Der Ursprung des Theaters ist in uralten Kulturen verwurzelt. Je mehr der Urmensch die Kräfte der Naturbeherrschenden Gewalten kennen lernte, um so mehr entwickelte er Rituale, um sie sich gefügig und geneigt zumachen. Diese Rituale wurden ständig verfeinert und mit der Zeit von Mythen überlagert, in denen Erfahrungen und die Geschichte des Volkes ihren Ausdruck fand...

Das Theater, wie wir es in Europa kennen, entstand im frühen Griechenland. In Christentum zunächst verboten, entwickelte sich seit dem XIII. Jahrhundert das Theater in Formen von Mysterien, um den Gläubigen die Heilige Schrift nahe zubringen. Zunehmend bekam das Theater eine kommerzielle Bedeutung für bestimmte Orte, beispielsweise Oberammergau in Bayern.
Erst seit dem XIX. Jahrhundert entwickelt sich das jiddische Theater in Rahmen des Purimspiels. Sogar in der Rabbinerhochschule von Jitomir in Polen wurde im Jahr 1862 ein Theaterstück von Samuel Etinger von Avraam Goldfaden, der als Vater des jiddischen Theaters gilt, aufgeführt.

Goldfaden war nicht nur Begründer des jiddischen Theaters, sondern auch Schauspieleragent, Lehrer, Komponist, Bühnenbildner, Regisseur und Intendant für sein professionelles Theater.

1883 wurden die jiddischsprachigen Theaterstücke in Russland verboten.
1908 kam es zur Aufhebung des Verbots. Der jiddische Schriftsteller Peresc Hirschbein in Odessa gründete ein jiddisches Theater. In dessen Folge wurden viele jiddischsprachige Theater in Europa gegründet. Zunehmend werden zu den Werken von Scholem Alejchem auch übersetzte Werke bekannter nicht-jüdischer Autoren gespielt. Die wichtigste in Warschau aktive Truppe war die in 1916 in Wilna gegründete „ Wilnatruppe“, die auf vielen Tourneen im Osten größte Erfolge hatte. Bis 1939 lebten in Polen etwa 350 jüdische Schauspieler; nur etwa 80, die nach Russland fliehen konnten, überlebten.

Parallel zu der jiddischsprachigen Theater begann eine zionistisch beeinflusste Theatergruppe in Moskau zu arbeiten. Nachum Tzemach - der Visionär des jüdischen Theaters, war der wichtigste Repräsentant. Sein Ziel war Eretz Israel und seine Vision- ein hebräischsprachiges Theater in Jerusalem zu gründen. Seine Moskauer „Habima“-Gruppe erntete internationalen Ruhm.
Die Gruppe Theater Habima ging 1926 auseinander und ein Teil gründeten das „Habima“- Theater im Tel Aviv.- Es gilt heute als Nationaltheater Israels.

1925 Moshe Halewi, ein Mitglied der Gruppe ging aus Moskau nach Tel Aviv. Er und sein Team glaubten an das Prinzip des proletarischen Theaters. Das Öffnungsstück „Nishfei Peretz“ hatte großen Erfolg. Dieses Theater existierte bis in die 80er Jahre.

In Europa erorberte Habima die jüdische Gemeinde und in 1927 erreichte sie sogar New York.
Ein drittes neues Theater, Ha’ Kumkum wurde 1927 von Avigdor Ha’Meiri gegründet. Das Theater eines satirischen Bühnenspiels hatte nicht lange Bestand, war aber der Ausgangspunkt des satirischen Theaters namens "haMatate". Das Theater existierte bis in die 50er Jahre. Es war ein populäres Theater, das auf humoristischen Weise die Probleme des Staates Israel darstellte und damit große Erfolge errang.

