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Soso, man spricht mit Nazis?

Man kann getrost darüber streiten, ob es Sinn macht, sich im direkten Gespräch mit (Neo-)Nazis auseinanderzusetzen oder ob man diese nicht als Gesprächspartner will, weil sie sich außerhalb des demokratischen Spektrums befinden und man ihnen deshalb keine Produktionsfläche bieten will. Beide Haltungen haben ein Für und ein Wider, etwas Richtiges und etwas Falsches, so dass ich mich nie auf eine festlegen wollte...

Ein Kommentar von Ramona Ambs

Michel Friedmann jedoch hat sich nun für eine Möglichkeit entschieden. Nämlich die des direkten Gesprächs. So traf er sich für die Zeitschrift "Vanity Fair" am 4. Oktober mit Horst Mahler und dessen Lebensgefährtin Sylvia Stolz in einem Münchner Hotel. Friedmann nannte der Süddeutschen Zeitung gegenüber als Intention für dieses Gespräch, er "halte es für wichtig, dass man nicht nur über diese Leute spricht. Sondern exemplarisch auch mit ihnen - um sie sich selbst demaskieren zu lassen. Damit sie ihre hässliche Fratze zeigen und wir sie uns vor Augen halten." Und "Vanity Fair" jubelt online: "Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat".

Zugegeben, was Horst Mahler gleich zu Beginn und dann im Laufe des Gesprächs von sich gab, läuft der derzeitigen Strategie der Rechten, insbesondere der NPD, die sich so gerne als harmlose Konservative darstellen zuwider. Dennoch war es eigentlich nichts Neues was da zutage trat. Daß "der Jude danach trachtet die Weltherrschaft zu erlangen", obwohl er sie gleichzeitig schon inne hat gehört zum normalen antisemitischen Standardprogramm. Die Juden sind, laut Mahler, die "Verkörperung eines Gottes, der nach unserem Verständnis Satan ist, und sie haben eine tragische Rolle in der Zersetzung und Verneinung des Lebens aller anderer Völker." Dass Mahler sein Weltbild mit Hegelschen Zitaten noch religiös untermalt und dabei sich selbst als ein "von Gott Berufener" bezeichnet macht das Interview allenfalls in psychologischer Hinsicht interessant. Denn sein paranoider Verfolgungswahn tritt schubweise etwa in jeder dritten Antwort auf.

Ansonsten antwortet Mahler am liebsten mit Zitaten jüdischer Gelehrter von Moses bis Leo Baeck sind nahezu alle vertreten und Mahler fühlt sich und seine Sicht der Dinge durch alle bestätigt. Und so schwadroniert er, durch Friedmanns Reflexionsfragen bemüßigt, von der Rechtmäßigkeit der Nürnberger Rassengesetze, über die Vertretbarkeit politischer Morde, bis hin zu dem von ihm ersehnten deutschen Reich. Ab und an fragt man sich, ob ihn die Leser der "Vanity Fair" überhaupt verstehen können. Wissen die überhaupt was die Nürnberger Rassengesetze waren? Verstehen sie seine Hegelschen Sprachwindungen?

Und letztlich die Frage: hat dieses Interview seinen Zweck erfüllt, die hässliche Fratze der Rechten zu zeigen? Die letzte Frage muss mit JA beantwortet werden. Allein das große Gejammere der rechten Kameraden in ihren Foren über dieses Interview zeigt, dass man dort höchst unerfreut ist über die allzu offenen Äußerungen, die Mahler von sich gibt.

Bei mir jedoch bleibt ein seltsamer Nachgeschmack. Fast tut mir der Mahler leid, der sich so in seine eigene paranoide Welt verstrickt hat. Das ist kein Mann der Politik, sondern ein Fall für die Psychiatrie. Und - noch viel schlimmer: warum muss sich ein Jude für eine solche Aufgabe hergeben? Gibt es denn keinen anderen Journalisten in Deutschland, der sich dieser Aufgabe hätte stellen können? War es nötig und sinnvoll dieses Interview in dieser Form in diesem Medium zu bringen? Für Insider gab es keine neuen Erkenntnisse,- war es also nötig Mahler eine solche Plattform zu bieten? - Mir fällt an dieser Stelle nur ein großes VIELLEICHT ein...

