Realitätsprinzip

Aus HaGalil Lexikon

Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Realitätsprinzip ist nach der Theorie der klassischen Psychoanalyse eines der beiden Prinzipien, die das psychische Geschehen beherrschen. Es bildet ein Paar mit dem Lustprinzip, indem es dieses ergänzt. Das Realitäsprinzip gilt als Teil des Ich. Gemäß dem Realitätsprinzip wird das Verhalten des Lebewesens den Erfordernissen seiner jeweiligen Umweltsituation angepasst, damit die dem Es entstammen Bestrebung des Lustprinzips zur Geltung gelangen <ref>W. D. Fröhlich (2000, 23. Aufl.):Wörterbuch Psychologie. München DTV</ref> <ref>J. Laplanche, J.- B. Pontalis (1977 3. Aufl.): Das Vokabular der Psychoanalyse. Suhrkamp Wissenschaft Frankfurt a. M.</ref>

Inhaltsverzeichnis

Sinnbestimmung des Prinzips

Im Gegensatz zu dem Lustprinzip, das vom Es ausgeht und bei seinem Streben nach Lustgewinn die umgebenden Realität nicht zu berücksichtigen vermag, stellt das im Dienste eben dieser Leistung stehende Realitätsprinzip ein Verhaltensschema dar, das vom Ich bzw. Bewusstsein verwirklicht wird. Das Realitätsprinzip kommt im Laufe der Reifung des Ichs, die dieses aufgrund intellektueller Beanspruchung erlangt, zur Geltung. Es bezieht sich dabei nicht nur auf die aktuelle Realität, sondern wird auch beeinflußt von den im Laufe der Zeit ins Über-Ich verinnerlichten Erfahrungen. Günstigen Falls ergänzen diese Prägungen oder Inhalte des Über-Ichs, das Ich bei seiner ihm charakteristische Aufgabe, für die Befriedigung der Triebe (angeborenen Bedürfnisse) des Es die jeweils herrschende Umwelt - die Realität - berücksichtigen zu müssen. Oft ist es jedoch so, dass die Inhalte des Über-Ichs moralischer Art sind - das heißt nach Freud, dem ES und seinem Lustprinzip zuwider laufen -, so erwächst dem ICH aus diesem Sachverhalt ein potentieller Konflikt, der es ihm nicht leicht macht, das ihm immanente Realitätsprinzip zu verwirklichen, ohne dass daraus unangenehme Konsequenzen zu erwarten wären.

Arbeitsweise

Die Faktoren der konkreten Situation werden zu diesem Zweck Teils bewusst rational bewertet, anderen Teils wirken auf die innere Gestaltung des Gesamtbildes der Realität die Impulse des Über-Ichs mit ein. Letztere stammen vor allem aus den übernommenen oder anerzogenen Wertvorstellungen, davon abgesehen aber allgemein aus allen Erfahrungen, die der Mensch im Verlaufe seiner Entwicklung gesammelt hat, auf ihnen das Über-Ich aufbauend. Ist dem Ich die Erfüllung der Forderungen des ES momentan nicht möglich, weil eine konkret gegebene Situationen seitens der Umwelt dagegen spricht, kann es eine zeitliche Verschiebung der Triebbefriedigung oder die Umlenkung z.B. der sexuellen Triebenergie auf ein neues, nicht notwendig sexuelles Ziel erreichen (Sublimierung).

Da die moralischen Inhalte des Über-Ich den Bedürfnissen oder Begehren des Es entgegenwirken, indem ersteres - nach den Vorgaben der moralisch erziehenden Eltern - einen Einfluss auf das Ich in Form der Erzeugung z.B. von Schuldgefühlen ausübt ('Gewissensbisse'), kann sich das Ich vorbewusst genötigt sehen, verschiedenste Abwehrmechanismen anzuwenden. Das Ziel dieser Leistungen ist die Schwächung oder Ausschaltung der Schuldgefühle; sie können also z.B. dadurch vermieden werden, dass das Ich (bzw. Bewusstsein) an seiner als "Vorbewusstein" bezeichneten Grenze zum Unbewussten eine Barriere errichtet, die die triebhaften Regungen des Es an der Vollbewusstwerdung hindern. Das Ergebnis solcher "Verdrängung" wäre somit ein moralisch konformes Verhalten mit den respektive fehlenden oder vermiedenen Schuldgefühlen. Da dies jedoch auf Kosten des ES bzw. des Lustprinzips ginge, scheint ein ICH, welches sich solcher vorbewussten (Es-)Abwehrmaßnahmen bedient, hinsichtlich des Realitätsprinzips zu versagen.

Siehe auch

Quellen

<references/>

Persönliche Werkzeuge