Neonazi

Aus HaGalil Lexikon

Wechseln zu: Navigation, Suche

Neonazi (wörtlich Neu-Nationalsozialist) ist die Bezeichnung eines Anhängers nationalsozialistischen Gedankenguts, der aufgrund seines Lebensalters erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende des Dritten Reiches politisch aktiv wurde. Der Begriff steht im Gegensatz zum Alt-Nazi (auch: Alt-PG (Parteigänger)), den Trägern der nationalsozialistischen Ideologie, die diese bereits während der nationalsozialistischen Herrschaft übernommen hatten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Deutschland

Datei:Neonazi 2.4.2005 München.jpg
Neonazis an einer Demonstration am 2. April 2005 in München
Datei:Neonazi 2.4.2005 München 2.jpg
Neonazis an einer Demonstration am 2. April 2005 in München
Datei:Neonazi 8.5.2006 München.jpg
Neonazi-Mahnwache am 8. Mai 2006 in München

Bis in die 1970er-Jahre hinein war die in Parteien wie der SRP oder der NPD organisierte rechtsextreme Szene in der Bundesrepublik Deutschland im Wesentlichen von so genannten Altnazis bestimmt, die schon während des Dritten Reichs Anhänger des Nationalsozialismus gewesen waren. Seit Ende der 1970er-Jahre wird das Bild dieser Szene jedoch überwiegend von Nachgeborenen bestimmt, die keine eigenen Erfahrungen mehr mit der NS-Diktatur und dem Krieg gemacht, sondern sich die Ansichten der Altnazis meist kritiklos angeeignet haben. Sie unterscheiden sich von diesen in der Regel auch durch eine erheblich höhere Gewaltbereitschaft.

Die Neonazis (in ihren Grundüberzeugungen sind sie den Altnazis gleichzusetzen) zeichnen sich im Allgemeinen durch ihre extreme Ablehnung von Minderheiten aus. Juden, vermeintliche Ausländer - insbesondere Asylbewerber und türkischstämmige Einwanderer - dienen neben politisch Andersdenkenden, wie z. B. Kommunisten, Anarchisten und Sozialdemokraten, als bevorzugtes Feindbild. Die Neonazis beabsichtigen dabei die Schaffung einer ethnisch homogenen Nation, in der weder die deutschen Juden, noch von Ausländern abstammende oder eingebürgerte Deutsche Platz hätten. Zu ihrer ausgeprägten Fremdenfeindlichkeit kommen extreme sozialdarwinistische Einstellungen, die sich in ihrem Hass auf gesellschaftliche Randgruppen wie Behinderte, Homosexuelle und sozial Schwache – z. B. Obdachlose – ausdrücken. Ein großer Teil der Neonazis leugnet oder relativiert die Verbrechen des Nationalsozialismus - speziell den Holocaust.

Neben den Neonazis formieren sich auch zusehends sog. „Nationalrevolutionäre“ Kräfte im Umfeld des rechtsextremen Spektrums. Diese fallen durch eine stärkere theoretische Ausrichtung auf und orientieren sich teilweise an den Vorbildern Ernst Niekisch und Karl Otto Paetel und insgesamt an einem „Sozialrevolutionären Nationalismus“. Bekannt wurden diese Gruppierungen und Zirkel durch Zeitschriften wie „Junges Forum“ (etwa Anfang der 1970er Jahre) oder „Wir selbst“. Aus diesen Zirkeln gingen Gruppen wie die „Nationalrevolutionäre Koordination“ hervor. Man ist insgesamt bemüht, sich offiziell vom sog. „Dritten Reich“ abzukapseln und formuliert eigene Theorien. Im Mittelpunkt stehen hierbei der Ethnopluralismus und ein Antikapitalismus mit teilweise stark antimodernen Ideologiemomenten. Laut Verfassungsschutzberichten verzeichnen derartige Projekte zurzeit einen starken Zulauf, stellen aber immer noch eine verschwindende Minderheit innerhalb der rechtsextremen Szene dar. Zu den wichtigsten Publikationen zählt unter anderem der „Fahnenträger“ eine nach ihrem Selbstverständnis sozialrevolutionäre und nationalistische Zeitschrift. Hinzu zählt man auch die Internetseiten „Die Kommenden“ oder „Dritte Front“. Diese seien angeblich Vorreiter einer sich neu abzeichnenden „Nationalrevolutionären Bewegung“.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat 2005 mit 4100 Neonazis 300 mehr als im Vorjahr registriert. Die Anzahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten habe sich zudem von 10.000 auf 10.400 erhöht.