Category: General
Posted 11/04/07 by: admin



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Comments

wrote:
Danke Ramona,

dem kann ich mich in großen Teilen anschließen.
11/05/07 00:13:16

wrote:
In solchen Fällen kommt immer wieder gerne die Luxusfrage "Musste das ein Jude machen?".
Und die Antwort lautet, ganz ohne Luxus, aus schierer Not: Ja!

Denn, auf die Frage "Gibt es denn keinen anderen Journalisten in Deutschland", der es ebenso wichtig nähme sich mit dieser Mörderideologie auseinanderzusetzen, gibt es leider nur die Antwort: Nein.
Es ist den meisten nicht ganz egal, aber doch nicht sooooo wichtig. Und man könnte sich die Finger verbrennen. Und die Nürnberger Rassengesetze? Naja....
11/05/07 00:38:49

wrote:
Sind wir froh,daß(Menschen)wie Mahler,in ihrem Materiellen Müll fast ersticken,sonst wäre er ja vieleicht gefährlich für die Menschheit?
11/05/07 08:52:49

wrote:
Der Journalist Michel Friedmann war genau der Richtige für dieses Thema, leider auch der Einzigste.
Dass der Jude Michel Friedmann diesen Schritt gehen mußte, zeigt, dass der deutsche Staat und die deutsche Gesellschaft nicht in der Lage ist, sich mit diesem dem Nezipack in entsprechender Weise auseinander zu setzen, oder auseinander setzen zu wollen.
11/05/07 11:09:20

wrote:
Mir stellen sich in diesem Zusammenhang jedoch andere Fragen :
Bin ich als Jude aufgerufen, mich zu erklären, zu verteidigen ? (ausgenommen auf haGalil )
Sind wir es, die ständig an die unheilvolle, deutsche Geschichte erinnern müssen; warnend auf das braune Pack aufmerksam machen müssen ?
Ist es nicht die 1. Aufgabe des Deutschen Staates uns zu schützen?
Ist das Nachkriegsdeutschland im Stande, uns umfassend Schutz und Heimat zu bieten ?
Wenn ich mich in meiner Welt umsehe, wage ich es nicht diese Fragen zu beantworten !- mir könnte dieses Land fremd werden
11/05/07 12:05:15

wrote:
Es ist teil der political correctness in Deutschland, dass man sich mit Leuten wie Mahler nicht trifft. Wer es dennoch tut, wird abgestraft. Herr Friedmann hat zwei Eigenschaften, die ihn vor Abstrafung bewahren: seinen Ruf als provokanter Grenzgänger und dass er Jude ist. Manchmal ist letzteres eben ein Vorteil.
11/05/07 12:10:56

wrote:
Soweit Mahler altbekanntes antisemitisches Gedankengut vorbringt, ist Ramona zuzustimmen- ein großes Vielleicht sollte die Frage einer Veröffentlichung begleiten.

Interessant an diesem Interview ist jedoch nicht nur das Wiederkäuen der 'Ideologie' (?) sondern zu sehen, wie sich der paranoide Wahn als scheinbar rationale Weltsicht äußert. Ehrlich - mich hat es ein wenig aufgerüttelt, daß Mahler seinen Blödsinn tatsächlich Ernst nimmt.

