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Giordano weiter gegen Moscheebau: Kriegserklärung an die Umwelt

In Diskussionen zum Islam in Deutschland wird häufig auf die Positionen Ralph Giordanos hingewiesen. Berühmt wurde vor allem seine Beschreibung frommer Muslimas als "Pinguine". Die genauen Begründungen seiner ablehnenden Haltung zum Bau einer angeblichen "Großmoschee" im Kölner Stadtteil Ehrenfeld sind vielen unbekannt...

Giordanos Begründungen sollte man aber kennen, auch wenn man nicht der Meinung ist, dass Baugenehmigungen für religiöse Versammlungszentren in einem säkularen Staat, der die Religionsfreiheit für alle hier lebenden Menschen per Grundgesetz garantiert, erst mit speziellen Anpassungsleistungen verdient werden müssen.

Er wirft den Planern der Moschee "Gigantomanie" vor und erkennt darin eine "Kriegserklärung an die Umwelt". Der Islam sei "unvereinbar mit dem Grundgesetz". Im Koran sieht er die "Stiftungsurkunde einer archaischen Hirtenkultur" und eine "Lektüre des Schreckens".

Im folgenden Giordanos "Offener Brief" an Bekir Alboga, den Beauftragten der Ditib für den interreligiösen Dialog. Die DITIB (DİYANET İŞLERİ TÜRK İSLAM BİRLİĞİ, Türkisch İslamische Union der Anstalt für Religion e.V., eine laizistische Organisation mit engen Verbindungen zum türkischen Staat beziehungsweise seiner Religionsbehörde, sieht sich als die größte Interessenvertretung türkischstämmiger Muslime in Deutschland.

Sehr geehrter Herr Alboga,

Ihre Offene Einladung vom 14. August 2007 als Reaktion auf meinen Artikel „Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem" in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 12. August habe ich erhalten und aufmerksam gelesen.

Ich werde dieser Einladung aber nicht folgen. Dabei wird meine Antwort versuchen, die Formen der Höflichkeit zu wahren, ohne ein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen. Geht es hier doch nicht um ein Duell Ditib-Giordano, sondern um ein bisher von deutscher wie von muslimisch-türkischer Seite sträflich unterschlagenes Problem von hoher innenpolitischer Brisanz - der Furcht großer Bevölkerungsteile vor einer schleichenden Islamisierung.
Die seit unserem Streitgespräch vom 11. Mai 2007 mit meinem Vorstoß gegen den Bau einer zentralen Großmoschee in Köln-Ehrenfeld losgetretene Medienlawine lässt keinen Zweifel an dieser Befindlichkeit.

Ein Schritt zu weit nach vorn

Zu den Gründen meiner Ablehnung:
In der akuten Auseinandersetzung ist Aufrichtigkeit das Letzte, was ich von der Ditib erwarte.
Ich halte sie für den verlängerten Arm der Religionsbehörde Dyanet in Ankara, eine staatlich türkische Organisation und ein Instrument türkischer Außenpolitik, ohne jede Transparenz der internen Beziehungen, ein Verband, der sich als Initiator für den Mega-Bau in Köln-Ehrenfeld einen verräterischen Schritt zu weit nach vorn gewagt und damit unfreiwillig die wahre Absicht offenbart hat – mehr Macht, mehr Einfluss. Also genau das, was, so plötzlich sichtbar geworden, bundesweit eine nahezu kollektive Beunruhigung hervorgerufen hat.

Nicht nur meine eigenen Erfahrungen, auch die Auftritte von Funktionären der Ditib und anderer Migrantenverbände im Fernsehen bieten ein eher abschreckendes Bild – unliebsame Tatsachen werden nach dem Muster einer einstudierten Sprachregelung einfach bestritten. Ein kluger Kollege hat das einmal in einer scharfen Polemik gegen den Vorreiter dieser Taktik, den Schriftsteller Feridun Zaimoglu, einen „Krieg gegen die Empirie" genannt, also gegen nachweisbare Wirklichkeiten da, wo sie schmerzhaft werden. Kommt die Rede darauf, wird sofort auf Rot geschaltet — etwa, was die hohe Betroffenheit türkischer Frauen durch Gewalt in ihrer Paarbeziehung betrifft; das Problem der Zwangsehen; die Inflation aggressiver türkischer Jugendlicher, die ihre Lehrerinnen und Mädchen ohne Kopftuch als Schlampen beschimpfen; die Hassprediger; der extensive Antisemitismus; ein unverbergbares Sympathisantentum mit dem Terror im Namen Allahs; die inakzeptable Stellung der Frau auch in den türkischen Parallelgesellschaften - sofort wird geleugnet und geschönt. Ich habe noch im Ohr, wie der Funktionär eines Migrantenverbandes die Stirn hatte, Scharia und Grundgesetz vor der Kamera für vereinbar zu erklären.

