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Strafbefehl über 1.500 Euro gegen Künstler: Heilige Inquisition in Bayern

Als kurz vor dem kostspieligen Besuch des Papstes Ratzinger 2006 auf Staatskosten in Bayern die beiden fröhlichen Heiden Wolfram P. Kastner (Künstler) und Georg Ledig (Autor) als ein Papst und Hitler durch München spazieren wollten, war der gesamte Bayerische Staatsschutz da und wollte das verhindern...

Von Carl Blauhorn

Die Kunstaktion bezog sich symbolisch auf den Abschluss des ersten internationalen Staatsvertrages 1933 zwischen Vatikan und NaziReich, dem sog. „Konkordat“ (Eintracht?), der als einziger Nazi-Vertrag bis heute in Deutschland gilt.

Die aufgeregten Staatsschützer befürchteten eine „Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes“ und die Gefährdung des Staates durch eine unangemeldete Versammlung.

Erst als die beiden klarstellten, dass es sich um eine Kunstaktion, ein bewegtes tableau vivant, handle und die Freiheit der Kunst selbst in Bayern und der ehemaligen „Hauptsstadt der Bewegung“ verfassungsmäßig garantiert sei, ließen die zivilen Staatsinquisiteure Kastner das weiße Gewand anlegen. Sie fürchteten auch eine Blamage vor der Öffentlichkeit und den anwesenden Presseleuten, wie aus dem Ermittlungsakt hervorgeht.

Das stellvertretende Staatsschutzoberhaupt untersagte den Weg zum Dom, zum erzbischöflichen Ordinariat und dem Ort des Braunen Hauses und schickte die beiden Akteure stattdessen auf einen von ihm vorgeschriebenen Weg - zu Fuß ins Polizeipräsidium. (Vermutlich wollten sie die Fahrtkosten dorthin sparen). Der Stellvertreter des obersten Staatsschützers in Bayern stellte - ohne rot zu werden - in Aussicht, dort würde die weitere Route besprochen und die Fortsetzung ermöglicht.

Stattdessen wurde im Polizeipräsidium zur „Gefahrenabwehr“ das weiße Gewand verhaftet und über die positive Wirkung von „a bisserl Polizeistaat“ raissoniert. Der oberste Staatsschützer, Dr. Beyser, kündigte an, er werde dafür sorgen, dass der Kostümverleih den beiden KunstAkteuren nie mehr ein Kostüm leihe („a bisserl Polizeistaat schadet nichts“). Außerdem erklärten die Staatsschützer, dass es in Bayern schon als unangemeldete Versammlung gälte, wenn eine Person mit einer Meinung auf einem öffentlichen Platz stünde. (Sie könnte ja u.U. ihre Meinung äußern und andere könnten stehen bleiben und schon wäre das ein gefährlicher Volksauflauf.)

Anschließend ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Kastner wegen „Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes“, wegen „Missbrauchs von Zeichen“ und wegen einer „unangemeldeten Versammlung“. In dem 55 Seiten umfassenden Ermittlungsakt lassen sich vier Beamte über die Amtstracht des Papstdarstellers aus, bezeichnen die Kopfbedeckung mal als „Mitra“, mal als „Pileolus“, mal als „Käppi“ und stellen fest, dass der Beschuldigte keinen Hirtenstab trug und zugab, er sei nicht der amtierende Papst.

Als Grund für den jetzigen Strafbefehl gibt das heilige Amtsgericht nur noch eine „unangemeldete Versammlung“ an. Santa simplicitas! Schickte nicht der heilige Staatsschutz die Künstler auf den von ihm auserwählten Weg? Hatte damit die im Heiligen Bayerischen Reich offenbar hochbrisante Kunstaktion nicht den obersten staatsschutzlichen Segen? Kruzifix könnte man da ausrufen, haben die nichts Wichtigeres zu tun? Zum Beispiel den braunen Sumpf auszutrocknen? Wirtschaftskriminelle, Waffenhändler, Bombenbastler und Gammelfleischer dingfest zu machen?

Widerspruch gegen den Strafbefehl legte der Rechtsanwalt Hartmut Wächtler ein.

Das gegenwärtig amtierende „ausländische“ Staatsoberhaupt des Vatikan ließ bereits 2005 dem Künstler Wolfram P. Kastner schriftlich mitteilen, dass er für ihn „Gottes beständigen Schutz und Segen“ erbitte. Mal sehen, ob sich die Fürbitte bei dem bevorstehenden Prozess als hilfreich erweisen wird.

Category: General
Posted 02/04/07 by: admin



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