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Mitleid wird für Deutsche überflüssig

Die Soziologen um Wilhelm Heitmeyer stellen zwar einen Rückgang der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland fest. Das "ökonomistische" Denken aber ist sehr stark: Nachsicht und Solidarität mit Gescheiterten scheint vielen als verzichtbar...

Von Philipp Gessler, taz v. 14.12.2007

Zunächst die gute Nachricht: Die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gesunken. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Soziologenteam unter Leitung des Bielefelder Forschers Wilhelm Heitmeyer am Donnerstag in Berlin vorstellte.

Ein Beispiel: Stimmten im Jahr 2004 noch knapp 60 Prozent der Befragten voll oder zumindest teilweise der Aussage zu, "es leben zu viele Ausländer in Deutschland", waren es in diesem Jahr "nur" noch rund 55 Prozent. Ähnlich ist ist das Bild bei dem Satz: "Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die in Deutschland lebenden Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken." Hier sank die Zustimmungsquote von 36 Prozent auf knapp 30 Prozent.

Die nun schon seit 2002 jährlich als "Deutsche Zustände" veröffentlichten Studien geben einen Überblick darüber, wie die deutsche Gesellschaft gegenüber schwachen oder als schwach begriffenen Gruppen eingestellt ist. Dabei ist die Grundthese Heitmeyers, dass sich die Angst vor dem eigenen sozialen oder wirtschaftlichen Abstieg oft darin äußert, dass vermeintlich Schwächere abgewertet werden. Zugleich wachsen mit einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich sowie mit einer wachsenden Armut die Absturzängste und die Ressentiments gegenüber anderen.

Die Sache funktioniert aber auch anders herum: So konstatieren die Wissenschaftler eine in dieser Klarheit dann doch erstaunlichen Parallelität zwischen der Fremdenfeindlichkeit und dem Gefühl der Angst vor Arbeitslosigkeit beziehungsweise wirtschaftlichem Abstieg. Die zwei Kurven, die Fremdenfeindlichkeit und "Prekarität am Arbeitsmarkt" beschreiben, stiegen von 2002 bis 2006 parallel an, um seitdem ebenso parallel wieder zu fallen - hier wirkt sich auch die Konjunktur der vergangenen anderthalb Jahre aus. Positiv oder zumindest nicht negativer als 2006 sind meist auch die Zahlen bei den Themen Islamophobie, Homophobie, Sexismus, Rassismus und dem Hass gegenüber Behinderten. Einen schwachen Zuwachs gab es beim Antisemitismus und bei der Abwertung von Obdachlosen.

Gesellschaftlich desaströs aber sind die erstmals abgefragten Meinungen zu Menschen, die in der Wettbewerbsgesellschaft scheitern. So stimmen etwa ein Drittel der Befragten der Aussagen voll oder ein wenig zu: "Menschen, die wenig nützlich sind, kann sich keine Gesellschaft leisten." Noch höhere Werte finden die Aussagen: "Wir nehmen in unserer Gesellschaft zu viel Rücksicht auf Versager" und "Wir können uns in dieser Gesellschaft nicht zu viel Nachsicht leisten". Diese "ökonomistischen Einstellungen", so Heitmeyer, zeigten einen "forcierten Übergang von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft" an. Es gebe "Hinweise auf die moralvernichtenden Effekte des dominierenden Marktes".

Was tun? Die Forscher um Heitmeyer wollen in die Offensive gehen und "interventionsnahe Lokalanalysen" starten. Das heißt, im kommenden Jahr soll in sechs west- und sechs ostdeutschen Kommunen mit den seit 2002 erprobten Instrumenten erfasst werden, wie die örtlichen Bedingungen für die Schwachen der Gesellschaft und das Denken über sie sind. Das Ziel dabei ist, den Gruppen der Zivilgesellschaft an den jeweiligen Orten Daten und Hinweise zu geben, wie sie etwa rassistische oder ausländerfeindliche Einstellungen zurückdrängen können. Ein Ort steht schon fest: Anklam im Nordosten der Republik. Hier werden 50.000 Euro in zwei Jahren investiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung hilft dabei. Und ihr Präsident, Thomas Krüger, versichert: "Wir wollen dahin, bis wir gesiegt haben."

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der taz - die tageszeitung
© Contrapress media GmbH


Im Porträt:
Der Vater der Parallelgesellschaft
Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer gründete vor zehn Jahren das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung - und führt seither vor, wie erfolgreiche Forschung in einer globalen Wissensgesellschaft aussehen muss. Was macht er anders als sonstige Starprofessoren?...

Israelkritik und Antisemitismus:
Unter deutschen Bedingungen
Mehr als die Hälfte aller Deutschen meinen, das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern sei grundsätzlich nicht von dem der Nazis im Dritten Reich gegenüber den Juden zu unterscheiden...

