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Sächsisch-provinzielle Stilblüten des antitotalitären Konsens

Die Burg Hohnstein war von 1933 bis 1934 eines der ersten Konzentrationslager Nazi-Deutschlands. Hier wurden in den beiden Jahren ca. 5.600 AntifaschistInnen und JüdInnen inhaftiert und von den SA-Wachmannschaften brutal gefoltert. Ungefähr 140 KommunistInnen, SozialdemokratInnen und JüdInnen fielen den Nationalsozialisten hier zum Opfer. Von 1939 bis zum Ende des Nationalsozialismus diente die Burg Hohnstein dann als sogenanntes Kriegsgefangenenstammlager (Stalag) mit der Nummer IV A...

Von Henryk Neugebauer

Bis 1995 konnten BesucherInnen eine Dauerausstellung über diesen Teil der Geschichte der Jugendburg Hohnstein besichtigen. Die Burg Hohnstein und die Ausstellung fanden jedoch keine Aufnahme in das sächsische Gedenkstättengesetz und wurde daher geschlossen. Seitdem erfahren BesucherInnen nur noch auf zwei A4-Seiten über die Geschichte der Burg als eines der ersten KZs Nazi-Deutschlands.

Links neben dem Haupteingang der Burg befindet sich eine Gedenkstele, die den Opfern des Nationalsozialismus erinnert. Wurde diese Stele und der Platz herum, ehemals gepflegt, war dieser Bereich seit der politischen Wende mehr und mehr dem Verfall ausgesetzt und wurde von engagierten Menschen in Eigenregie gepflegt.

Nach dem Willen des Hohnsteiner Bürgermeister Wolfram Lasch (CDU) wurde am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee, an diesem Ort eine Tafel mit folgendem Wortlaut angebracht: "An dieser Stelle wurde im Jahre 1961 eine Gedenkstätte geschaffen. Sie wurde vom Dresdner Bildhauer Wilhelm Landgraf gestaltet. Die Nationalsozialisten hatten 1933-1934 auf der Burg ein Schutzhaftlager errichtet. Das Ehrenmal ist den inhaftierten Opfern gewidmet. Von der SED war hier ein zentrales "Isolierungslager" für politisch Andersdenkende des Bezirkes Dresden geplant, das jedoch nie zur Ausführung kam."

Nicht nur, dass der Bürgermeister hier versucht die Opfer des Nationalsozialismus mit, noch nicht betroffenen, d.h. fiktiven Opfern des DDR-Regimes gleichzusetzen und damit den deutschen Faschismus verharmlost - der Text auf der Tafel ist historisch falsch und beleidigt die, welche im KZ Hohnstein zu Tode kamen oder hier gefoltert wurden. Mit der o.g. Formulierung soll impliziert werden, die faschistische Mordmaschinerie sei vergleichbar mit der "Lagerpolitik" der SED. Tatsache ist, dass geplant war, in Hohnstein Menschen, die im Falle einer akuten Bedrohung des Staatsbestandes, im Interesse der inneren Sicherheit, zu isolieren. Auch die BRD sah derartige Lager spätestens seit 1967/68 im Rahmen der Notstandsverfassung/Notstandsgesetze vor.

Gedenktafeln sollten sachlich-historisch richtig sein. Sie sollten Orte der Erinnerung und des Gedenkens sein. Auf Gedenksteinen darf nicht mit fiktiven Opfern Handel betrieben zu werden, nur weil die eigene Courage fehlt, den Opfern des Nationalsozialismus in geeigneter Form zu Gedenken. Das Verhalten des Bürgermeisters, der für die Tafel verantwortlich zeichnet und des Gemeinderates, der diese nachträglich legitimierte, kann nur als schäbig bezeichnet werden.

Es sollte endlich dafür Sorge getragen werden, dass mit Hilfe der sich im Archiv der Jugendherberge befindlichen Unterlagen eine ständige öffentliche Dokumentation oder ein Museumsbereich für alle Besucher eingerichtet wird. Dazu gehört auch, der Jugendburg Hohnstein den Status einer offiziellen Gedenkstätte unter dem Schirm der Sächsischen Gedenkstättenstiftung einzuräumen. Zudem ist zur Aufklärung der Verbrechen in Hohnstein und dem Nebenlager Königstein-Halbestadt ebenfalls noch vieles nicht erforscht. In verschiedensten Archiven liegen bisher noch nicht erschlossene Materialien. Da wäre über die Jugendburg Hohnstein in den Jahren 1933 und 1934 noch viel Konkreteres zu erfahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Seit 2005 liegt eine Schrift vor, die sich auch mit diesem Fragenkomplex
befaßt: Carina Baganz, Erziehung zur 'Volksgemeinschaft'? Die frühen Konzentrationslager in Sachsen. C. Baganz hielt es allerdings ebenfalls für nötig, auf die Planungen der Staatssicherheit in einem anschließenden Abschnitt einzugehen: Ein typischer Fall des zeitgemäßen Kotaus vor einem "Geßlerhut".

Category: General
Posted 02/05/07 by: admin



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Comments

wrote:
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03/05/07 09:14:01

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