Ein Attentat und seine Folgen – ein Streifzug durchs Netz

Die eigentliche Nachricht ist schon einige Tage alt: Umar Faruk Abdul Mutallab hatte am ersten Weihnachtsfeiertag versucht, in einem voll besetzten Airbus der US-Gesellschaft Delta kurz vor der Landung in Detroit einen in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden, war dabei aber von Passagieren überwältigt worden. Während man nur spärliche Informationen über die Hintergründe des vereitelten Attentats lesen konnte, hat man im Internet den eigentlichen Drahtzieher des Anschlags längst festgemacht: das „internationale Judentum und seine Marionette, die USA“…

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Es war das Teeservice – und nicht Frau Göring

Während der Rowohlt-Verlag an der deutschen Übersetzung für die Herausgabe der Claude Lanzmann Autobiographie „Der patagonische Hase“ arbeitet, hat „Die Zeit“ einen Streit um die Deutungshoheit sowohl über Claude Lanzmann als auch sein Werk begonnen (IDF, Shoah, Pourquoi Israel, u.a.) und stellt in einem am 11. Januar online erschienen Artikel infrage, inwieweit Lanzmann es mit der Wahrheit genau genug nimmt…

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Antijudaismus-Antisemitismus: Martin Luther und die Juden in der deutschen Rezeption

Wie in meinem Beitrag zur Judenmission im „Schtetl“ bereits angesprochen, gab es in der deutschen Geschichte keine vergleichbare bedeutende Persönlichkeit, die über Jahrhunderte so starken antijudaistischen Einfluss ausübte, wie der Reformator Martin Luther. Nicht nur der „Stürmer“-Herausgeber Julius Streicher glaubte sich bekanntlich beim Nürnberger Prozess zu seiner Verteidigung auf ihn berufen zu können, sondern ungezählte andere Deutsche, die allerschwerste Schuld auf sich geladen hatten, versuchten mit Luthers Worten im Kopf  ihr Gewissen zu beruhigen. Aus diesen beiden Sätzen geht bereits hervor, dass wir es hier mit einem Tabuthema zu tun haben, denn annähernd die Hälfte unserer Landsleute ist oder war protestantisch und Kritik an Luther wird von vielen von ihnen als Kritik an ihrem Selbstverständnis aufgefasst. Umso interessanter erscheint es daher zu untersuchen, wie deutsche Nachschlagewerke, deutsche Historiker und deutsche Medien bei ihrer Luthereinschätzung mit diesem Komplex umzugehen pflegten und pflegen…

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Zum psychoanalytischen Verständnis von Faschismus und Antisemitismus

Bereits in den Jahren von 1920 – 1950 haben mehrere namhafte Psychoanalytiker, auch unter Bezugnahme auf Studien Sigmund Freuds, wegweisende psychoanalytische Theorien zum Antisemitismus publiziert. Zu nennen sind vor allem Bruno Bettelheim, Otto Fenichel, Ernst Simmel, Erik Homburger Erikson und Rudolf Loewenstein…

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Towards a Psychoanalytic Understanding of Fascism and Anti-Semitism: Perceptions From the 1940’s

The British historian E.H. Carr claimed that all history is contemporary history. No historian can escape from his own relationship to the present; each inevitably sees the past through the perspective, that is, the anxieties and desires of the present. Historians record and evaluate the past refracted both through the pressures of their current circumstances and through the dynamics of their own personality. The goal is to create a dynamic interaction between his material and himself, an honest and respectful dialogue between the facts of history and interpretations, an open-ended conversation between past and present.[01] The 110-year history of psychoanalysis presents precisely the same problems that Carr mentions. What is selected and omitted, emphasized or emphasized, argued or refuted will all turn on the historian’s contemporary concerns and how he consciously and unconsciously conceives of the present; nor can the historian’s ideological affiliation, perhaps best conceptualized as theoretical and methodological loyalties, filtered through his personal life, be bracketed out from his approach to the past…

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  1. E.H. Carr, What is History? (New York,1961), p. 22. []