Studie:
"Frauen sind rassistischer"
Sozialforscher haben ermittelt, dass Fremdenfeindlichkeit in Deutschland seit 2002 stark gestiegen ist. Auffallend ist ein starker Mann-Frau-Unterschied...

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit:
Es geht um die Aufwertung der Eigengruppe
Zunehmender Hass auf Schwule, Muslime, Juden, Obdachlose...

Category: General
Posted 12/17/07 by: admin



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Comments

wrote:
Was bei Heitmeyer immer wieder auffällt, ist das Verkaufen von längst Bekanntem als neue Erkenntnis: daß die 'Entfremdung' des Menschen durch den Markt forciert wird und unter anderem zu einem gewissen Macchiavellismus führt ist als Erkenntnis inzwischen 150 Jahre alt. Als jemand, der regelmäßig im SPD-Blatt DIE ZEIT seine Auftritte hat, in linksliberalen Kreisen auch eigentlich zu Hause ist, sollte er sich vielleicht doch mal die Marxlektüre aus Jugendtagen wieder mal zu Gemüte führen.
12/17/07 14:59:50

wrote:
Was ich auch nicht verstehe ist der offensichtliche Gegensatz zur Spendenbereitschaft der Deutschen...wurde nicht gerade wieder ein Rekord gebrochen?

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tsunami...das war kurz vor Silvester und hier in Berlin ließ man Feuerwerk und Party ausfallen und spendete alles Geld.

Irgendetwas stimmt hier nicht.
Ich mißtraue dieser Studie hiermit!

PS: Das die Fremdenfeindlichkeit gesunken ist mag auch damit zusammenhängen das die schärferen Gesetze zur Einwanderung nun endlich greifen und nur noch sehr wenige Asyl oder eine Aufenthaltsgenehmigung überhaupt bekommen.
Die Möglichkeit für Fremde nach Deutschland einzuwandern ist nun sehr stark eingeschränkt worden und das merken die Deutschen....
12/18/07 00:17:48

wrote:
Natürlich spenden die Leute, aber eben für Menschen und Problemzonen, die weit weg sind und nicht für Dinge, die in ihrer Nachbarschaft passieren. Das ist ja wohl nix neues.
12/18/07 00:35:45

wrote:
Na gerade!

Zu spenden für Menschen die weit weg sind, die uns normalerweise nichts angehen ist doch besonders bemerkenswert.
Ich verstehe Sie hier nicht Yael!

Gerade wenn einem Volk Fremdenfeindlichkeit und "Mitleidlosigkeit" vorgeworfen wird dann ist eine große Spendenbereitschaft GERADE für Fremde nicht erklärbar, oder?

Kurz gesagt...diese Studie ist großer Mist!

PS: Viele Deutsche unterstützen natürlich auch "heimische" Projekte...nur ist hier andere Hilfe gefragt da ja die Grundsicherung größtenteils vom Staat gegeben wird.
Hier wird halt der "Arche" gespendet oder gebrauchte Sachen und Möbel umsonst abgegeben, nicht zu vergessen "Aktion Sorgenkind" oder SOS Kinderdörfer und, und, und!
12/18/07 12:01:26

wrote:
Fremdenfeindlichkeit spielt sich aber hier vor Ort ab. Die Menschen haben keine Probleme mit Türken, wenn sie in der Türkei leben.
Es geht hier aber nicht nur um Fremdenfeindlichkeit, sondern auch um Obdachlose, sozial schwächere zum Beispiel, diese Abneigung ist stärker geworden und die Empathie wird immer weniger.

Siehe hier:

Gesellschaftlich desaströs aber sind die erstmals abgefragten Meinungen zu Menschen, die in der Wettbewerbsgesellschaft scheitern. So stimmen etwa ein Drittel der Befragten der Aussagen voll oder ein wenig zu: "Menschen, die wenig nützlich sind, kann sich keine Gesellschaft leisten." Noch höhere Werte finden die Aussagen: "Wir nehmen in unserer Gesellschaft zu viel Rücksicht auf Versager" und "Wir können uns in dieser Gesellschaft nicht zu viel Nachsicht leisten". Diese "ökonomistischen Einstellungen", so Heitmeyer, zeigten einen "forcierten Übergang von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft" an. Es gebe "Hinweise auf die moralvernichtenden Effekte des dominierenden Marktes".

http://www.taz.de/nc/1/arch...

Da ist eine klare Aussage: Solange sich das Elend nicht direkt vor der Haustür abspielt, sondern weiter weg ist, haben diese Menschen keine Probleme, unter anderem auch nicht mit Spenden.
12/18/07 18:45:31

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