Papst Sixtus IV. in der christlichen und jüdischen Einschätzung

Die Ritualmordprozesse des Spätmittelalters sowie vor allem die Vorbereitung der Inquisition in Spanien, zwei ganz besonders schmerzliche Kapitel in der europäischen Judengeschichte, werden in der Historiografie häufig mit dem Namen eines ganz bestimmten Papstes in Verbindung gebracht, nämlich mit dem Sixtus‘ IV. (1471-1484). Daher erscheint es von Interesse einmal Gelehrte und Autoren, Christen wie Juden, zu Worte kommen zu lassen, wie sie denn den einstigen Franziskanermönch und späteren Papst, der, wohlgemerkt, nicht zu den schlimmsten Feinden der Juden an der Spitze der katholischen Hierarchie gehörte, beurteilten bzw. beurteilen. Auszüge und Einträge aus sehr unterschiedlichen Geschichtsbüchern, Biografien und Nachschlagewerken finden Berücksichtigung…

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„Die Juden zu Passau“ und „Des Knaben Wunderhorn“

Kaum ein deutscher Gymnasiast dürfte sein Abitur ablegen, ohne zuvor im Deutschunterricht nicht wenigstens einmal von jener legendären Sammlung deutscher Volksliedtexte „Des Knaben Wunderhorn“ gehört zu haben. Nur wenigen Deutschen, in erster Linie Germanisten und Antisemitismusforschern, wird bekannt sein, dass in diesem Kompendium deutscher Lyrik zwei Stücke mit jüdischer Thematik enthalten sind. Eines davon besingt eine angebliche Hostienschändung im niederbayerischen Passau…

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Zum 175. Geburtstag von Mendele Moicher Sforim

Am 2. Januar jährt sich der 175. Geburtstag des jiddischen und hebräischen Schriftstellers Mendele Moicher Sforim, der als Begründer der modernen jiddischen Literatur gilt. Der vorliegende Text von Sigfried Schmitz wurde zum zehnten Todestag des Schriftstellers in der Zeitschrift „Menorah – Illustrierte Monatsschrift für die jüdische Familie“, die zwischen 1923 und 1932 erschien, veröffentlicht. Mit dem Wissen um die Schoah, die nur wenige Jahre später das jüdische Leben in Osteuropa vernichten sollte, klingen die Worte daraus besonders eindringlich: Mendele Moicher Sforim sei „zur objektiven, künstlerisch-analytischen Erfassung des gesamten jüdischen Lebens seiner Zeit [gekommen], (…) aus der, wie einmal gesagt wurde, das jüdische Leben dieser Zeit genau rekonstruiert werden könnte, wenn von ihm auch keine andere Kunde erhalten bliebe als Mendeles Werk“…

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Die große Judenverfolgung in München i. J. 1285 und die Gruftkirche von Josef Maria Mayer (1868)

In München hatten sich schon seit den ersten Zeiten der Entstehung der Stadt Juden angesiedelt. Im Verlaufe jener Zeit war ihre Anzahl nach und nach sehr angewachsen, denn sie hatten sich durch Reichtum sowohl den Fürsten und der Geistlichkeit, als auch selbst der Bürgerschaft unentbehrlich gemacht…

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„Die Juden Regensburgs“ von Otto Stobbe (1866)

Die Verhältnisse der Regensburger Judengemeinde waren darum sehr kompliziert, weil sie nicht bloß dem Kaiser, dem Bischof und dem Rat der Stadt unterworfen waren, sondern auch dem Herzog von Baiern verpfändet war und alle diese Herren mannigfaltige Rechte ihr gegenüber geltend machten und zu verschiedenen Zeiten in verschiedener Weise in ihr Vermögen eingriffen und ihre Stellung bestimmten. Da das Mittelalter weit davon entfernt war, staatsrechtliche und privatrechtliche Befugnisse genau zu präzisieren und voneinander abzugrenzen, ergaben sich aus den mehrfachen Befugnissen mancherlei Zwistigkeiten unter den Herren und viele Bedrückungen der Juden…

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Briefe aus Degania

In diesen Tagen feiert die Kibbutz-Bewegung in Israel ihr 100-jähriges Bestehen. Ende Oktober 1910 gründeten zehn Männer und zwei Frauen die erste Kollektivsiedlung, Degania Alef, am Ufer des See Genezareth. Degania formte die Prinzipien der unabhängigen Arbeit und des kollektiven Lebens und wurde Vorbild für Hunderte weitere Kibbutzim, die bald darauf im Land gegründet wurden…

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