Kriegserklärung an die Umwelt

Für mich war die Gigantomanie der zentralen Großmoschee in Köln-Ehrenfeld nach den von den Stadträten abgesegneten Plänen der Architekten Paul und Gottfried Böhm von vornherein eine Art Kriegserklärung an die Umwelt gewesen, ein hoch integrationsfeindlicher Akt, der nur ein gutes an sich hatte, nämlich die wahre Absicht dahinter unfreiwillig zu offenbaren.

Ich würde an Ihrer Stelle, Herr Alboga, die Befindlichkeit der Mehrheitsgesellschaft und ihrer Furcht vor einer schleichenden Islamisierung angesichts immer neuer, wie Pilze aus dem Boden schießender Moscheen in Deutschland sehr ernst nehmen (wobei es so gut wie unbekannt ist, dass die großen Moscheen nach osmanischen Eroberern benannt werden, wie Mehmet II., Erstürmer von Konstantinopel). Was bedeutet: üben Sie den Rückzug! Aber nicht die Moschee, der Islam ist das Problem!

Die Schicksalsfrage: Ist er überhaupt vereinbar mit Demokratie, Menschenrechten, Pluralismus, mit Aufklärung und kritischer Methode? Es sind Muslime selbst, die dieser Frage am skeptischsten gegenüberstehen, ja, sie offen verneinen und, unter Gefährdung einer Fatwa, die eigene Religion haftbar machen als die wahre Ursache für die Schwierigkeiten, die der Islam bei seinen Anpassungsversuchen an die Moderne hat. Gerade die Türkei befindet sich derzeit in der akuten Zerreißprobe eines Spagats zwischen dem laizistischen Segment ihrer Geschichte und einem expandierenden islamischen Traditionalismus. Unweigerlich werden sich diese inneren Spannungen außenpolitisch bemerkbar machen und sich in der türkisch-muslimischen Minderheit Deutschlands widerspiegeln. Und auch davor fürchtet sich die Mehrheitsgesellschaft. Wie sie sich fürchtet vor dem Terror im Namen Allahs.

Lektüre des Schreckens

Ja, Allah... Ich lese den Koran - und verstumme. Eine Lektüre des Schreckens und der Fassungslosigkeit, mit ihren unzähligen Wiederholungen, Ungläubige zu töten, besonders aber Juden.
Ich frage mich, wie jemand, dem der Koran, diese Stiftungsurkunde einer archaischen Hirtenkultur, heilig ist, auf dem Boden des Grundgesetzes stehen kann... Das eine schließt das andere aus, und Lippenbekenntnisse werden auch durch ihre Wiederholung nicht anders. Beide, Mehrheitsgesellschaft und türkisch-muslimische Minderheit, befinden sich in einer verteufelten Situation: Ist Integration überhaupt möglich? Wer die Aussagen von türkischen Jugendlichen hier in Deutschland, darunter solchen mit deutschem Pass, in der jüngst vom WDR ausgestrahlten Sendung zum Moscheebau „Zu groß, zu laut, zu fremd" zur Kenntnis genommen hat, muss daran zweifeln. Sie bestätigten nicht nur, dass die Integration fehlgeschlagen ist, sondern auch, dass sich diese Ansichten nicht „einordnen" lassen. Gibt es also eine realistische Perspektive für eine Integration, die diesen Namen verdient hätte?

