deutschland.

Von den postumen Anhängern Antonescus wurde das Urteil als ein Akt der Siegerjustiz bezeichnet. Einige Bukarester Zeitungen veröffentlichten im Internet die empörten Stellungnahmen einiger Mitglieder der virtuellen Antonescufangemeinde, die von revisionistischen und antisemitischen Klischees strotzten: "Dieser Haufen von korrupten und landesverräterischen Richtern haben kein Recht den Namen von Märtyrern in den Mund zu nehmen. Antonescu war ein großer Patriot, der sein Land wirklich liebte, ein bescheidener Mensch, keine feiste Kreatur wie jene, die ihn jetzt richten. Handelt es sich nicht vielleicht um eine Seilschaft von Zionisten?" Ein anderer Antonescuverehrer beschimpft die Richter als "Knechte Moskaus" und erwartet von dem "rechtgläubigen orthodoxen, rumänischen Volk", dass es eines Tages "Marschall Antonescu in jeder Stadt ein Denkmal errichten wird."

Denkmäler zu Ehren Antonescus wurden allerdings nach der Wende in mehreren Städten aufgestellt, Straßen erhielten seinen Namen. Infolge des politischen Drucks aus dem Westen und um die EU-Aufnahme Rumäniens nicht zu gefährden, verabschiedete das rumänische Parlament ein Gesetz, das jegliche faschistische Propaganda und die Verherrlichung von Kriegsverbrechern unter Strafe stellt. Die Antonescustraßen wurden daraufhin nach und nach wieder umbenannt und die Denkmäler aus dem öffentlichen Raum entfernt. Trotz dieser gesetzlichen Bestimmungen ist die Antonescubegeisterung kaum zu stoppen. Die Medien veröffentlichen regelmäßig verherrlichende Artikel und in einigen Kirchen existieren Wandmalereien, auf denen Antonescu im Stil byzantinischer Heiligenbilder dargestellt wird.

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Streetart: Antonescu, ein Volksheld

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Wandmalerei in einer Bukarester Kirche
(Antonescu links im Bild)

Category: Rumänien
Posted 05/14/08 by: admin



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