„Sie war leidenschaftlich moralisch, aber überhaupt nicht moralistisch, oft provokativ, manchmal auch falsch, aber nie trivial, nie gleichgültig, nie mehr zu vergessen.“ So beschrieb Hans Jonas seine Freundin Hannah Arendt...

Sie war Philosophin, Politikerin, Jüdin. Ihr Lebensweg prägte ihr Denken, ihre Kritik, ihre Utopien. Einzige Frau in der Riege der bedeutendsten Philosophen nach dem Zweiten Weltkrieg, streitbare Kennerin von Karl Jaspers und Martin Heidegger war sie eine der faszinierendsten Figuren der Philosophie des letzten Jahrhunderts.

Auf fünf CD’s veröffentlicht der hörverlag in diesem Herbst eine Reihe von Vorträgen von Hannah Arendt - Originalaufnahmen aus den 50er und 60er Jahren. Sie liest mit ihrer dunklen, rauchigen Stimme Texte zu ihren Denkpositionen: Sie behandelt den nationalstaatlichen Totalitarismus, den Rassismus, den Antisemitismus, die Ähnlichkeiten von Faschismus und Stalinismus, die sozial-ökonomische und politische Entwicklung der Modernen Gesellschaften, die Verbindung zwischen Mensch und Natur einerseits und - der modernen Technik und der Naturwissenschaft andererseits.

Hannah Arendts Sprache enthält viele philosophische und historische Begriffe, aber ihre Sätze sind klar und verständlich strukturiert. Sprachmodus und Sprachgeschwindigkeit sind leidenschaftlich. Ihr präzises Denken ist beeindruckend. Sie trägt ihre Lektüre im akademischen Stil vor. Sie illustriert ihre Vorträge mit historischen und literarischen Beispielen.

Ihre Themen sind heutzutage ganz besonders aktuell, obwohl die Vorträge von der Autorin aus den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen.

In dem Vortrag „Wahrheit und Politik“ zeigt sie den Unterschied zwischen philosophischen und politischen Wahrheiten; die Grenze zwischen „Vernunft, Wahrheit, Irrtum und Illusion“. Ihre Aussage, zum Beispiel: „Die moderne Geschichte ist voll mit Beispielen feindlicher Propaganda“ ist heutzutage sehr aktuell. Wenn wir die Konflikte im Nahen Osten betrachten, dann verstehen wir die Ursachen und die Konsequenzen dieser Konflikte: „Die Tatsachen sind hartnäckig“, sagt Hannah Arendt und betont, dass „außenpolitische Konflikte sich zu innerpolitischen entwickeln.“

Hannah Arendt ist am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren und am 4. Dezember 1975 in New York gestorben. Sie wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Sie studierte von 1924-28 Philosophie, Theologie und Klassische Philologie in Marburg, Freiburg im Breisgau und Heidelberg. 1928 hat sie in Heidelberg promoviert. 1933 - nach einer kurzen Inhaftierung durch die Geheime Staatspolizei (GeStaPo) flieht sie nach Paris und ab 1941 lebt sie in New York. 1946 bis 1948 ist sie Forschungsleiterin der Conference on Jewish Relations. Danach arbeitet sie als Cheflektorin bei einem Verlag, als Direktorin bei einer jüdischen Kulturorganisation und war als freie Schriftstellerin und Lektorin an verschiedenen amerikanischen Universitäten tätig. 1953 erhielt sie eine Professur am Brooklyn College in New York und wurde 1963 Professorin für Politische Theorie in Chicago, 1967 folgte sie einer Berufung an die New School for Social Research in New York.

Reden und Gespräche Laufzeit ca. 360 Minuten Sprecherin: Hannah Arendt, erschienen im bei Hörverlag, München:
Arendt, Hannah: Von Wahrheit und Politik, 5 Audio-CDs . Originalaufnahmen aus den 50er und 60er Jahren. Interview und Vorträge. 366 Min.. 2006. BR 1957, 1969 / Schweizer Radio DRS 1958 / WDR 1969 / ZDF 1964
ISBN-13: 978-3-89940-906-2
ISBN-10: 978-3-89940-906-2
Bestellen: http://astore.amazon.de/buchundjudenhaga