Man glaubt es mit einem 5 Jährigen zu tun zu haben, der partout nicht seinen Glauben an den Weihnachtsmann aufgeben möchte - leider ein Erwachsener der den Antisemitismus der Nazis offenbar mit allen Sinnen aufgesogen hat.
11/05/07 13:36:16

wrote:
allerdings: manchmal irrt sogar der olle plagiator nicht:

http://www.spiegel.de/kultu...
11/05/07 15:24:22

wrote:
Wo ist die eigentliche Rede, die Diskussion, diese nachzulesen, diese textlich zu erörtern?
Zugegeben. John Silver von der sanesociety.org mit seinem Vergleich, den Staat Israel mit Nazi-Deutschland zu vergleichen, wie es die RAF und ihre linken Nachfolger bereits vor Jahrzehnten tat, kriminelle Politpropaganda für eine judenfreie Welt für Araber einzurichten, um die nationalSOZIALISTISCHE Befreiung durch die arabischen Politorganisationen gegen Juden zu unterstützen, führt auch auf die radikale Baader-Meinhoff-Gruppe zurück, da die Juden als Nazis empfunden werden, aber man muss eben auch die Quellen der Rede aufweisen müssen, um diese zu lesen.
11/05/07 18:17:17

wrote:
Alle scheinen hier davon auszugehen, dass der Nazi sich lediglich und dankenswerterweise entlarvt habe - eben als "Glauben an den Weihnachtsmann" (Gerda). Dass es unter den Lesern Leute geben könnte, die davon beeindruckt sind, scheinen Sie nicht für möglich zu halten, obwohl einige (etwa Arik) andererseits eine äußerst geringe Meinung von der "deutschen Gesellschaft"haben, weil sich außer Friedman bisher niemand solchen Widerling interviewen mochte.
H. M. Broder bei spiegel.online sieht jedenfalls eine Gefahr in derart "mutiger" Überwindung der Ekelschwelle:
"Was aber ist es, das (dies) zu einem Skandal macht?
Erst einmal die Tatsache, dass ein Lifestyle-Magazin einem bekennenden Neo-Nazi zehn Seiten einräumt, damit er seine wirren Gedanken unters Volk bringen kann.Noch mehr aber der Umstand, dass es ein prominenter Jude ist, der den Nazi interviewt. (...)"
So Broder. Und weiter:

"Martin Luther King wäre nie auf die Idee gekommen, sich mit einem Ku-Klux-Klan-Häuptling zu einem Gespräch zu treffen, weder privat noch öffentlich. Denn er war klug und er hatte einen Begriff von Würde. Michel Friedman ist nur eitel und merkt nicht einmal, wie er benutzt wird. Hätte die Redaktion von "Vanity Fair" vorgehabt, den "Chef-Nazi" von einem prominenten "Arier" interviewen zu lassen, gäbe es weder ein Interview noch einen Skandal."
11/05/07 19:11:35

wrote:
Ich halte das Interview für gelungen. Ich halte - ganz wurscht ob Michel Friedman Jude ist oder nicht - dieses Interview für ein wichtiges Zeichen in die richtige Richtung. Ich habe eine Zeit lang erlebt, daß alle möglichen Leute - auch Juden - der Jungen Freiheit zu Interviews zur Verfügung standen und sich blöd und blauäugig - weil eben nicht so klug wie Friedmann - sich haben über den Tisch ziehen lassen von den JF-Leuten. Ich habe auch eine katastrophale Talkshow erlebt, in der völlig blauäugig unwissend und naiv geglaubt wurde, dass man solche Typen wie Haider allein mit der moralisch "richtigen" Gesinnung vorführen könnte - und wurde stattdessen selbst vorgeführt, weil man einfach zu wenig Faktenkenntnisse hatte und keine Ahnung von einer sinnvollen Gesprächsführung. Nach einigen solchen peinlichen Vorfällen kam dann die Parole raus: Keiner gibt der JF mehr ein Interview, keiner läßt mehr Rechtsextreme oder Nazis in seine Show. Wir reden einfach mit denen nicht mehr. Na, wenn das nicht mal ein Offenbarungseid der hilflosen Demokraten ist. Und nun kommt endlich jemand, der nicht nur das notwendige Wissen, sondern auch die rhetorischen Fähigkeiten besitzt, um zeigen zu können, wie man solche Leute vorführt! Klasse! Und bei dem sehr schrillen Mahler, der ja schon lange vor dem Interview bei den modernen Rechten unten durch ist, weil er ihren Legalitätskurs kaputt macht mit seinem losen Nazimaul, ging das ja noch relativ leicht. Die nächste Aufgabe für MF wäre: Mit den Führungsfiguren der NPD solche Interviews zu machen! Das wird viel schwieriger. Aber MF könnte es.
11/05/07 19:22:58

