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Judentum und Israel
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Der gemeinsame Nenner

Im Kurort, wo ich mich zur Zeit befinde, schaute ich unlängst wieder einmal Kulturzeit im 3sat an. Der Moderator berichtete – ganz beglückt – von einer Szene, die ich peinlich empfand, wie der amerikanische Schriftsteller Norman Mailer in New York dem deutschen Nobelpreisträger Günter Grass als Entlastungsjude diente: "Hätte ich in seinen Schuhen gesteckt, ich wäre wohl bei der SS gelandet"...

Von Karl Pfeifer

Wer diesen Bericht auf 3sat sah, konnte glauben, das Publikum – unter denen sich viele Juden befanden – wäre begeistert gewesen. Zum Glück gibt es auch Journalisten, wie Jordan Mejias, der in der Frankfurter Allgemeine Zeitung am 29.6. „The Jewish Week" zitiert: „Obwohl Romanschriftsteller, sucht er keine höhere moralische Ebene zu erklimmen und dringt zu keiner größeren Selbsterkenntnis vor als jeder kleine Bürokrat. Wie Adolf Eichmann oder selbst wie der vor kurzem verstorbene Kurt Waldheim gibt Grass an, nur Befehle ausgeführt zu haben." [...] Mejias: „Solch kritische Töne fehlten während des deutsch-amerikanischen Gipfeltreffens in der Public Library [New York K.P.] Wenn Grass und Mailer sich auf dem Podium schließlich zum Duo vereinigen, setzt sich das Fest der Liebe, das Grass mit Martin Walser in Deutschland gefeiert hatte, in Amerika mit Mailer fort."

Peinlich.

Die Neue Kronenzeitung (NKZ) Zentralorgan der österreichischen Gegenaufklärung, die jahrzehntelang antisemitische Texte brachte und bis heute gelegentlich fremdenfeindliche bis rassistische Texte bringt und trotzdem (oder gerade deswegen?) ein Nahverhältnis zur Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) pflegt, hat am 30.6. auf zwei Seiten einen Artikel des ehemaligen führenden Funktionärs der sozialistischen Internationale Hans Janitschek unter dem bezeichnenden Titel „Irak-Krieg leitet in den USA Umdenken über NS Zeit ein" veröffentlicht. Grass, so Janitschek „schob auch den Alliierten Verantwortung für begangene Untaten im Zweiten Weltkrieg in die Schuhe." Grass: „Unsere großen Städte wurden als der Ausgang des Krieges bereits feststand, sinnlos zerstört und unsere Frauen nach Kriegsende brutal vergewaltigt", sagte er." Was sind schon Vernichtungslager, in denen Millionen umgebracht wurden, wenn auf der anderen Seite der Waage die Frauen erwähnt werden, die vergewaltigt worden sind. Der Gedanke, dass auch deutsche Pflichterfüller in den besetzten Gebieten Frauen vergewaltigt haben, kommt Grass nicht. Er hat ja auch den Rassismus nicht in der Waffen SS sondern bei den amerikanischen Besatzern entdeckt. Und das der Bombardierung deutscher Städte, die gnadenlose Bombardierung von Warschau, Rotterdam und Coventry voranging und dass der ehemalige Chef von Kurt Waldheim, Belgrad ohne Kriegserklärung in Schutt und Asche bombardierte, daran denkt Günter Grass keinen Moment. Waren jahrzehntelang die Österreicher – laut Staatsdoktrin – die ersten Opfer des Nationalsozialismus, so wurden die unschuldigen Deutschen zum Opfer der Alliierten, so einfach ist das für den deutschen Nobelpreisträger.

Mailer – ein enger Freund von Hans Dichand, dem Miteigentümer der NKZ, weiß was von ihm erwartet wird und liefert. Über den Irak-Krieg meinte er laut Janitschek: „Wir haben dort bereits mehr Menschen umgebracht als Saddam Hussein und jene, die glaubten Israel einen guten Dienst zu erweisen, haben dabei Schiffbruch erlitten."

Kurt Seinitz, der sich schon während der Waldheimzeit in der NKZ eindeutig positionierte, ergreift die Gelegenheit, um Grass und Waldheim die Absolution zu erteilen: Beide hatten sich im Krieg nachgewiesenermaßen nichts zuschulden kommen lassen."