Ich bezweifle das. Worauf es hinauslaufen wird, ist die Permanenz eines Zustandes, der Mehrheitsgesellschaft und muslimische Minderheit zwingt, auch ohne Integration miteinander friedlich auskommen zu müssen. Von allen möglichen Entwicklungen des Migrationsproblems ist diese die wahrscheinlichste - als regierungsübergreifendes Erbe einer von deutschen Politikern ebenso verfehlten wie unverantwortlichen Immigrationspolitik vom letzten Drittel des ausgehenden 20. Jahrhunderts bis hinein ins 21. Dabei dürfte in der überschaubaren Zukunft das Problem durch den ungleichen demographischen Verlauf zwischen Mehrheit und Minderheit innenpolitisch immer gewichtiger werden, ohne dass dabei auf hilfreiche historische Erfahrungen zurückgegriffen werden könnte.

Deutschland wird sich also an den Gedanken eines Nebeneinanders, nicht Ineinanders gewöhnen mühen qua Realität. Eine Perspektive, die weit höhere Anstrengungen im beidseitigen Umgang miteinander gebietet, wenn sie friedlich verlaufen soll, als alle vergeblichen Einordnungsbemühungen. Unerlässlich dabei: Die Kenntnis der Schranken. Auf ihr fußen die Sensibilität der Begegnungen und die Prinzipen des gegenseitigen Respekts. Oberstes Gebot: keine Gewalt.

Vereinbarkeit beider Kulturen ist Fata Morgana

Es wäre besser, beide Seiten würden damit sofort beginnen, als weiter der Fata Morgana einer Vereinbarkeit beider Kulturen nachzujagen. Einordnungen am Rande wird es dabei immer geben, eine kollektive Integration jedoch nicht. Das Multi-Kulti-Ideal ist ein Blindgänger, an denen die Geschichte schon überreich ist. Andererseits kennt sie auch Beispiele, dass das Unmöglich möglich wird.

Kein Gespräch mit Leugnern eines Völkermords

Wie die Dinge stehen, sehr geehrter Herr Alboga, könnte bei einem Gespräch zwischen Ihnen und mir nichts anderes herauskommen, als der Austausch gegenseitig bekannter, aber unvereinbarer Meinungen. Deshalb, und wegen der gleich eingangs genannten Gründe, werde ich, noch einmal, Ihrer Einladung nicht folgen. Dazu kommt, dass ich mich mit Leuten, die den Völkermord an den Armeniern 1915/16 leugnen, ebenso wenig an einen Tisch setzen werde, wie mit den Lügnern von der „Auschwitzlüge".

Ich möchte aber keinerlei Zweifel daran lassen, dass sich meine Kritik nicht gegen die Muslime richtet, sondern gegen den politischen Islam, der, würde er triumphieren, alles aufheben würde, was mir lieb und teuer ist.

Zum Schluss meiner Offenen Antwort an die Ditib appelliere ich noch einmal an den Oberbürgermeister der Stadt Köln, an die Stadträte und die Parteien, den Bau des Reißbrettentwurfs zu stornieren. Zwischen Hinterhof- und Mega-Moschee gäbe es viele Abstufungen ohne den Abschreckungseffekt, den die vorgesehene Architektur hervorgerufen bat. Die Stunde der Deeskalation ist gekommen - für beide Seiten.

Category: Islamismus
Posted 08/20/07 by: admin



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Comments

wrote:
Ich lehne eine Position ab, die eine Unvereinbarkeit des Islams mit dem Grundgesetz postuliert. Der Islam ist ebenso grundgesetzkonform wie Judentum, Christentum oder der Buddhismus (das soll keine Poitivliste sein).
Der Terrorimus und der Fundamentalismus (jeglicher Art) sind das Problem, nicht der Islam als solcher.
Ich bedaure es, dass auch Ralph Giordano inzwischen eine solche (sich nach meinem Eindruck leider immer weiter verbreitende) Position vertritt, in dem Buch über seine Reise durch Deutschland schrieb er noch anders. Ich halte seine damalige Position immer noch für richtig, zumindest richtiger als die jetzige.

MfG Sven
08/20/07 21:31:48

wrote:
Der Islam ist unfrei, weil seine Auslegung unfrei ist. Auch Christentum und Judentum waren zu jedem Zeitpunkt ihrer Geschichte und sind heute nur genau so frei, wie ihre Ausleger es waren bzw. sind. Insofern kann man sagen, dass ein dergestalt unfreier Islam tatsächlich nicht kompatibel mit den Werten des westlichen Humanismus und dem deutschen Grundgesetz sind.