International

In fast allen europäischen Ländern und den USA gibt es Gruppierungen, die dem Neo-Nationalsozialismus zuzuordnen sind. Die fremdenfeindlichen, antisemitischen und sozialdarwinistischen Ansichten dieser Neonazis entsprechen in jeweils abgewandelter Form denen der deutschen Gruppierungen. So sind US-amerikanische Neonazis in der Regel durch Hass auf Schwarze, Asiaten und Juden gekennzeichnet und vertreten die Ansicht, die „weiße Rasse“ der „Arier“ müsse „rein“ erhalten werden.

Viele Neonazis vertreten ihre Ansichten aktiv und gewalttätig. Seit Anfang der 1990er Jahre kam es in Deutschland vermehrt zu Anschlägen auf Asylbewerberwohnheime, auf Politiker, zu Übergriffen auf Ausländer und zu Demonstrationen, bei denen gewaltsame Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei zur Tagesordnung gehörten.

Internet und Codes

Das Internet mit seinen dezentralen Strukturen und teilweise schwieriger Rechtslage wird neben vielen anderen politischen Gruppen auch von Neonazis intensiv genutzt.

Im Internet werden gerne Schlüsselsymbole wie 18 (A.H.) und 88 (H.H.) genutzt, wie auch die rekursive Schreibweise von "Adolf Hitler", floda reltih.

Erkennungsmerkmale und Zeichen

Neonazis ließen sich in der Vergangenheit meist schon an der Kleidung erkennen. So trugen viele Bomberjacken (olivgrün oder schwarz), Stahlkappenschuhe mit weißen Schnürsenkeln. Heute werden diese Elemente immer seltener. Als Kleidermarken sind besonders Lonsdale, Ben Sherman, Fred Perry, Pit Bull, Everlast, Thor Steinar, New Balance und Consdaple beliebt. Lonsdale und Consdaple werden dabei gern als T-Shirt unter einer geöffneten Jacke getragen, damit die Buchstabenfolge „nsda(p)“ zu sehen ist. Nicht jeder, der diese Marken trägt, muss gleich ein Neonazi sein, zumindest Consdaple wird jedoch bewusst für diesen Markt produziert. Generell muss gesagt werden, dass fast alle dieser Erkennungsmerkmale aus der Skinhead-Subkultur kommen und keine politische Bedeutung haben. Weiße Schnürsenkel etwa standen ursprünglich für die Vereinigung von weißen und schwarzen Jugendlichen in England oder einfach nur der Optik wegen und nicht für eine rassistische Botschaft.

Als wichtige Zeichen sind die Zahlen "88", "14", "18" und seit geraumer Zeit auch „28“ zu nennen. Da der achte Buchstabe des Alphabets das „H“ ist, leitet sich die Bedeutung „Heil Hitler“ her. Die Zahl 14 steht für die „14 words“ („We must secure the existence of our people and a future for White children“) und wurde ursprünglich von US-amerikanischen Rassisten benutzt. Die Zahl 18 steht für AH (Adolf Hitler). Die 28 steht für die mittlerweile in Deutschland verbotene Organisation Blood & Honour, deren Kürzel die 28 symbolisiert. Kombinationen aus diesen Zahlen (1488 und 1888) sind ebenfalls sehr beliebt.