wrote:
Mir unbegreiflich, wie man diesem "Gespräch" irgend einen Wert abgewinnen kann!
Wer jedoch noch unsicher ist über die Frage, ob diese Medienfinte mehr schadet oder nützt, sollte wenigstens Wirkung und Botschaft der Bilder in die Reflexion einbeziehen: Beim Lesen schaust du ständig in die treuen, tief blickenden Augen Mahlers, der fotografiert wurde wie bei Denkern üblich, schwarz-weiß und überdimensioniert; daneben edelste Parfüme und Moet Chandon, alles gepflegtestes Lifestile-Ambiente. Dadurch wird ein Mahler geadelt. Und im Gespräch "Hegel" als Marke zu setzen passt dazu!
11/05/07 21:51:41

wrote:
Man lacht über die skurrilen Ansichten eines psychopathischen Nazis. Einige naive Leser vergleichen gar seine Mentalität mit der eines harmlosen Don Quijote. Eigentlich hätte man sich das Interview sparen können, wenn man die „Schriften zum Deutschen Reich“ dieses Psychopathen auf den Webseiten des „Deutschen Kollegs“ gelesen hat. Doch eines darf nicht vergessen werden: Hätten diese psychopathischen, aber gefährlichen Nazitypen die Macht oder nur eine Möglichkeit, ihre abstrusen Ideen in die Tat umzusetzen, dann würden sie nicht zögern, mit Hilfe ihrer religiös-fanatischen Verbündeten grosses Unheil anzurichten. Der beste Beweis ist die RAF-Aktion Entebbe im Jahre 1976: Der sattsam bekannte RAF-Terrorist und Neonazi Wilfried Böse war der erste deutsche Nazi nach 1945, der im Uganda Idi Amins wieder „selektionierte“, sozusagen als Mini-Höss. Seine Aufgabe war es, die jüdischen Geiseln in einem entführten Flugzeug der Air France von den „Ariern“ auszusondern. Man kann sich vorstellen, was mit diesen „artfremden Geiseln“ geschehen wäre, wenn es nicht israelischen Spezialeinheiten gelungen wäre, diese ekelhafte Nazibande am 4.7.1976 unschädlich zu machen! Man darf nie vergessen: Schon einmal hat ein Psychopath ganz Europa ins Chaos gestürzt!
11/05/07 22:23:02

wrote:
Ich halte die olle Denkfigur, dass die Leute - "das Volk" - immer nur doof sind und nicht selbst urteilen können, und stattdessen den Nazis hinterherlaufen, weil sie in einem Interview haben sprechen dürfen, für ein reichlich dürftiges Argument. Mit diesem Argument macht man die Auseinandersetzung mit ihrer Ideologie unmöglich. Dann bleibt nämlich als Strategie nur noch: Die Leute müssen GLAUBEN, daß das, was im Giftschrank weggesperrt ist, wohl giftig ist. Aber sie werden nicht wissen, was es ist und was daran menschenfeindlich ist. Sich vor Nazis ekeln (Broder), das reicht leider nicht. Natürlich macht es überhaupt keinen Sinn, mit Nazis unter vier Augen und privat zu sprechen. Sie öffentlich vorzuführen dagegen sehr wohl. Warum sind denn die Neonazis bei altermedia sonst so sauer über das Interview? Der Mahler wird im Interview doch nicht "geadelt"! Er wird der Lächerlichkeit preisgegeben.
11/05/07 22:23:50