Im Umkehrschluss liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass eine Mehrheit von Muslimen ihren Islam befreit. Das allerdings würde ein Eingeständnis der Unvereinbarkeit des gegenwärtig unfreien, da eben nicht von der freien Ausübung jedweder Exegese gekennzeichneten Islam, mit seiner Umgebung durch jene Viele erforderlich machen. Dass hingegen nur Wenige sich dazu bekennen, ist m.E. nach, was Giordano im Grund beklagt.

So besehen, hat Giordano Recht, und ich kann seine Einschätzung teilen.
08/21/07 10:04:18

wrote:
Hallo L-Aratro,

Giordano schreibt:

"Ich frage mich, wie jemand, dem der Koran, diese Stiftungsurkunde einer archaischen Hirtenkultur, heilig ist, auf dem Boden des Grundgesetzes stehen kann... Das eine schließt das andere aus"

Er lässt hier nicht einmal Raum für Interpretationen (des Korans und mE auch nicht seiner Aussage). Wer auf dem Boden des Grundgesetzes steht, dem darf der Koran nicht heilig sein. Von Abhängigkeiten von einer Auslegung ist hier keine Rede. Aus meiner Sicht ist das eine vollkommen unmögliche Forderung an gläubige Menschen, zu verlangen, die eigene heilige Schrift nicht länger als heilig anzusehen. Meine Wahrnehmung ist, dass er hier sagt: Wer den Koran als eine heilige Schrift ansieht, steht nicht auf dem Boden des Grundgesetzes.
Aus meiner Sicht erlaubt es aber das Grundgesetz, den Koran als heilige Schrift anzusehen, ebenso wie es das mit Tora und (chr.) Bibel tut und wer das macht, hat mE keineswegs den Boden des Grundgesetzes verlassen. Ich finde, was er da geschrieben hat, kann ein erster Schritt auf einem gefährlichen Weg sein und eben keine Deeskalation, von der er schreibt. Die einzigen beiden Teile des Textes, die ich positiv finde, sind sein Aufruf gegen Gewalt und dass er wieder offen geschrieben hat, was er denkt. Normalerweise konnte ich meistens von ganzem Herzen "unterschreiben", was Ralph Giordano geschrieben oder gesagt hat, er war in seinen Haltungen irgendwie auch ein Vorbild- diesmal ist es ganz anders. Ich kenne zwar nur zwei Bücher von ihm und einige TV-Dokumente, aber ich finde es auch sehr traurig, dass er jetzt so eine Meinung vertritt.
Ich würde wirklich gerne eine Debatte erleben zwischen dem Ralph Giordano von 1997 und dem von heute.

MfG Sven
08/21/07 12:41:41

wrote:
Giordano sollte mal die Thora lesen.
08/23/07 07:44:32

wrote:
Was mich eher menschlich als wissenschaftlich verblüfft, ist der Gleichklang antisemitischer und islamophober Stereotype.

Wie oft bin ich schon dagegen aufgestanden, wenn jemand das Judentum als "Hirtenreligion" bezeichnet hat, die Thora als angeblich unvereinbar mit Demokratie und Grundgesetz, Juden als angeblich unintegrierbar... Und solche Stereotype werde ich auch in Zukunft keinem durchgehen lassen. Das ist falsch und bleibt falsch, ebenso wie es das im Bezug auf Islam und Koran. Grundgesetz und Menschenrechte gelten für alle Menschen und sind mit allen Weltreligionen gut vereinbar - was auch die übergroße Mehrheit der Muslime zumal in unserem Land so sieht! (Einen Vortrag mit neuen Befragungsdaten, erhoben von einem amerikanischen Institut, stelle ich noch heute online.)

Lassen Sie mich von einem tragikomischen Hassmail berichten, dass bei mir mal vor vielen Jahren einging. Da schrieb mir einer, Muslime und Juden hätten aus Deutschland zu verschwinden, denn sie hingen "orientalischen Wüstenkulten" an. Ich antwortete ihm: "Nun ja - aber Jesus ist ja nun auch nicht in Straßburg geboren worden." Seine Antwort: "Stimmt. Wenn Sie es also genau wissen wollen: auch Christen haben zu verschwinden! Deutschland sollte wieder nur seine angestammte Religion haben!"

Damals hab ich noch Tränen gelacht... Das ist mir, ich gebe es zu, inzwischen vergangen.
09/07/07 11:53:08

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