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"Rap ist meine Schwester, ich schütze ihre Ehre…

…Soldaten unsere Sorte schultern Mikros wie Gewehre." (1) reimen Prinz Porno aka Prinz Pi und die Beatfabrik auf ihrem Album Radiumreaktion. Okay, ein alter Schuh, ich gebe es ja zu, aber in anbetracht der Tatsache, dass der pöbelnde Prinz aus Berlin auf seinem neuen Doppelalbum 'Donnerwetter' die Katze endlich aus dem Sack lässt und die unzähligen Sprechgesangsgenossen seines Jahrgangs – sich inklusive – äußerst treffend als Generation Jihad (2) branded, doch wieder interessant. Die Textzeile ist ein Meilenstein unter vielen entlang der Wegstrecke, die die deutsche Sprechgesangsszene in den letzten Jahren hinter sich gelassen hat, weg von den alten linken Kampfbegriffen hin zum Slang der Jihadisten. Eine kleine Recherche im Rap-Block um die Ecke…


Von Edward E. Nigma

Am Anfang war es möglicher Weise noch schlechter Geschmack. Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere Leser noch an Jan Delays peinlichem Auftritt vor beinahe 10 Jahren, als er mit Paltituch und Plastikkalaschnikow bewaffnet auf dem Kölner Karneval herumhampelnd im Musikfernsehen für jedermann zu sehen war. Mit Geschmack, in welcher Dosis auch immer, hatte dies damals nicht viel zu tun. Ästhetisch wie auch politisch. Trotzdem wurde die als Provokation gedachte Inszenierung kein Untergrund- sondern ein Mainstreamhit, ein ziemlich nerviger noch dazu…

Doch spätestens jetzt muss man resümieren, dass es eben niemals eine Frage des Geschmacks war, um die man hätte streiten können, sondern eine des An- wie auch Verstandes, bei der es kein Pardon mehr gibt, erst recht kein Austausch von vielen Wörtern. Von Jahr zu Jahr steigert nun die deutschsprachige Rapszene ihrem Anteil am kulturellen Jihad: Immer mehr Versatzstücke islamischer Moralvorstellungen und Schlüsselwörter der transnationalen Jihad-Bewegung lassen sich in ihrem Repertoire auffinden. Den positiven Bezug auf die radikalislamischen Taliban, der weltweiten Islamikone Osama Bin Laden oder anderer Vorkämpfer des Terrorislam kann man an jeder Ecke des deutschen Rap-Ghettos hören und sehen. Diese Entwicklung den Rappern mit Migrationshintergrund in die Schuhe zu schieben, wäre ein fataler Trugschluss. Im Gegenteil, die Wegbereiter aus dem Vorstadtghetto in die Kinderzimmer der Nation waren eigentlich linksdeutsche Mittelstands-Jungs deren Rap mit Antifa-Attitüde Mitte bis Ende der 90er Jahre die deutschen Charts eroberte. (3)

So glänzte zum Beispiel vor zwei Monaten der schon eingangs erwähnte Hamburger Rapper Delay im österreichischen Fernsehen mit der kongenialen Feststellung, dass er über den Papst natürlich jederzeit derbste Witze fabrizieren würde, aber im Fall des Islam dies tunlichst unterlässt und stattdessen auf den internen Respektmodus umschaltet. Und natürlich durfte die norddeutsche Schnodderschnauze in der kurzen Sendezeit auch die Ermittlungsergebnisse der amerikanischen Sicherheitsbehörden rund um den 11. September 2001 in Frage stellen. Für solch wichtige Nachrichten hat man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schlechterdings immer eine Minute übrig. Und das der Sohn einer Kunstprofessorin auch noch beinahe euphorisch dabei wird, wenn er von den Islamistenvideos auf Youtube schwärmt, hätten man dem geneigten Publikum eigentlich ebenso ersparen können, wie den ganzen Schmarrn zuvor. Aber was soll’s, immer schön an den eigenen Blutdruck denken und zurück zum Text…