GerdEric wrote:
Mich bedrückt doch immer wieder, daß die Linke sich von Leuten wie einem Mahler hat ver-führen lassen...
Es ist nicht gelungen, den Sozialismus als Befreiung des Menschen zu erläutern (weil sich Falsche dort haben "austoben" können).
Die RAF (und die Linke) hat nie verstanden, daß das frühe Israel gelebter Sozialismus war, daß Israel selbst heute noch das sozialistischste aber einzige demokratische Land in Nahost ist.
(Die Linke hat nicht verstanden, daß das Judentum über konservative Kreise (die alten Nazis in der BRD-Demokratie, nicht allein CDU/CSU, auch FDP und SPD) indirekt mit Nazis zusammen arbeitete (für mich war Schleyer immer ein Nazi, wie Mahler eben auch)
Helmut schreibt was von selektieren...
Wird nicht schon von Anbeginn der BRD selektiert?
Eliteschulen und nun auch Eliteuniversitäten...
Lisa hat schon recht, das Volk ist nicht ganz so doof, wie ihm unterstellt wird, weshalb sonst enthalten sich derart viele Wähler ihrer Stimme?

Wen soll es wählen, wenn man sich von den "demokratischen" Parteien und deren Vertretern zu recht verlassen weiß, und die "Falschen" nicht wählen kann?
11/06/07 00:05:35

wrote:
Mit dem Wort „selektieren“ wollte ich eine Anspielung machen auf den Ausdruck „Selektion an der Rampe“ (im KZ). Genau wie der Auschwitz-Chef Höss und seine Schergen wollte sich der deutsche Terrorist und Nazi Wilfried Böse in Entebbe (Uganda) zum Herrn über Leben und Tod erheben, indem er die Flugzeugpassagiere in Juden und Nichtjuden einteilte. Er wollte also sein wie Gott!
Mir ist aufgefallen, dass die (wahrscheinlich) jüngeren Leser und Blogschreiber sehr wenig informiert sind über die Geschichte der letzten 150 Jahre. In den Schulen werden die Schlachten der alten Römer vor 2000 Jahren und früher analysiert, während die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts vernachlässigt wird. Wer nicht von sich aus sich Informationen über diese Zeit beschafft, weiss kaum etwas über die Verhältnisse unter dem Naziregime. Das Internet wäre eine ideale Informationsquelle mit den verschiedenen Links und Querverweisen. Auch die Bettina ist ein gutes Beispiel: Offenbar ist der heutigen Jugend nichts bekannt über die Situation der jüdischen Mitbürger in den dreissiger Jahren in Nazideutschland und über den völligen Mangel an Informationen im gesamten deutschen Volk. Die Juden wurden durch Enteignungen praktisch total mittellos. Wie sollten sie ins Ausland flüchten, wenn ihnen die Benützung der Bahnen verboten war und sie keine Mittel mehr hatten? Sie mussten eine Milliarde Mark als „Sühnegeld“ aubringen. Sie durften keine Zeitungen mehr kaufen und nicht mehr Radio hören. Sogar die nichtjüdischen Deutschen durften selbst in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr ausländische Sender hören, nicht einmal das Radio der friedfertigen Schweiz! Sogar wer in der Singstunde in der Schule die Erkennungsmelodien der 3 deutschsprachigen Schweizer Radiostudios kannte, machte sich verdächtig. Beim Englischunterricht durfte man sich ja nicht verraten, dass man AFN (damals noch nur in England) hörte, indem man das „r“ nach den Vokalen aussprach. Da man nicht ins Ausland reisen konnte, konnte man sich ja nur am Radio den amerikanischen Akzent angewöhnt haben.
Es wäre nicht nur sicherer Selbstmord gewesen, gegen das Regime auch nur ein Wort der Kritik zu sagen, geschweige denn Widerstand zu leisten. Es ist für die heutige Jugend unvorstellbar, dass sich die Menschen nicht gewehrt haben. Wenn jemand flüchtete, musste seine Familie dafür büssen. Aber seltsamerweise war ja auf deutschem Boden bis 1989 ein ähnliches Regime am Ruder, das die Untertanen vor Auslandsreisen „schützte“.
Ein Beispiel, wie die heutigen jungen Menschen komplett ahnungslos über die damaligen Verhältnisse sind: Ich habe meinem Sohn und seiner Freundin, einer Südamerikanerin, erzählt, dass mein Onkel 1945 als Sechzehnjähriger noch zur Nazi-Wehrmacht eingezogen wurde und er in Erfurt in US-Gefangenschaft kam, aber sofort wieder freigelassen wurde und er zu Fuss nach Heidelberg laufen musste. Wir wussten monatelang nichts über ihn, und wir waren völlig ahnungslos, als er plötzlich am 27. April 1945 zur Türe hereinkam. Da meinte die südamerikanische Freundin voller Ernst: „Aber er hätte doch wenigstens ein SMS schicken können.“
Uebrigens noch etwas zum Einzug von Jugendlichen zur Nazistreitmacht, um dem psychopathischen Teppichbeisser von Berlin das Leben um einige Tage zu verlängern: In Heidelberg wurden einen Tag vor dem Einrücken der Amerikaner am 30. März 1945 noch drei fünfzehnjährige „Soldaten“ aufgehängt, weil sie aus Heidelberg waren und sie nach Hause flüchteten, statt sich den zurückziehenden Nazis anzuschliessen und „bis zum Endsieg“ für Grossdeutschland weiterzukämpfen! Es gibt keine Strassennamen in Heidelberg für diese unschuldigen Opfer des Nazismus, so wenig wie es eine Strasse mit dem Namen jenes 16jährigen Mädchens gibt, das eine deutsche Militärdelegation zwecks Uebergabeverhandlungen mit den Amerikanern unter dem Kugelhagel der SS mit einem Kahn über den Neckar ruderte. (Die SS hatte sogar die Alte Brücke gesprengt, obwohl die Amerikaner bereits auf beiden Seiten des Ufers waren!) Es gibt keine Strasse mit dem Namen des amerikanischen Generals Beiderlinden, der die Stadt Heidelberg schonte, obwohl in den Uebergabeverhandlungen vereinbart war, dass die Brücken in Heidelberg nicht gesprengt werden dürfen. Bei seiner Beerdigung in Amerika 1981 wurde der Satz gesprochen: „He became the savior of Heidelberg.“
Aber es gibt in Heidelberg eine Treitschke-Strasse! Treitschke war der „Dichter und Denker“, der den markigen Satz prägte: „Die Juden sind unser Unglück:“ Bei meiner definitiv letzten Reise nach Heidelberg 2004 stand das Tram nach 5 Minuten Fahrt still: Nazidemonstration! Wegen eines antisemitischen „Arztes“ Dr. Hamer, der gesagt hatte, die Juden würden seine „Neue Germanische Medizin“ für sich anwenden, aber für die anderen verbieten!
Ich danke jeden Morgen G-tt, dass ich in der Schweiz leben darf!
11/08/07 00:07:39

