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Judentum und Israel
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Milde Propaganda

Mit der taz halte ich es wie mit der Bild - wenn sie auf dem Tisch liegt schaue ich mal rein. Neulich war es wieder soweit. Nach kurzem Suchen fand ich auch schon einen Artikel meiner Lieblingsautorin Susanne Knaul, die sich noch vor wenigen Wochen dadurch gerühmt hatte, bei Zitaten israelischer Politiker gern mal ein Auge zuzudrücken, wenn es um eine fulminante Schlagzeile geht...

Von Franz Haupt

"Israeli droht mit Holocaust" hatte sie getitelt, was weniger über das eigentliche Zitat als vielmehr über die Hebräisch Kenntnisse der Nahostkorrespondentin erahnen lässt. Erwartungsvoll nahm ich also ihren heutigen Artikel in Augenschein, der von dem "Ende der Waffenruhe" in Israel und den Palästinensergebieten berichten wollte. Während ich noch darüber nachdachte von welcher "Waffenruhe" Knaul eigentlich berichtete las ich, dass israelische Soldaten fünf "Mitglieder von Widerstandsorganisationen getötet hatten" - darunter Mohammad Schehade, den Hintermann des Attentats auf die Merkaz Harav Jeschiwa letze Woche.

Stutzig werde ich als ein paar Zeilen weiter der Sprecher des islamischen Dschihad, Daud Schihab mit den Worten zitiert wird, er sehe in der "Tötung der fünf palästinensischen Kämpfer und der Wiederaufnahme der Luftangrife auf den Gazastreifen die Zerstörung aller Anstrengungen, die unternommen wurden um eine Befriedung zu erreichen". Ich frage mich noch, ob es ironischer ist, dass ein derartiger Kommentar von dem Mitglied einer Terrororganisation stammt oder dass Susanne Knaul ihn so ernsthaft und ohne Kommentar zitiert, als ich schon beim nächsten Absatz wieder ins Stutzen komme. Diesmal zitiert Knaul das Fatah Mitglied Dschibril Radschub, der mit Schehade gemeinsam in israelischen Gefängnissen gesessen hatte mit den Worten: "Schehade war bereit sich an den Waffenstillstand zu halten".

Soviel Humor hatte ich selbst der Fatah nicht zugetraut. Wieder kein Kommentar von Knaul. Man hätte vielleicht anmerken können, dass es schon ziemlich absurd ist, davon zu sprechen, dass jemand bereit ist einen Waffenstillstand einzuhalten, der noch vor einer Woche an einem Massaker an 8 israelischen Kindern und jungen Erwachsenen beteiligt war, aber so ein Hinweis fehlt. Platz war hingegen noch für ein Zitat von Conny Rice über die Besorgnis hinsichtlich des israelischen Siedlungsbaus. Na ja im Artikel über das Massaker an der Merkaz Harav Jeschiwa konnte ja auch nicht schnell genug darauf hingewiesen werden, dass es sich um ein "Flagschiff des religiösen Zionismus" gehandelt habe.

Während ich darüber nachdachte, dass mir Henryk Broders Spitzname für die taz ziemlich passend erschien, stellte ich fest, dass zum Thema auch noch ein Kommentar untergebracht war, der - wie könnte es anders sein - von Susanne Knaul verfasst wurde. Also hier konnte ich jetzt das erwarten, was im Artikel schon zwischen den Zeilen stand. In der Tat ging es etwas über das hinaus. Es geschehe "nicht zum ersten Mal, dass eine Kampfpause [...] ausgerechnet von israelischen Soldaten unterlaufen wird. Für die Soldaten spielen die aktuellen politischen Entwicklungen weniger eine Rolle, als die strategisch-militärischen Überlegungen. Besteht die Chance, einen gesuchten Terroristen zu erwischen, ohne dabei Unschuldige zu verletzen, wird zugeschlagen, ...".

Nachdem ich den Satz dreimal gelesen hatte stand er immer noch so dort. Ich fragte mich, was Frau Knaul damit suggerieren wolle. Sollten israelische Soldaten etwa nicht Rücksicht auf Zivilisten nehmen? Sollten Israels Sicherheitsdienste einen Terroristen, den selbst sein Gefängnisaufenthalt in Israel nicht von weiteren Attentaten abhält Laufen lassen, weil er nach Aussage eines ehemaligen Mitinsassen zu einem "Waffenstillstand bereit sei"? Wenn das kein Beispiel dafür ist, dass die Israelis es keiner taz-Korrespondentin recht machen können, kenne ich keines. Ich war nur überrascht, dass so etwas in der Tat gedruckt wird. Im Rest ihres Kommentars schreibt Knaul weiter vom Waffenstillstand und was Israel tun müsse. Während ich fassungslos meinen Kaffe austrinke und die Zeitung weiter durchblättere finde ich noch einen kurzen Artikel zu einem Fund eines jüdischen Amuletts in Wien, was beweist, dass es Juden dort wohl schon zur Zeit der Römer gab und denke mir, dass tote Juden in der taz bessere Schlagzeilen bekommen als lebende.

Als ich später versuche die Artikel auf der Internetseite der taz zu finden stelle ich fest, dass ich mich geirrt hatte - auch lebendige Juden bekommen gute Schlagzeilen: Es fand sich ein großes Interview mit Alfred Grosser in dem er auf die Mauer schimpft - natürlich nicht die in Berlin.

Category: General
Posted 03/19/08 by: admin



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