So wie bei Delays Beichte bei der 'Sendung ohne Namen' im ORF, ergeht es gerade nicht wenigen seiner Zunft. Nach und nach entpuppt sich das Anfangs noch gerne als Provokation verharmloste Wortspiel mit dem an Kampfbegriffen reichen Fundus des islamischen Jihads zu einer teilweise faustdicken islamischen Moral mit entsprechendem Sendungsbewusstsein. Es findet sich kaum noch ein Deutschrapper der nicht wenigstens die USA für die Terroranschläge 2001 selbst verantwortlich macht, und/oder in seinen Liedern die eigene klammheimliche Freude über die mörderische Bluttat zum Ausdruck bringt…

Im Detail gibt es natürlich so einige Unterschiede, wie immer im Leben: der Ton macht die Musik. Doch Vorsicht, nur weil die proletmissionarischen Möchtegerngangsterrapper ihre Texte etwas lauter und aggressiver rappen, bedeut dies nicht unbedingt, dass sie deshalb – gegenüber den intellektuelleren Speerspitzen des Business - die größeren Arschlöcher wären. Es ist gerade bei den von Günther Jacob so genannten Arschlochrappern damit zu rechnen, dass der Bezug auf islamisch verbrämte Begriffe neben der Identifikation ebenso der Provokation dient. Aber auch hier ist zu beachten, dass in dem Augenblick wo die Provokation zur sich ständig wiederholenden Phrase gerinnt, man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass es sich dann, wer hätte das gedacht, einfach nur um plumpe Ressentiments handelt.

Aber genug der Vorrede, hier ein paar Schmankerl:

Freundeskreis (Rapper: Max Herre):

"Das Pentagramm kreuzt den pentagon’schen Masterplan, aus den Weiten Kasachstans bis zu den Höhen des Golan erklingt die Stimme der Massen righteous wie Rastachants, Philister müssen gehen sie ham’ zu lange abgesahnt, nehmt Ministern die Diäten, dass sie Fasten wie an Ramadan, bald werden Köpfe rollen, weil jetzt andere an die Töpfe wollen, auch aus dem vollen Schöpfen wollen, ihr`n Tribut nicht falschen Götzen zollen, weil der Tanz ums goldene Kalb nicht ungescholten bleibt, weil schon die Luft zu verschmutzt ist, als dass man Schlösser in die Wolken träumt…

… Wir haben einen Tod zu sterben, ein Leben zu geben, um eh` wir das Zeitliche segnen nach Unsterblichkeit zu sterben, also stell ich mein Schaffen in gesellschaftlichen Nexus, lass mir mein Bart wachsen überm Textbuch." Revolution der Bärte; Esperanto; Four Records; 1999

Bushido:

"Ich mach ein Anschlag auf dich wie in Tel Aviv… Wenn ich will, dann seit ihr alle Tod, ich bin ein Taliban." Taliban; Carlo, Cox, Nutten; Aggro Berlin; 2002

Azad:

"Allah, ist meine Seele, dein ist mein Leben, sein Wort ist mein Weg, den ich wähle. Der Beton in meinen Knochen, der Asphalt in meinem Schädel, glaub mir es ist kalt, da wo wir leben…" Ewige Nacht; Electro Ghetto; Urban/Universal; 2004

Prinz Pi aka Prinz Porno:

"Eine betrogene Generation, in einem verlorenen Land, ich glaubte mich verloren, doch fand, halt an einem Stift, es ist die Generation Jihad die heut aus mir spricht, sie schrein so laut, das Licht ist so hell, die Geschichte so schnell, es ist wie ein Traum bis der Vorhang fällt, weil meine Zeilen die Welt verändern, wäre das passende Releasedatum der 11. September…" Ich gehe; Donnerwetter; No Peanuts; 2006

Jan Delay:

"Ey Leute darf ich bitten, ja ich, bring die Bomben, so wie schwarze Witwen." Intro; Mercedes Dance; Universal; 2006

Ercandize:

"Und ich schnapp dich mit paar Lines, nenn mich M Punkt Atta, Junge, Ercandize Part Eins. Dies ist keine Mukke, dies ist Glaubenskrieg, dies ist ein Soundtrack für Attentäter, lauf du Freak. Dies ist Massaker, Junge, Massenmord, Überrap, geb mir das Mic und ich fackele euch Typen weg." In der Luft; La Haine – Sie nannten ihn Mücke; Optik Records; 2006

Die Unterstützungsleistung für den Jihads durch solche Punchlines sollte nicht unterschätzt werden, da gerade Jugendliche sich von dem rebellischen Gestus der Lieder gerne ansprechen lassen. Ähnlich wie beim Rechtsrock werden hier über die Musik politische Moralvorstellungen transportiert und verfestigt. Die Tragweite dieser Entwicklung lässt sich bisher schwer einschätzen, aber es wäre nicht unrealistisch, davon auszugehen, dass eines Tages, angestachelt durch die aggressiven Punchlines der islamophilen Deutschrapper auch hierzulande aufgewachsene Jungislamisten zum Sprengstoffgürtel greifen um in "Krankfurt" (4) oder anderen deutschen Städten zur Tat zu schreiten…

Anmerkungen:

(1) Prinz Porno "23 (Rap ist Pt.2)" Radiumreaktion
(2) Prinz Pi "Ich gehe" Donnerwetter, No Peanuts
(3) Dazu mehr in: Fatwas in Reimform von Thomas Sayinski und Jakob Baruck, Bahamas Nr. 50, Sommer 2006
(4) So nennt der Rapper Azad seine Heimatstadt Frankfurt/Main in einem Song auf dem Album "Game Over"

Quelle: http://bad-blog.com

Category: General
Posted 01/09/07 by: admin



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Comments

wrote:
Meiner Meinung nach sehr gut recherchierter Artikel. Leider bedarf er wie so viele über die deutsche Rapszene einer dringenden Aktualisierung. Um Bezugspunkte zu schaffen, sollten Namen wie der des Falastin Massiv aus dem Wedding fallen, der seine Botschaften relativ gut verschlüsselt unter das Volk bringt, aber dennoch verständlich wie sich auf seinen Myspace Seiten bemerkbar macht.
03/08/07 16:30:21

wrote:
Gut recherchiert? Ich hoffe nicht, sonst müsste man dem Autor vorwerfen, bewusst zu verfälschen, um zu seiner Aussage zu kommen (die trotz allem nicht wirklich klar herausgearbeitet wird).
Hier werden textzeilien aus dem Kontext gerissen. Es wird vergessen, die "Battle-Kultur" im hiphop zu erklären und dadurch die martialishcen Punchlines zu erklären. Das zitat von Bushido, welches hier gebracht wurde, sagt eigentlich alles:

"Ich mach ein Anschlag auf dich wie in Tel Aviv"
nicht
"Ich mache ein Anschlag auf Tel Aviv"

Der Angesprochene ist keinesfalls ein Bewohner Tel Avivs, sondern ein (fiktiver) anderer Rapper, mit dem sich Bushido im Wortgefecht befindet. (Eine kulturelle Entwicklung des Hiphop, welche entstanden ist, um reale Bandengewalt zu vermeiden.-> http://de.wikipedia.org/wik...(Subkultur) ).

Prinz Pi eine Jihad-Motivation zu unterstellen ist lächerlich und zeugt entweder von einer absoluten unkenntis seiner Werkes, dummheit oder bewusster Manipulation. Dass er von der "Gernation Jihad" spricht, ist keine positive Wertung des selben, sondern eine Feststellung einer kulturellen Bewegung, die völlig Wertfrei (und auf dieser Homepage wohl genauso) getroffen wurde.

Dem Moslem Azad seine oben zitierten Zeilen vorzuwerden ist ebenfalls lächerlich.

Erstaunlich, dass ich mir diese Mühe gemacht habe.
05/08/07 17:43:10

wrote:
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10/08/07 17:50:55

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