wrote:
Um die Frage "Muss es ein Jude sein" zu beantworten: Nein, aber es darf auch ein Jude sein! Warum nicht? Ich habe noch nie etwas von einem "Rückzug ins Private" gehalten.

Dennoch halte ich diese ganze Aktion des "Jahrmarkts der Eitelkeiten" ( Vanity Fair ) für eine hohle Publicity-Maßnahme, die nicht der politischen Aufklärung dienen soll, sondern der Steigerung der Auflagen und des Abverkaufes des Magazines. Nach dem Motto:"Nazis verkaufen sich gut!" Und für solch einen Mist sollte sich wirklich niemand hergeben!

PS: Den Herrn Friedman schreibt man mit einem "N" ;-)
11/08/07 03:38:39

GerdEric wrote:
Hallo Helmut,
allen einen schönen Morgen.

Ich hatte mir schon gedacht, dass Du das Wort Selektieren nicht unbedacht benutztest, wie auch der besagte "Mann" sich "derart" aufspielte.
Auch kann man an Hand der Römer (die das faschistische Vorbild der Nazis waren), aber auch der Schweiz (man kann sich eben nicht durch "Neutralität) aus der Verantwortung stehlen, und doch "gute" Geschäfte" machen...), manches erkennen, was falsch läuft.

