Schattenexistenz

„Man muss sich die Situation vorstellen: Nicht in seine eigene Wohnung können, natürlich keine Lebensmittelkarten bekommen, das Quartier ständig wechseln, auf der Straße nicht auffallen, das heißt, möglichst wenig auf die Straße gehen, und das nicht für ein paar Tage, sondern für Jahre. Und wenn man dabei noch so vorsichtig ist, so gibt es doch Augenblicke, in denen man glauben muss: nun ist es aus.“[1] Mit diesen Worten schilderte Hugo Glaser das Schicksal untergetauchter Jüdinnen und Juden, die sich auf diese Weise vor der Verfolgung  und Ermordung durch das NS-Regime zu retten versuchten. Hugo Glaser überlebte selbst als sogenanntes U-Boot in Wien…

Mehr …

27. Januar 1945: Die Befreiung von Auschwitz

Die Front hat in dieser Nacht Auschwitz erreicht. Schon seit Tagen fliegt die Rote Armee Luftangriffe. Für die Wehrmacht ist nur noch ein einziger Fluchtweg offen: der nach Süden in Richtung Bielsko. Am Morgen sprengen die Deutschen die Brücken über die Sola, an deren Ufer auch das Konzentrationslager von Auschwitz liegt…

Mehr …

Fünftes World Holocaust Forum

​Am 23. Januar 2020 wird in Yad Vashem, der internationalen Holocaust-Gedenkstätte in Israel, das fünfte World Holocaust Forum stattfinden. Das Forum unter dem Titel „An den Holocaust erinnern, Antisemitismus bekämpfen” wird von der „World Holocaust Foundation“ unter der Leitung von Dr. Moshe Kantor in Zusammenarbeit mit Yad Vashem und unter Schirmherrschaft des Staatspräsidenten Reuven Rivlin, organisiert…

Mehr …

Familie Schnabelmaier und der Mantel des Schweigens

Über 70 Jahre nach dem Ende des Nazi-Terrors in Europa sollte die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen abgeschlossen sein. Sollte – doch als Christina Schnabelmaier aus Oberbayern im Sommer 2018 eine Reise nach Israel vorbereitete, stieß sie in einem hagalil-Beitrag auf Details zur Verfolgung ihrer Familie, die ein grelles Licht auf die Wirklichkeit werfen: Nichts von dem, was sie da las, war ihr und ihren sechs Geschwistern bekannt. Vom „üblichen Mantel des Schweigens“, der das Schicksal ihrer Großeltern und ihres Vaters überdecke, berichtete sie…

Mehr …

Bombenbringende Weihnachtszeit – „Christmas Blitz“ und „Christmas Bombings“

Höchste Feiertage für einen Überfall oder eine andere massiv kriegerische Aktion zu nutzen, das kommt einer/einem doch bekannt vor. Wenn wir etwa an den Jom-Kippur-Krieg vom Oktober 1973 denken, als die Nachbarn Syrien und Ägypten in Israel einfielen. Parallelen hierzu kennt auch die Geschichte zweier, sich als ganz besonders „christlich“ empfindender Nationen…

Mehr …

Unter Blicken – Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Die neunjährige Anna Kemper glaubt nicht mehr daran, dass die Taschenuhr ihres Patenonkels Julius aufgepustet werden kann. Eigentlich weiß sie es schon lange, dass er während ihres Pustens auf einen kleinen Knopf drückt und so der Deckel der Uhr sich durch einen Mechanismus öffnet, aber sie hat bis zu diesem Zeitpunkt noch so getan, als würde sie glauben, dass hier etwas Magisches passiert. Doch jetzt ist nichts mehr so wie zuvor, es gibt keinen Platz mehr für Wunder, keinen Raum mehr für den Zauber des Alltäglichen – denn Magie muss einen Ort haben, sie muss lebensweltlich beheimatet sein. Nun aber ist die Zeit entzaubert worden, und der Raum hat sich auch deswegen verändert: Anna ist nicht mehr daheim in Berlin, sondern mit ihrer Familie im Exil in der Schweiz. Doch auch hier wird sie wieder Abschied nehmen müssen, wird eine Zeitlang in Paris leben und schließlich in London zu Hause sein…

Mehr …

Das Weihnachts-Massaker der deutschen Wehrmacht, Simferopol 1941

Wie ihr Brauchtum und ihre Geschichte immer wieder gezeigt haben, können sich viele Christen anlässlich ihrer beiden höchsten Feiertage, Ostern und Weihnachten, in einen geradezu irrationalen Hass hineinsteigern, der sie zu den unmenschlichsten Verbrechen, besonders an Juden, befähigt. An eine solche Blutorgie von Christenhand aus der Weihnachtszeit des dritten Jahres des Zweiten Weltkriegs soll hier erinnert werden…

Mehr …

Pius XII. und die Deportation der Juden Roms

Am Sonntag, den 17. Oktober 1943 telegrafierte[i] der Vatikanbotschafter Ernst von Weizsäcker an das Auswärtige Amt nach Berlin, dass die Kurie besonders betroffen über die Razzia und die Inhaftierung der Juden Roms sei, “da sich der Vorgang sozusagen unter den Fenstern des Papstes abgespielt”[ii] habe. Diese Beschreibung ist wörtlich zu interpretieren. Die Juden wurden nämlich im Collegio Militare im Palazzo Salviati[iii] inhaftiert. Der Palazzo befindet sich nur 10 Gehminuten entfernt vom Vatikan, die Luftlinie beträgt sogar nur 1,4 km. Fraglich war, ob und wie der Papst auf diese zielgerichtete Provokation der Nationalsozialisten reagieren würde (S. 241). Pius XII. entschloss sich, zu schweigen. Dieses Schweigen des Papstes ist bis zum heutigen Tage Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen, die mit Rolf Hochhuts Drama “Der Stellvertreter” im Jahre 1961 begannen und bis zum heutigen Tage nicht beendet sind [iv] …

Mehr …