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Kämpfer für die Republik: Das "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" gibt es noch

Manch einer mag mit der Bezeichnung "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" nicht viel anfangen können. "Reichsbanner"? Die Hakenkreuzfahne etwa, oder die kaiserlichen schwarz-weiß-roten Farben? Aber "Schwarz-Rot-Gold"? Was um alles in der Welt könnte das sein… Aber der eine oder andere erinnert sich vielleicht, dass sich hinter dieser Bezeichnung eine Organisation verbirgt, die in den düstersten Stunden der deutschen Republik, den Krisenjahren von Weimar, die Waffen gegen die Republikfeinde von rechts und links, gegen SA und Rotfrontkämpferbund erhoben hat. "Längst Geschichte", wird man dann vielleicht weitervermuten. Aber weit gefehlt, das Reichsbanner wurde 1953 als "Bund aktiver Demokraten e.V." wiedergegründet, und hat heute ca. 1000 Mitglieder...

Von Cornelius Zimmermann

Doch zunächst eine Rückblende: Was war genau das "ursprüngliche" Reichsbanner der Weimarer Republik?

Das Reichsbanner in der Weimarer Republik

Als Reaktion auf republikfeindliche Gewalttaten und Aufstandsversuche aus dem rechten und linken politischem Spektrum gründete sich auf Initiative der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) am 22. Februar 1924 in Magdeburg das "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" zum Schutz der parlamentarischen Demokratie. Neben der SPD wurde es von dem Zentrum und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) sowie von den Gewerkschaften getragen. Seine Hauptaufgabe erkannte das Reichsbanner in der Verteidigung der Weimarer Republik gegen deren rechts- und linksextremistischen Feinde. Als satzungsgemäß überparteilicher Bund republikanisch gesinnter Kriegsteilnehmer entwickelte sich das Reichsbanner zu einer der größten Massenorganisationen der Weimarer Republik. 1932 gehörten ihm mehr als drei Millionen Mitglieder an, darunter namhafte Politiker wie Hugo Preuß, Joseph Wirth, Otto Wels, Julius Leber oder Kurt Schumacher.

Nach dem Wahlerfolg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei der Septemberwahl von 1930 versuchte das Reichsbanner, dem verstärkt einsetzenden Straßenterror der Sturmabteilung (SA) durch die Bildung militärisch organisierter Formationen entgegenzutreten. Bis in den Februar 1933 hinein sollten diesem Kampf 47 Reichsbannerleute zum Opfer fallen. 1931/32 vereinigte sich das Reichsbanner mit den im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) organisierten Freien Gewerkschaften und anderen Verbänden zur Eisernen Front. Ihr Emblem mit den charakteristischen drei Pfeilen stammt von dem Exilrussen Sergej Tschachotin (1883-1973) und symbolisiert die wichtigsten Gegner der Eisernen Front: die "Adelskamarilla", die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Doch trotz ihrer zahlreichen Mitglieder konnte die Eiserne Front an der politischen Kräftekonstellation nur wenig ändern. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die ehemaligen Funktionäre und Mitglieder des Reichsbanners systematisch verfolgt.

Auferstehung ohne Waffen

Aber tatsächlich ging das Reichsbanner mit dem Verbot nicht für immer in der Geschichte unter. Seit 1953 kämpft das Reichsbanner als "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold – Bund aktiver Demokraten e.V." waffenlos für Freiheit, Demokratie und Republik. Jährlich nehmen über 500 Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Bundesrepublik an 5-tägigen politisch-historischen Seminaren des Reichsbanners in Berlin teil. Die Ausstellung des Reichsbanners "Für eine starke Republik! - Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold 1924-1933" wird an Truppenstandorten der Bundeswehr, in Schulen, Rathäusern und Landtagen gezeigt. Ebenso sind Podiumsdiskussionen mit Zeitzeugen und regionalen Politikern wichtiger Bestandteil der heutigen Bildungsarbeit des Reichsbanners.

Das Ziel des Bundes ist es, durch überparteiliche Bildungsarbeit und anhand der von Diktatur geprägten Deutschen Geschichte, jungen Menschen den Wert staatsbürgerlicher Rechte und Pflichten zu vergegenwärtigen. Das Reichsbanner setzt sich für die Sicherung der freiheitlichen und demokratischen Grundordnung ein und fordert von seinen Mitgliedern ein aktives, kritisches und demokratisches Bewusstsein sowie die Bereitschaft, die Grund- und Menschenrechte für jedermann zu schützen. Die Zeitung des Reichsbanners erscheint vierteljährlich und enthält, neben Berichten zur Bildungsarbeit und Beiträgen zur Geschichte des Bundes, häufig auch Interviews mit hochrangigen Politikern. Delegationen des Reichsbanners sind ständige und hoch angesehene Gäste bei Veranstaltungen des Bundes und der Länder.

Das Reichsbanner heute möchte den Kampf gegen Extremisten da aufnehmen, wo Parteipolitik aufhört und der Konsens der demokratischen Parteien beginnt: Auf dem Boden eines gemeinsamen republikanischen Verständnisses und Stolzes, abseits des Parteien-Hickhacks, und nur der Freiheit, der Republik und der Demokratie verpflichet.

Reichsbanner Schwarz Rot Gold - Bund aktiver Demokraten e.V.
Postfach 10 18 44, 60018 Frankfurt a.M
www.reichsbanner.de, Email: info@reichsbanner.de

Category: General
Posted 10/30/07 by: admin



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Comments

wrote:
eine etwas kryptische ausführung über das ende von reichsbanner und eiserner front 1933. leider läßt sich der erfolg ja wohl kaum an der mitgliederzahl messen. von wenigen ausnahmen abgesehen, etwa Hannover und leipzig, waren in der führung der sozialdemokratischen abwehrorganisationen "zahnlose tiger", die in ihrer position den (möglichen?)widerstand zugunsten abwartens abwürgten. das ging dann leider daneben (versteht sich, dass das nicht die Hauptursache des Erfolges der NSDAP war)aber eine fundamentale kritik darüber, wie auch über den Anpassungskurs von SPD-Vorstand und ADGB 1933 hat im wesentlichen nicht stattgefunden.
10/30/07 17:32:18

wrote:
Sicher war das Reichsbanner keine Organisation, die den Bürgerkrieg losbrechen wollte, weder am 20. Juli 1932 noch am 30. Januar 1933. Aber das Reichsbanner leistete durch den Schutz von Wahlkampfveranstaltungen, Demonstrationen und Politikern der demokratischen Parteien gegenüber den Übergriffen der Nationalsozialisten bereits vor 1933 aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Das finde ich beachtlich.
11/02/07 16:38:29

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