1944 inszenierten Regisseur Joseph Milo und vier Schauspieler vier Sketche in fließendem Hebräisch.
Nach einiger Zeit kommen Channa Maron und Joseph Jadin- die Schlüsselfiguren des Israelischen Theaters. Diese Gruppe gründete später das Theater, das bis heute existiert: das Hakameri-Theater. Es brachte als erstes Israelisches Theaterstück einen in Israel Geborenen als Helden auf die Bühne und ist eines der ersten dramatischen Werke des Unabhängigkeitskrieges (1947).

Anfang der 50er Jahre Habima, Ha’Ohel und Hakumkum wurden fast zu monopolistischen Einrichtungen in der Israelischen Theaterlandschaft. Das Theater wurde bürgerlicher und kommerzieller. Aber es entstanden neue, avantgardistische Bühnen.

Die erste und vielleicht und wichtigste avangardistische neue Bühne war das kleine Ziratheater (1949- 1958).
Das war die erste Bühne des israelischen Theaters mit Inszenierungen von absurden Stücken israelischer Autoren.

Der erfolgreichste Autor der 50- 60er Jahre war Jigal Mosenson mit seinem Musical „Kasablan“. Er beleuchtete die Widersprüche zwischen arabischen und europäischen Immigranten.

Der international bekannteste Schriftsteller und Bühnenautor ist der Humorist Ephraim Kishon, der später Israel verließ und in die Schweiz auswanderte. Er schieb israelische Satiren, die in viele Sprachen übersetzt wurden.

Nach der Gründung des Staates Israel, haben die Zuwanderer aus den europäischen Ländern ihre Erinnerungen mitgebracht. Eine von ihnen ist die Dichterin Lea Goldberg. Sie schrieb über den Holocaust.

Ein anderer Schriftsteller, Benzion Tomer, kritisierte mit „Schattenkinder das Bild des israelischen „Zabar“, des gebürtigen Israeli.

1961 wurde ein neues Theater in Haifa gegründet und Josef Milon, damals künstlerischer Direktor des Hakameri-Theaters, wurde berufen diese Aufgabe zu übernehmen. Dieses Theater brachte frischen Wind ins Theaterleben und engagierte junge künstlerische Talente.

Auch Beerschewa erhielt ein eigenes Theater Ende der 60er Jahre. Zu dieser Zeit erlangte das Habima die Anerkennung als Nationaltheater und Hakameri-Theater als städtisches Theater im Tel Aviv.

In den 80er Jahren entstand die beste Regie des Israelischen Theaters. Nissim Aloni gründete zusammen mit einigen der besten Schauspielern und Komiker das Theater Ha’Onot („Jahreszeitentheater“). Nachfolger Alonis, Anfang der 70er, ist Hanoch Lewin. Nissim Aloni und Hanoch Lewin haben die israelische Theaterlandschaft und haben diese geprägt und besetzt.

Ein anderer wichtiger Autor des Israelischen Theaters ist Natan Altermann, ein Dichter und Essayist. Sein großer Beitrag für die hebräische Prosa findet sich in den Übersetzungen von beispielsweise Shakespeare, Racine, Molière. Er schrieb und bearbeitete auch hebräische Stücke.

Augrund der relativ stabilen Sicherheitslage des Landes erlebte das israelische Theater in den 60er Jahren seine Blütezeit.

Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der "Intifada" und diese Zeit hat auch auf der Bühne des israelischen Theaters ihren Platz gefunden. Dokumentarische Stoffe beschäftigten sich mit den Problemen der israelischen Gesellschaft und der arabischen Minderheit in Israel.

Die große Zuwanderung Anfang der 90er aus der ehemaligen UDSSR veränderte die israelische Theaterlandschaft. Die Emigranten hatten ihren eigenen Stil und die eigene Theaterkunst mitgebracht, aber sie versuchten mit der hebräischen Sprache das israelische Publikum zu erobern.
Nach kurzer Zeit bekam die Gruppe unter der Leitung von Iwgeni Arjeh Auszeichnungen zur „Besten Schauspielergruppe Israels“ und „Eine der besten zehn Gruppen der Welt“.

Quelle: „Kurze Geschichte des israelischen Theaters“ von Sharona Levitan