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Nizza Thobi präsentierte ihre
neueste CD:
Ghetto ohne G'tt?
An mehreren Abenden präsentierte Nizza
Thobi ihre neueste CD. In den kommenden Wochen werden weitere Auftritte -
auch außerhalb Münchens folgen. Die CD ist inzwischen
im Handel erhältlich.
Nizza Thobi in the Einstein Center:
Singer with great message
NIZZA THOBI im
Einstein:
Liedl-Macherin
mit großer Botschaft
Ein zierliches Persönchen, eine glühende Stimme, eine bewegend große
Botschaft : Nizza Thobi. Vom Wilnaer Ghetto bis zu ihrem geliebten Jerusalem
spannt die israelische Liedl-Macherin, die seit 25 Jahren in München lebt,
den Faden des neuen Programms "Gebojrn
in a sajdn hemdl".
Dieses hemdl meint die jiddische Sprache, die Muttersprache ihrer meist
umgebrachten Zeitzeugen aus den letzten Kriegsjahren. Nizza Thobi hat mit
viel Aufwand entlegene Gedichte und Lieder von jüdischen Opfern und
Widerstandskämpfern gesammelt. " Ich habe gestern nochmals Eichmanns
Memoiren gelesen", teilt sie mit. Sie will die ganze Wahrheit über die
Pogrome wissen und einem möglichst jungen Publikum" musikalisch erzählen.
Das gelingt dem Abend bis zum letzten "Ich hob dich zu fil lib". Dias zur
Musik führten den beeindruckten Hörern im Theater Rechts der Isar die
jüdischen Menschen und ihre Kultur fast greifbar vor Augen. Was alles
passieren kann, wenn Gott kurz schläft! Aber selbst ein kurzer Wackelkontakt
der Anlage unterbrach den engen Kontakt zwischen Bühne und vollbesetztem
Saal nicht.
Heute ein Publikum mit Jiddisch herausfordern? Die Sprache ist lebendig",
sagt Nizza Thobi, und lässt sich herrlich geschmeidig singen. "Das sajdn
hemdl" habe ja schon Goethe gepasst, der extra Jiddisch und Hebräisch
lernte. Uns bringt sie in "Nani, nani" noch Ladino bei, das spanische
Jiddisch.
Das ein wenig zu lange Programm ist allerdings keine leichte Kost. Wer bei
Nizza Thobi bequem auf der Klezmerwelle mitsurfen will, geht baden. Die
Lieder sind anspruchsvoll und überwiegend melancholisch gehalten, erst nach
der Pause meldet sich der jiddische Witz. Sehr liebevoll und authentisch im
Tonfall geigt dazu Hans Jakob auch mal einen Tango. Alle Arrangements
schrieb der technisch perfekte Gitarrist Andreas Seifinger, taktvoller
Rückhalt des Abends.
Das Konzert war zugleich Präsentation von Nizza Thobis neuer, sorgsam
produzierter CD. Bei Abhören träumt man sich nochmals zurück in eine
versunkene Welt, deren poetisch verschlüsselte Texte auf vierzig
Bookletseiten abgedruckt und erklärt werden. Alles ist traurig, aber wahr.
Nächste Termine: 16./17. März und 1. April 20 Uhr im Einsteinzentrum.
Andreas Weitkamp
März 2000 SZENE MÜNCHEN Münchener Merkur Nr. 61
Ghetto ohne Gott
Nizza Thobi singt von jüdische Lebenserfahrung, von religiösen Belangen wie
von einer Klage an Gott. Sie singt vom Frühling im Ghetto, der vergebliche
Sehnsucht nach dem Liebsten bringt. Die Münchnerin aus Israel lässt in
traditionellen Melodien vergangene Welten erklingen, ebenso wie sie zeitlose
Lyrik interpretiert.
Ohne jede Larmoyanz versammelt sie Traum und Melancholie, meist in Jiddisch,
aber auch auf Ladino und Hebräisch. Viel mehr als ihre plastische
wandlungsfähige Stimme braucht sie nicht. Nur Andreas Seifinger an der
Gitarre und Hans Jakob an der Violine tupfen zarte, manchmal ironische Töne
hinzu...
ETHO-SZ Extra Woche vom 9. März 2000
haGalil onLine 04-04-2000
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