Für mich ist nur der Sozialismus (wenn auch nicht der vertanen Gelegenheit im "Ostblock") die Chance, daß die Welt Frieden finden wird, denn es kann nicht sein, dass sich ein "Elfenbeinturmland" aus der Verantwortung stiehlt, genau wie sich einige wenige (wenn auch einige Millionen) sich nicht gegen das Elend der Welt stellen, sich aber an genau diesem bereichern, und sei es nur durch wegschauen.

Die Aufklärung durch Michel Friedman ist allein nicht genug, auch er hat sich gegen Ursachen des weltweiten Elends zu wenden.
Für mich ist z.B. die derzeitige Ölspekulation auch Teil des weltweiten Elends, wie auch die Globalisierung Teil dessen ist, so auch die asozialen "Gehälter" einiger weniger Geldstrategen, die sich bereichern (als Beispiel nenne ich den Scheff der deutschen Bahn, sich selbst eine unverschämte Gehaltserhöhung "leisten", aber bei berechtigten Forderungen der Lokführer rum schimpfen.
Erst ein sicheres Einkommen eines jeden Menschen bringt Gerechtigkeit.
Unsere lieben Abgeordneten sacken sich ca. 9% mehr Einkommen zu (ca. 300€ im nächsten Jahr, das ist fast so viel, wie es für Hartz4 gibt "..."), doch HArtz4 soll, bei den gestiegenen Grundnahrungspreisen nicht erhöht werden?

Wie ich schon schrieb:
Wen soll das Volk wählen, wenn es sich von den "demokratischen" Parteien und deren Vertretern zu recht verlassen weiß, und die "Falschen" nicht wählen kann?

PS.: Lieber Helmut,
zu deinem Bericht zu den Jugendlichen:
"Da meinte die südamerikanische Freundin voller Ernst: „Aber er hätte doch wenigstens ein SMS schicken könne"
ein kurzer Satz:
Eine Bekannte wurde vor ca. 30 Jahren Mutter. Sie stillte ihr Kind.
Da das Kind dabei trotzdem sehr unruhig war, fragte sie ihren Arzt. Der gab ihr den Rat, das Loch einfach mit einer Nadel zu vergrößern...
Er kam gar nicht auf die Idee, dass eine Mutter ihr Kind stillen könnte...
11/08/07 08:47:25

wrote:
Heute gedenken auch die nichtjüdischen Menschen, besonders die Kriegsopfer, die Witwen und Waisen, des Tages des eigentlichen Beginns des grössten Kriegs aller Zeiten gegen die Menschheit:
15. Heshvan 5699
11/09/07 00:45:29