Es gibt auch in einigen anderen Jugendkulturen viele Neonazis. So zum Beispiel "National Socialist Black Metal" (NSBM), deren Anhänger äußerlich meist kaum von den Anhängern von Black Metal generell zu unterscheiden sind (schwarze Kleidung, lange Haare, heidnische Symbole) und sich meist sehr stark über das Heidentum definieren. Auch in der Gabberszene gab es in den letzten Jahren immer mehr Neonazis.

Allerdings können diese Erkennungsmerkmale bei weitem nicht auf alle Neonazis bezogen werden. Oftmals kann man die politischen Fädenzieher, wie z. B. Christian Worch oder Siegfried Borchardt, kaum von "normalen" Personen unterscheiden. Ferner gibt es auch Aktivisten wie Axel Reitz oder Philipp Hasselbach, die in SA-ähnlichen Uniformen oder langen, schwarzen "Gestapo-Ledermänteln" auftreten.

Seit etwa dem Jahr 2000 übernehmen Neonazis zunehmend ursprünglich linke oder linksradikale Symbolik und Outfits wie die der Autonomen-Bewegung. Sie kleiden sich teilweise ganz in Schwarz mit Kapuzenpulli, Basecap etc. Immer häufiger tragen deutsche Neonazis eine Kufiya oder Palituch als Bekenntnis gegen Israel und Juden allgemein (siehe z. B. die Kader der Freien Kameradschaften wie Alexander Hohensee oder Thomas Gerlach).

Siehe auch: Rechtsextreme Symbole und Zeichen

Rechtsrock

Hauptartikel: Rechtsrock

Der erste Kontakt zur Szene geschieht meist über die Musik der Neonazis. Diese kann teils sehr balladenhaft sein (Frank Rennicke), meist wirkt sie jedoch aggressiv. Ursprünglich kommt der Rechtsrock (auch RAC genannt) aus England (Skrewdriver, No Remorse, Skullhead), seit den 1980er Jahren steigt die Zahl der Neonazi-Bands auch in Deutschland stetig an. Seit Mitte/Ende der 1990er Jahre erkennt die Szene das Rekrutierungspotential, das in der Musik liegt. Bekannte Bands nennen sich Sturmwehr, Störkraft, Kraftschlag, Landser, Zillertaler Türkenjäger, Endstufe, Stahlgewitter, Oidoxie oder Noie Werte.

Es gibt jährlich Hunderte illegaler Konzerte. Per Handy geben die Veranstalter die Orte der Konzerte erst in letzter Minute an die Besucher weiter. Diese stehen untereinander in Kontakt und werden dann dorthin gelotst. Vorab ist nur der ungefähre Standort bekannt, so dass sich alle in unmittelbarer Nähe befinden.

Andere als Vehikel genutzte Musikrichtungen sind Black Metal (NSBM), Hardcore Techno und Neofolk.

Siehe auch

Literatur

  • Michael Schmidt: Heute gehört uns die Straße. Der Inside Report aus der Neonazi-Szene. Econ Verlag. Düsseldorf/Wien/New York, 1993. ISBN 3612261657
  • Karin Priester: Rassismus. Eine Sozialgeschichte. Reclam. Leipzig, 2003. ISBN 3-379-20076-X
  • Jana Frey : Radikal . Eine sehr interessante Jugend-Lektüre Hase und Igel

Weblinks

bg:Неонацизъм bs:Neonacizam ca:Neonazisme cs:Neonacismus da:Nynazisme en:Neo-Nazism es:Neonazi fa:نئونازیسم fi:Uusnatsismi fr:Néonazisme he:נאו-נאציזם hu:Neonáci id:Neo-Nazisme it:Neonazismo ja:ネオナチ ko:한국어 nl:Neonazisme no:Nynazisme pl:Neonazizm pt:Neonazismo ru:Неонацизм sv:Nynazism zh:新納粹

Persönliche Werkzeuge