Zum 130. Jahrestag eines berühmten deutsch-jüdischen Schriftstellers und Revolutionärs...

Von Azad Abramov

In München, unweit der nach den letzten dramatischen Ereignissen des 2. Weltkriegs benannten "Münchner Freiheit" (Stadtteil Schwabing), befindet sich ein Platz, der nach Erich Mühsam benannt ist. Sein Geburtstag jährt sich dieser Tage zum 130. Mal.

Erich Kurt Mühsam, deutsch-jüdischer Schriftsteller, Dichter, Dramatiker, Publizist und Revolutionär, wurde am 6. April 1878 als Sohn eines Berliner Apothekers geboren. Nach einer Apothekerlehre (1896 – 1899) war er als Apothekengehilfe in Lübeck, Blomberg/Lippe und Berlin tätig. Seit 1901 war Mühsam als freier Schriftsteller in Berlin tätig. Seine politischen Anschauungen orientierten sich an den Theorien des Anarchismus, wie sie Proudhon, Bakunin, Kropotkin und Landauer propagierten.

Mit der Gedichtsammlung "Die Wüste" (1904) betrat er die literarische Bühne. Eine weitere Veröffentlichung war die poetische Sammlung "Der Krater". Diese Werke, die er in Zeitschriften publizierte, fanden in den literarischen Cafés und Restaurants Berlins und anderer Städte große Beachtung.

Seit 1909 lebte Mühsam in München und arbeitete für die Zeitschrift "Simplicissimus". In dieser Zeit war Mühsam einer der Schlüsselfiguren der Schwabinger Bohème. Er freundete sich mit Gustav Landauer, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Frank Wedekind und anderen bekannten Literaten seiner Zeit an.

Mit dem Beginn Ersten Weltkrieg (1914) schrieb er Gedichte und Artikel, in denen er seinen Protest gegen den Krieg ausdrückte. Er war einer der ersten, die versuchten, einen internationalen Bund der Kriegsgegner zu gründen.

Im September 1915 heiratete er Kreszentia Elfinger (1884 – 1962), die als fünftes Kind einer niederbayerischen Gastwirtsfamilie entstammte. Sie hatten einen Sohn, Siegfried Elfinger, der 1969 in Washington USA starb.

In den Werken Mühsams, die in dieser Periode erschienen, u.a. "Die Abrechnung" (1916), das Theaterstück "Judas", das Gedicht "Die brennende Erde" (1920), spielt zunehmend der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit eine Rolle.

In der Novemberrevolution von 1918 spielte Mühsam eine führende Rolle in München und war einer der wichtigsten Inspiratoren und populärsten Leitfiguren, die an der Gründung der Bayerischen Räterepublik beteiligt waren. Nach deren Niederwerfung wurde Mühsam im April 1919 verhaftet und zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. 1923 verfasste er im Gefängnis "Deutsche republikanische Hymne", in weiteren Schriften setzte er sich kritisch mit der Politik der Weimarer Republik auseinander.

Nach einer Amnestie im Dezember 1924 zog Mühsam nach Berlin. Dort wurde er als Redner, Publizist, Unterhändler, Mitglied der KPD-nahen Roten Hilfe Deutschlands, Mitglied des Beirats der Piscator-Bühne in Berlin und Mitarbeiter in vielen linken und antifaschistischen Organisationen bekannt.

Wahrscheinlich aus politischen Gründen trat er in dieser Zeit (1926) "offiziell" aus dem Judentum aus. Wegen seiner Nähe zur KPD wurde er aus dem Anarchistenverband ausgeschlossen, doch entfernte er sich zunehmend auch wieder von der KPD.

Trotz seiner gesundheitlichen Verfassung, er war nachdem er eine Behandlung in Haft verweigert hatte auf einem Ohr taub, arbeitete er weiter als Schriftsteller. Eindringlich warnte er in seinen Werken als einer der ersten beredt vor der Gefahr des Nationalsozialismus.

Im Februar 1933 wurde Erich Kurt Mühsam festgenommen und nach 14 Monaten Folter und Misshandlungen am 10.07.1934 im KZ Oranienburg von der SS ermordet.

Allmählich nur und zunächst nur in kleinem Kreis wurde sein Gedächtnis bewahrt. Erst 1989 wurde in Lübeck die Erich-Mühsam-Gesellschaft gegründet. Sie hat sich zur Aufgabe gesetzt, seine Werke zu verbreiten, im Sinne der Bestrebungen Erich Mühsams einen Beitrag zum Frieden und zur Förderung von Menschenwürde und sozialer Gerechtigkeit zu leisten. Die Gesellschaft führt Tagungen zu Erich Mühsam und seiner politischen und literarischen Tätigkeit durch.

Quellen:
http://www.erich-muehsam-gesellschaft.de
Leonid Minenberg: "Imena izvestnih Evreev v nazvanijah ulits Münhena" ("Bekannte Juden in Münchner Straßennamen")