Immerhin war aber Kurt Waldheim 1c Offizier am Balkan und die Republik Österreich hat bislang alles mögliche getan, damit der Bericht, den eine von ihr beauftragte internationale Historikerkommission über die Tätigkeit Waldheims am Balkan geliefert hatte, nicht veröffentlicht wird. Aber so schaut das aus wenn es um den nationalen Schulterschluss geht, da darf man Waldheim noch posthum zum „großen Österreicher" ernennen. Schlussendlich hatte er ja, so wie Hunderttausende andere nur „seine Pflicht" getan.

Ein witziger Österreicher meinte, über Tote dürfe man nur Gutes oder gar nichts sagen, daher sollte man zu Waldheim schweigen. Natürlich wusste er, dass dies nicht möglich ist. Wieder einmal – wie so oft zuvor – kam es zur Täter-Opfer-Umkehr. Grass [und Waldheim] nur Opfer von rachsüchtigen Nachgeborenen, die nicht zur großen Versöhnung bereit sind. HuHhhU

Ein tröstlicher Gedanke, dass Antiamerikanismus so verschiedene Medien wie „Kulturzeit" und NKZ einen gemeinsamen Nenner finden lässt.

Category: Österrreich
Posted 07/10/07 by: admin



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Comments

wrote:
Etwas differenzierter sollte die Bewertung der SS-Mitgliedschaft von Günter Grass schon ausfallen. Einen Vergleich mit Adolf Eichmann oder Kurt Waldheim halte ich jedenfalls für sehr gewagt. Grass war zur Zeit seiner Rekrutierung für die SS 17 Jahre alt; und es gibt ja Historiker, die meinen, in der Schlussphase des Krieges seien durchaus Wehrpflichtige unfreiwillig zur Waffen-SS eingezogen worden.

Aus meiner Sicht wird das Verhalten von Grass mit wachsender zeitlicher Distanz zum Jahr 1945 immer fragwürdiger. Da ist das Schweigen zur eigenen SS-Vergangenheit des Schriftstellers, dessen Werk ansonsten stark autobigraphische Züge trägt. Und dann sind da, in jüngster Vergangenheit, die oben zitierten Äußerungen -oder wäre es nicht treffender, von Ausfällen zu sprechen?. Diese würden bei mir auch ohne Grass´ jugendliche SS-Mitgliedschaft starkes Unbehagen hervorrufen, erst recht aber angesichts seiner Vergangenheit. So gesehen wird die eingangs geschilderte Abweichung von der Auffassung von Jordan Meijas zur unbedeutenden Fußnote
07/10/07 19:57:32

wrote:
Herrlich...ich sag's euch Deutschland kann bald das Büßergewand ablegen und auch mal mit dem Finger auf die Verbrechen der anderen zeigen!

Diese Entwicklung ist zwar langsam aber stetig.

Das ich das noch erleben darf!!! *Träne wegwisch*

:)
07/13/07 16:32:26

wrote:
Antwot an Dietrich Dancker
wenn Sie meinen Text aufmerksam gelesen hätten, dann hätten Sie bemerkt, dass nicht ich Grass mit Waldheim und Eichmann in Verbindung gebracht habe.
Grass hat sich freiwillig zur Waffen SS gemeldet und macht noch aus seinem Eingeständnis nach Jahrzehnten einen Gewinn.
Tatsächlich erleben wir, wie jetzt versucht wird den Spieß umzukehren und die Alliierten zu Kriegsverbrechern zu machen, was ja nichts anderes ist als Relativierung der Verbrechen, die von der deutsch-österreichischen Volksgemeinschaft begangen wurden.
07/19/07 10:12:31

wrote:
Sehr geehrter Herr Pfeifer, Ihre Selbstgerechtigkeit ist zum Kotzen.
07/24/07 10:46:51

wrote:
Sehr geehrter Herr Pfeifer,

dass Sie Grass mit Eichmann und Waldheim in Verbindung bringen, habe ich nicht behauptet. Meine Replik bezieht sich auf die zitierten Aussagen von Jordan Meijas; dies habe ich mit dem letzten Satz auch zu verdeutlichen versucht. Zugegebenermaßen hätte diese Klarstellung weiter oben angebracht werden müssen.

Ihren Aussagen über den Versuch, den Spieß hinsichtlich der Alliierten umzudrehen, pflichte ich uneingeschränkt bei. Und Günter Grass ist ja in vorderster Front mit dabei, etwa wenn er feststellt, Rassismus habe er erstmals bei den Amerikanern kennengelernt.

Freundliche Grüße

Dietrich Dancker
07/26/07 17:33:36

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