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Eva Justin: Das schreckliche "rote Mädchen"

Eva Justin gehörte zu den wenigen Frauen, die im "Dritten Reich" Karriere machten. Als Rassenhygienikerin war sie mitverantwortlich für den Tod Tausender Sinti und Roma und deren Verstümmelung...

Von Asta Hemmerlein

Von ihrem Studienzimmer in der "Rassenhygienischen Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes" in Berlin aus beteiligte sie sich ab 1936 an der kriminalpolizeilichen Verfolgung der Sinti und Roma. Eva Justin war eine Schreibtischtäterin. Ihre Opfer nannten sie ihrer roten Haare wegen "Lolitschai", das "rote Mädchen".

Wie ihr geistiger Ziehvater, der Tübinger Jugendpsychiater Robert Ritter, hielt Eva Justin die meisten Sinti und Roma im Deutschen Reich für "asozial". In ihrer Doktorarbeit für das Fach Anthropologie schrieb die ehrgeizige frühere Krankenschwester:

"Fast alle Zigeuner und Zigeunermischlinge sind durch eine mehr oder weniger große Haltschwäche (...) gefährdet. Das deutsche Volk braucht aber zuverlässige und strebsame Menschen und nicht den zahlreichen Nachwuchs dieser unmündigen Primitiven."

Als Rassenhygienikerin strebte Eva Justin nach größtmöglicher "Rassenreinheit" – dem aus ihrer Sicht höchsten Kriterium geistiger und sozialer Güte eines Menschen. Eva Justin hielt die meisten Sinti und Roma im Deutschen Reich nicht für "rasserein". Sie nannte sie "Zigeunermischlinge" und glaubte ihre Tendenz zum sexuellen Kontakt mit "deutschblütigen Asozialen" beobachtet zu haben. In ihrer Doktorarbeit forderte sie deren "Unfruchtbarmachung" als "allgemeine rassenpolitisch ausgerichtete und reichseinheitliche Dauerregelung der Zigeunerverhältnisse".

Mittel zum Zweck waren pseudowissenschaftliche, sogenannte "Gutachtliche Äußerungen", zusammengebastelt aus den "Zigeunerakten" der Kripostellen und anthropometrischen Daten: Haare, Augenfarbe, Schädelmaße, Blut:

"Gutachtliche Äußerung Nr. 15061. Berlin-Dahlem, den 17. April 1942. Auf Grund der Unterlagen, die sich in dem Zigeunersippenarchiv der Forschungsstelle befinden, hat nach den bisher geführten rassenkundlichen Sippenuntersuchungen F., Justine, "Mandla", geb. 8. 8. 1909, Manheim [sic!], Tochter des August Julius F., geb. 1855, verst. 1893, und der Mathilde G., geb. 1878, als "Zigeunermischling (+) zu gelten. Gez. Justin."

Die "Gutachten" definierten die meisten Sinti und Roma als "Zigeunermischlinge" unterschiedlichen Grades und legitimierten die Höhepunkte der nationalsozialistischen Verfolgung der Sinti und Roma ab 1941.

Per Erlass des Chefs der Deutschen Polizei Heinrich Himmler vom August 1941 gelangten Justins "Gutachten" in die Hände der Kripobeamten. Mithilfe dieser Papiere selektierten sie die Menschen für Auschwitz. Der Transportbefehl erfolgte am 23. Januar 1923 per Schnellbrief des Reichskriminalpolizeiamtes, der als "Auschwitz-Erlaß" bekannt geworden ist:

"Die Einweisung erfolgt ohne Rücksicht auf den Mischlingsgrad familienweise in das Konzentrationslager (Zigeunerlager) Auschwitz."

Für nicht deportierte Sinti und Roma ab zwölf Jahren war die "Unfruchtbarmachung (...) anzustreben". Den eigenen Tod vor Augen, wählten die Opfer Sterilisation.

Am 12. Mai 1944 trafen 39 Sinti-Kinder in Auschwitz ein. Sie hatte Eva Justin für ihre Doktorarbeit "begutachtet". Nutzlos geworden, starben sie mit den letzten Insassen des "Zigeunerlagers" am 2. und 3. August 1944 in den Gaskammern von Birkenau. Ende 1944 veröffentlichte Justin ihre Dissertation "Lebensschicksale artfremd erzogener Zigeunerkinder und ihrer Nachkommen".

Während die Züge nach Auschwitz rollten, "begutachtete" Eva Justin unermüdlich weiter:
"Berlin-Dahlem, den 26. April 1944. Gutachtliche Äußerung Nr. 23233 ..."
Eva Justin unterzeichnete allein zwischen Februar und Oktober 1944 1.320 Rassegutachten von insgesamt 30.000, an denen sie mitarbeitete.

Diese Beweise ignorierte 1960 die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main und stoppte die Ermittlungen gegen Eva Justin wegen Beihilfe zum Mord. Justins Arbeit sei vor dem "Auschwitz-Erlaß" vom Januar 1943 beendet gewesen und davor hätte es keine rassistisch motivierte Verfolgung von Sinti und Roma gegeben. Eine mit KZ-Haft bedrohte sterilisierte Sintizza nach 1943 strafte die Behörde erneut ab:

"Im übrigen habe das Mädchen selbst den Antrag zur Sterilisation gestellt."

1960 hatte sich Lolitschai bereits in Frankfurter Juristenkreisen einen Namen gemacht – als Sachverständige in Entschädigungsverfahren von Sinti und Roma. 1948 war sie von der Stadt Frankfurt als Kriminalpsychologin und Jugendpsychiaterin eingestellt worden und galt immer noch als "Zigeunerexpertin". Ihr Vorgesetzter bis zu dessen Tod war – Robert Ritter.

Drei Jahre vor ihrem eigenen präsentierte sich Eva Justin in der "Frankfurter Rundschau" vom 29. April 1963 moralisch geläutert:

"Heute habe ich eingesehen, daß es nicht richtig war. Ich bin gegen die Sterilisation (...) Heute bin ich der Ansicht, eine Ordnung ohne Beziehung auf Gott ist nicht möglich!"

Von ihrem Amt trat sie nie zurück. Am 11. September 1966 erlag die gebürtige Dresdnerin 57-jährig einem Krebsleiden.

Category: General
Posted 08/26/07 by: admin



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Comments

wrote:
...und ich hoffe sie hatte Schmerzen ohne Ende!

Sigrid
08/27/07 19:36:28

wrote:
ätzend, aber eben typisch Deutsch.
08/27/07 20:38:29

wrote:
Klar, sowas ist scheiße, dass so eine wieder nen job bekam, aber schaut euch doch damals um, bundeswehr, alle offieziere Wehrmacht und SS, Bullen alles Gestapo und SD leute, Anwälte und Richter, viele nazirichter, psychologen, ehemalige Ideologen der NSDAP, Industrielle, alles ehemalige nazifreunde und Zwangsarbeiterhalter, was ist passiert, nix, ohne diesen Abschaum gäbe es kein Justizsystem, keine Armee und keinen Geheimdienst, die haben das alles aufgebaut! Leider!!!
08/28/07 16:36:19

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