Die Feierlichkeiten zur Eröffnung der neuen Synagoge Ohel Jakob am Jakobsplatz hat mit dem Umzug der Torah-Rollen aus der alten Synagoge in der Reichenbachstraße 27 begonnen...

Es berichtet Azad Abramow

Der Schlüssel von der Hauptsynagoge Ohel Jakob am Jakobsplatz wurde vom Münchener Oberbürgermeister Christian Ude an die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, in Anwesenheit zahlreicher prominenter Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion übergeben:
Horst Köhler, Bundespräsident und Edmund Stoiber, bayerischer Ministerpräsident, mit Gattinnen, Vizekanzler Müntefering, Kurt Beck von der SPD und Roth von den Grünen und Kardinal Wetter, prominente Gäste aus Jerusalem und Tel Aviv sowie Repräsentanten aus islamischen geistlicher Kreisen. Auch die Witwe von Johannes Rau, dem ehemaligen Bundespräsidenten, der bei der Grundsteinlegung anwesend war, nahm teil.

Charlotte Knobloch berichtete über die Entrechtung und Ausgrenzung der Juden vor 68 Jahren, in der Reichspogromnacht / „Reichskristallnacht“, die sie als sechsjähriges Mädchen miterlebte.

Die Namen all der Menschen, die damals umgekommen sind, sind im Gemeindehaus verewigt. „Wir“ - sagte Charlotte Knobloch, „sind da, wo wir hingehören, wir sind im Herzen Münchens angekommen.“ „Es zeigt, dass es Hitler nicht gelungen ist, uns zu vernichten.“

Der 09.11. war bisher nur ein Tag der Vergangenheit, jetzt ist es auch ein Tag der Zukunft. Knobloch kommentierte: „Die neue Synagoge am Jakobsplatz ist nicht nur Symbol der Vergangenheit, sondern auch hoffnungsvoller Ausblick in die Zukunft.“
Knobloch: „Die jüdische Gemeinschaft kommt wieder zurück in die deutschen Städte“.

Hier noch einige Zitaten von C. Knobloch:
"Wer baut, der bleibt"
"Wir haben gebaut, wir bleiben".
"Wir gehören hier her".

Die Eröffnung neuen Synagoge bzw. des neuen Zentrums in München ist neues Kapitel im Zusammenleben von Juden und Nichtjuden" in Deutschland. Das neue jüdisches Zentrum am Jakobsplatz anschließend Ohel-Jakob Synagoge, Schule, Kindergarten, Jungendzentrum hat 57 Millionen Euro gekostet, Landeshauptstadt München war (neben der Gemeinde) Hauptfinanzierer. Sie hat Grundstück zur Verfügung gestellt, auch der Freistaat Bayern war beteiligt und viele private Spender haben dazu beigetragen. Rena Wandel-Höfer und andere Familienmitglieder sind die Architekten, die diese Synagoge gebaut haben.

Bundespräsident Horst Köhler erinnerte daran, dass vor drei Jahren bei der Grundsteinlegung ein Attentat geplant war. Köhler: „Die IKG kehrt sichtbar ins öffentliche Bewusstsein der Stadt zurück – und damit ein Stück Normalität und Selbstverständlichkeit.“
Köhlers Vorgänger Rau hat gesagt: „Hier entsteht ein Zeichen für Heimat“ – Dies sei ein Signal für die große Mehrheit der Anständigen in diesem Land, die Rückkehr von jüdischem Leben, jüdischer Religion und Kultur in Deutschland.

Die jüdische Gemeinde ist durch Zuwanderung aus den ehemaligen Sowjetrepubliken stark angewachsen.
„Wir sind Demokraten und wir stehen dafür ein. Der Staat hat sich verpflichtet, die Würde des Menschen zu achten und zu schützen.“

Der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat in seiner Rede folgendes gesagt: „Rückkehr des jüdischen Lebens in das Herz der Altstadt ist in unmittelbarer Nähe vom Rathaus und der Frauenkirche“. Heute, 09.11.2006. ist der „Tag der Hoffnung und Versöhnung aller jüdischen und nichtjüdischen Bürger“. Stoiber sagte, dass die Eröffnung der neuen Synagoge „ein sichtbares Zeichen des über sechs Jahre hinaus gewachsenen Vertrauens in unsere Demokratie; und nun erfahrbar im Gemeindeleben entfalten kann.“ Er zitierte Max Mannheimer, einen Überlebenden des Holocausts, der gesagt hat: „Demokratie gibt es nicht zum Nulltarif, man muss was dafür tun“.
Stoiber hat in seiner Rede auch Golo Mann zitiert: „Humanität ohne Glauben ist wie eine Blume ohne Wurzel. Dieser Komplex: bestehend aus Synagoge, Museum, Jugendzentrum, Schule, Kindergarten, ... gehört uns Allen“, sagte Stoiber. „München hat, laut Stoiber, 4500 jüdischen Bürgern eine neue Heimat gegeben“.

Danach ist Oberbürgermeister Christian Ude aufgetreten.
Er sagte: „Die Münchener Jüdinnen und Juden sind im Herzen der Stadt angekommen. Charlotte Knobloch hat an ihren verwegenen, fast utopischen Traum geglaubt, es ist ihr Lebenswerk“.
„Das neue Zentrum, äußerte Ude, hat dieser Stadt eine bessere Qualität verschafft.“
„Andernorts wird das unaufhaltsame Vordingen des Kommerzes beklagt – München erlebt“, sprach Ude und sagte: „Eine Aufwertung der Altstadt“ – geistig, kulturell, religiös“. „Der Platz bietet verschiedene Aufenthaltsmöglichkeiten“. „Mag das Haus, so Ude, „ein Haus des Friedens sein, dem Frieden vergönnt ist und ein Haus, von dem Frieden ausgeht.“

Die Münchener Geschäftsleute sind auch an der Veranstaltung beteiligt, sie heißen das neue Gemeindezentrum willkommen mit der Aktion City-Partner.

Hauptrabbiner von München Stevan S. Langnas in seiner Rede sagte folgendes: „Dieses Haus ist die Leiter, wo Himmel und Erde sich treffen. Haus überbrückt die Kluft zwischen dem Spirituellen und dem Materiellen“.
Das Ewige Licht von der Reichenbachstraße (ehemalige Haupt-Synagoge der IKG) zum Jakobsplatz getragen wurde.

Der Hauptrabbiner hat erklärt, dass „In der neuen Hauptsynagoge Leuchter mit sechs/sieben Lichtern – stehen für Weisheit, Lebensklugheit, Wissen, Gottesfurcht, Stärke, Einsicht, das mittlere ist der Geist Gottes, der allen diesen Eigenschaften zu Grunde liegen soll.„ und „Arme des Leuchters zur Erinnerung an die 6 Millionen ermordete Juden“.

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