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Kriminelle Vereinigung auf Bewährung

Ein fragwürdig mildes Urteil aus Stuttgart, wo durchgestrichene Hakenkreuze strafbar sind. Aber gesungene Nazideologie?...

Von Gabriel Landgraf

Wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung mussten sich vier Mitglieder der Neonazi – Band 'Race War' (deutsch: Rassenkrieg) am 21.11.2006 vor dem Landgericht in Stuttgart verantworten. Sie kamen verblüffend glimpflich davon. Das Strafmaß wurde auf Bewährungsstrafen von unter 2 Jahren ausgesetzt, da die Männer geständig waren und sich von ihren Taten distanzierten.

Die höchste Strafe erhielt der 23 jährige Student Max H., der als Gründer und Kopf der Band gilt. Er wurde zu einer Strafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt. Die niedrigste Bewährungsstrafe lag bei 17 Monaten. Staatsanwaltschaft und Verteidigung einigten sich auf das Strafmaß und die Staatsschutzkammer des Gerichts stimmte den Anträgen im Wesentlichen zu.

Die Staatsanwaltschaft warf den vier Männern im Alter von 22 und 25 Jahren unter anderem Volksverhetzung, gemeinschaftliche Gewaltdarstellung und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Die Band hatte weiterhin zum Ziel, die nationalsozialistische Ideologie durch die Musik zu verbreiten.

Die Mitglieder die dem ehemaligen Umfeld des verbotenen Blood & Honour (B&H) Netzwerkes nahe stehen, traten auf mindestens 13 Konzerten im In- und Ausland auf. Zu den Konzerten kamen teilweise bis zu 1.500 Besucher. Sänger und Kopf der Band Max H. zeigte sich im Gegensatz zu anderen Mitgliedern häufig sehr offen mit der Band, wie auch auf einen Konzert in Frankreich (2003), bei dem die Band mit einem maskierten Gastschlagzeuger aus Mannheim und einem unvermummten Max H. unter "Sieg Heil" Rufen einen Auftritt vor über 1000 Besuchern absolvierte. Bei Konzertankündigungen wurde die Band als besonderer Überraschungsgast angekündigt.

Neben eigenen Texten wurden aber auch andere Lieder bekannter Rechtsrockgruppen auf Konzerten gespielt, sowie auch von der Gruppe "Landser", deren Rädelsführer derzeit eine Haftstrafe unter Anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung absitzt.

Glorifizierter Nationalsozialismus

Die Texte glorifizieren offen den Nationalsozialismus und rufen zum Kampf gegen die bestehende verfassungsmäßige Ordnung auf.

Auf dem Debütalbum "The White Race Will Prevail", was offenkundig aus rechtlichen Gründen gezielt in den Staaten produziert wurde, aber auch für den deutschen Markt bestimmt war, wird offen die Verherrlichung des dritten Reiches und seiner Protagonisten dargestellt. Es finden sich neben Hakenkreuzen, Waffen - SS und Abbildungen von Adolf Hitler auch Grußworte an das durchaus weiter intakte Netzwerk der verbotenen Blood & Honour Organisation.

Auch in den Texten wird offen gesungen, was in den Köpfen der jungen Männer vor sich geht.

"Als das World Trade Center zusammenkrachte es tausende Juden dem Boden gleich machte. Ach schickt doch noch eins ins Weisse Haus rein, verrecken soll Bush das alte Judenschwein. Jupheidi und Bumsfallera das Weisse Haus ist bald nicht mehr da, Jupheidi und Bumsfallera der Judenbengel Bush ist bald nicht mehr da – ja. Und wenn das alles so weiter geht in Israel bald kein Häuschen mehr steht. Ach bombt doch all die Scheisse weg, versinken soll ZOG[1] in Schutt und Dreck."

In dem Lied "Furchtlos und Treu" wird eine eindeutige Stellung zum Nationalsozialismus bezogen: "Wir haben den Eid auf den F… geschworen, für dieses Land sind wir auserkoren. Für die Reinheit dieser Rasse werden wir es wagen, wir werden die Feinde aus dem Lande jagen."