wrote:
Don Quijote gegen das „Reichszerteilungsregime“
Der interviewte Terrorist und Nazi erklärt auf den Websites des „Deutschen Kollegs“, dass sich sein „Deutsches Reich“ im Kriegszustand mit dem „Reichszerteilungsregime der BRD“ befinde. Er und seine „Stolze“ NS-Frauenschaftlerin betrachten sich also im Krieg gegen die „Feinde des Deutschen Reiches“, dessen wahre Führer am 23. Mai 1945 verhaftet worden seien. (Wahrscheinlich meint er damit jene „Ritter von der traurigen Gestalt“ von Flensburg, die immerhin noch Todesurteile nach dem 8. Mai verkünden lassen konnten mit Hilfe eines späteren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, einem Vorgänger von Oe - zum Gaudi der Engländer, die dem Kasperlitheater am 23. Mai ein Ende bereiteten. Diese „Reichsregierung“, von einem ehemaligen staatenlosen, kriminellen Asylanten, dem Psychopathen Adolf Schicklgruber alias Hitler ernannt, nicht demokratisch gewählt, war der Ausbund der Mediokrität!)
Nun, warum soll man H.M. die Plaisir an diesem Hobby-Krieg nicht lassen? Man sollte ihn endlich einmal ernst nehmen und diese Kriegserklärung annehmen!
Also Kriegszustand zwischen dem „Deutschen Reich“, vertreten durch seine Exzellenz H.M., und dem „Reichszerteilungsregime der BRD“! Die Bundesrepublik, die nach neuesten Umfragen immerhin noch mindestens 75% ihrer Bürger vertritt, muss also „kriegswichtige“ (Vokabel aus der Nazizeit) Massnahmen ergreifen. Es sollte aber auf keinen Fall „morgens um 5.45 Uhr zurückgeschossen“ werden, denn es wurde in den letzten 100 Jahren in Europa vielzuviel „zurückgeschossen“. Es bliebe also noch die Möglichkeit, diesen Feind einfach in Kriegsgefangenschaft zu setzen. Da aber die Bundesrepublik wegen eines einzelnen Kriegsgefangenen kein Kriegsgefangenenlager einrichten wird, könnte sie diesen hohen Gefangenen sozusagen in „Pension“ geben in ein Lager eines Staates, der ein solches Lager unterhält.
Angesichts der Wichtigkeit des hohen Gefangenen ist darauf zu achten, dass er in einem würdigen Umfeld unterzubringen ist. Man denke da an Napoleon, den man immer auf Inseln unterzubringen pflegte. Man könnte eine Insel in der Karibik vorschlagen, z.B. auf Kuba. Dort unterhalten die USA, die ja sowieso laut „Deutsches Kolleg“ ein Besatzungsregime in Deutschland betreiben, ein entsprechendes Institut.
Der Vorteil für den illustren Kriegsgefangenen wäre frappant: Sicher würde er dort noch alte Kameraden treffen aus der Zeit, da er in einem „Wehrertüchtigungslager“ (immer wieder diese Nazivokabeln) in Jordanien verbracht hatte zwecks Ausbildung für den „Volkskrieg“ (für gewöhnliche Leser: Terrorismus). Auf jeden Fall wird er wohl noch einige kriegswichtige Wörter auf Arabisch verstehen, obwohl zwar Arabisch – skandalös für einen Antisemiten – eine semitische Sprache ist!
11/09/07 21:08:22

GerdEric wrote:
Satire ist nicht immer lustig...

Wie wäre es, wenn man statt satter Gewinne in wenigen Händen, dem Volk Arbeit gibt, damit deren Selbstwertgefühl gestärkt wird, sodaß es nicht von Rattenfängern verführt werden kann?
Statt sich mit einem Mahler die Zeit zu vertreiben, ist es an der Zeit, Grundlagen zu schaffen, die dem gesamten Volke dienen.
Unsichere Zukunftsaussichten verunsichern das Volk, und die Zukunft wird zu einem Glücksspiel.
11/09/07 22:20:26

wrote:
Genau das wollte ich andeuten. Hat noch kein Gericht gemerkt, dass dieser H.M. gar nicht vor ein Gericht gehört, sondern in eine Klapsmühle, aber für immer. Was hat dieses Individuum den deutschen Staat schon Geld gekostet! Wieviel Energie wurde aufgewendet, um diesem Typ zu widersprechen. Damit wird mein Vater auch nicht wieder lebendig, der im Nazikrieg umgekommen ist. Dieser Politclown führt doch die Justiz an der Nase herum. In diesem "Institut" würde er noch besser behandelt als ein Arbeiter mit einer kleinen Pension in einem Altersheim. Nicht alle können sich ein Altersheim mit Einzelzimmer leisten. Dieser "Reichsbürger" hat ja selbst zugegeben, dass er im Gefängnis die rchtige Mussse findet, um seine Elaborate zu schreiben. Seinen Quatsch kann man ja auf seiner Website lesen. Er ist im Grunde schlauer als alle anderen. Solange man sch noch mit ihm abgibt, braucht er sich nicht um materielle Dinge zu sorgen!
Ich gebe zu, dass mein Beitrag um 21:08 Uhr eigentlich nicht zum 9. Nov. gehört, sondern zum 11.11., 11 Uhr 11.
11/10/07 00:47:21

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