Nach dieser CD genoss die Band stets wachsender Beliebtheit in der Neonaziszene und auch das Folgealbum "Kingdom of Hate" (2004), was von Max H. selbst produziert wurde, fand größeren Anklang. Jedoch wurde probiert Gestaltung und Text in der Bundesrepublik Deutschland straffrei zu halten, was ihnen jedoch auch bei dem dritten Album "Stimme des Blutes" (2005) nicht gelang.

Die Geständigkeit und Distanzierung gegenüber der Szene ist hier mehr als fragwürdig und dürfte eher als Mittel zur Bewährungsstrafe gedeutet werden, wie auch die Ex-Freundin Isabell P. von Max H. in einem rechtsextremistischen Forum schrieb:

"Man muß dem Staatsanwalt nur richtig in den Arsch kriechen dann klappts auch mit Bewährung"[2]

Anmerkungen:
[1]Zionist Occupied Government (kurz ZOG – englisch für "Zionistisch besetzte Regierung")
[ 2] http://forum.wikingerversand.de, Race War vor Gericht, 21.11.2006

© www.mut-gegen-rechte-gewalt.de - 24.11.2006

Category: General
Posted 11/24/06 by: admin



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Comments

wrote:
Strafverfolgung statt Dialog scheint mir das beste Mittel zu sein um Leute noch weiter zu radikalisieren.
11/24/06 11:07:29

wrote:
Dialog, wenn Duakig möglich ist - mit verbohrten Nazi-Kadern ist er in der Regel nicht möglich. Strafverfolgung, wo Straftaten begangen werden - kompromißlos und konsequent. Ein Dialog ist trortzdem auch dann möglich, wenn der Nazi anfängt sich zu ändern.
11/24/06 11:56:38

wrote:
"die Nazis", "die Juden", "die Palästinenser", "die Antisemiten", "die ..." und so weiter. Es ist traurig das "die Leute" absolut nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS gelernt haben.
11/24/06 14:27:06

wrote:
strafverfolgung/dialog scheint mir doch ein sehr schlechtes entweder/oder.
1. wie sollen diese leute noch weiter radikalisiert werden(aus welchen gründen auch immer)? die textstellen sprechen absolut für sich und zeigen kaum noch ein maß, wie dies noch radikaler werden könnte
2. nazipropaganda IST strafbar, ein absehen von strafverfolgung in solchen fällen wäre das eingeständnis vollkommener unfähigkeit eines rechtstaates
3. welchen dialog bitte? soll man nett bitten, dass die nazis keine nazis mehr sind? soll man davon ausgehen, dass sie die irrationalität ihrer weltanschauung einsehen und ablegen, wenn man sie ihnen erklärt? werden dann aus barbarischen hetzern auf einmal friedliebende humanisten weil sie ihre eigene irrationalität begriffen haben? ich glaub nicht.eher wohl: sie bleiben bei ihrem stumpfsinn und der "dialogpartner" kriegt eins drauf."dialog" scheint mir eher so ein zauberwort zu sein, das behauptet, man würde damit (und nur damit) die welt retten können, aber nicht einsieht, dass bei positionen die per se keine rationalen argumente haben, diese auch nichts nützen...
11/24/06 18:14:22

wrote:
als Tochter einer Überlebenden der Shoah und selber Mutter von drei glücklicherweise erwachsenen Kindern lebe ich nur in Angst vor der Dummheit der Menschen,was zieht einen Jugendlichen an der menschheitsverachtenden Musik sowie dem Treiben dieser gelenkten Schafherde von Nationalen Bonzen an ,deren Bekanntheitsgrad oft in den Medien zu vernehmen ist.Sei es ein Rechtsanwalt der sich in den 7o ern auf der Anderen Seite tummelte,dem dann im Knast das Hirn gewaschen wurde "ach Horstchen" oder Einer der gar ein Hotel kaufen will um seine Schäfchen willig zu machen
11/28/06 14:36:31

wrote:
Gibt es hier eine Fehlfunktion oder wurde mein Beitrag (vor etwas 1 1/2 Stunden erstellt und auch angezeigt) gelöscht?
12/02/06 12:32:59

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