Jüdischer Friedhof

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Datei:Israel 4 013 Cemetary in Jerusalem, Stone.jpg
Jüdische Grabsteine in Jerusalem

Ein jüdischer Friedhof (hebr. בית עלמין "Beth Olamin", "Haus der Ewigkeit", auch "Guter Ort") dient wie jeder andere Friedhof zur Bestattung von Toten und kennt doch einige Besonderheiten, die sich auf christlichen Friedhöfen nicht finden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die frühen jüdischen Friedhöfe lagen - wie andere Friedhöfe nach dem Mittelalter auch - außerhalb der Stadt. Diese Lage lässt sich mit der Weisung erklären, dass sich die Lebenden nicht mit den Toten innerhalb der Stadtmauern aufhalten dürfen. Oft befand er sich allerdings an Orten, die von den übrigen Menschen gemieden wurden (der jüdische Friedhof in Göttingen befindet sich zum Beispiel in der Nähe der Gerichtslinde, an der auch Hinrichtungen stattfanden).

Am Anfang wurden die Toten noch in Richtung Jerusalem begraben, dies änderte sich jedoch später. Auch wurden die Grabsteine in der Zeit der Haskala nicht nur in hebräischer Sprache, sondern auch in der jeweiligen Landessprache beschriftet. In dieser Zeit wurden auch in Angleichung an die christliche Tradition pompösere Grabsteine und sogar Mausoleen für Familien errichtet.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden zahlreiche jüdische Friedhöfe verwüstet.

Der größte jüdische Friedhof Europas, auf dem zahlreiche bekannte Persönlichkeiten beerdigt sind, ist der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee.

Besonderheiten

Eine der fundamentalsten israelitischen Glaubensgrundsätze, die Unantastbarkeit der Totenruhe, führte dazu, daß Gräber und Grabmale über Jahrhunderte erhalten bleiben, dass die jüdischen Friedhöfe über Generationen hinweg „wachsen“, während auf anderen Friedhöfen immer wieder - nach Ablauf von Ruhefristen - einzelne Gräber oder ganze Grabfelder geräumt werden ...

(aus dem Vorwort des Buches „Der jüdische Friedhof“ herausgegeben von Alfred Udo Theobald, Karlsruhe 1984)

Wie der Ausdruck „Haus der Ewigkeit“ schon andeutet, ist ein jüdisches Grab für die Ewigkeit gedacht. Er wird nicht eingeebnet und der Stein bleibt bestehen. Bei Platzmangel legt man eine Schicht Erde über ein Grab und bestattet einen Toten über dem anderen. Sehr eindrücklich ist dies beim alten jüdischen Friedhof in Prag zu sehen. Dies hängt mit dem jüdischen Glauben an die Auferstehung der Toten zusammen.

Da die Toten nicht mit gärenden, säuernden oder sonstigen Nebenprodukten der Zersetzung verunreinigt werden sollen, verzichtet man auf Blumenschmuck, statt dessen werden kleine Steine auf die Grabplatten gelegt. Die Gräber lässt man mit Efeu und Gras überwachsen. Nach dem Besuch des Friedhofes wäscht man sich die Hände, weil die Nähe der Toten kultisch unrein macht. In Deutschland sind die jüdischen Friedhöfe in der Regel am Schabbat geschlossen. Die Halacha gestattet es nicht am Schabbat Tote zu begraben oder dort Tätigkeiten zu verrichten.

Auch für nichtjüdische Männer ist es Pflicht auf einem jüdischen Friedhof ebenso wie in einer Synagoge eine Kopfbedeckung zu tragen (Kippa oder Hut).

Grabsteine und Monumente

Weil im Tode alle Menschen gleich sind, finden sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts gleichförmige Grabsteine. Erst mit der Haskala, den zunehmenden Rechten jüdischer Bürgerinnen und Bürger und der Assimilation beginnen die Juden, ebenso prunkvolle Grabstätten zu errichten, wie es auch von christlichen Friedhöfen dieser Zeit bekannt ist. Diese Tendenz hat nach 1945 allerdings wieder abgenommen. Zwei eingravierte Hände auf dem Grabstein zeigen, dass hier ein Kohen, ein Nachfahre der Tempelpriester begraben ist. Eine Kanne zeigt das Grab des Nachfahren eines Leviten, eines Tempeldieners, an.

Literatur

  • Thomas Blisniewski: Wandlungen der jüdischen Sepulkralkultur im 19. Jahrhundert. In: Denk, Claudia u. John Ziesemer (Hg.): Der bürgerliche Tod. Städtische Bestattungskultur von der Aufklärung bis zum frühen 20. Jahrhundert. Internationale Fachtagung des Deutschen Nationalkommitees von ICOMOS in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Nationalmuseum München, 11.-13. November 2005. Regensburg 2007, S. 14-23 (= ICOMOS - Hefte des Deutschen Nationalkommitees 44)
  • Michael Brocke/Christiane E. Müller: Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Deutschland. Leipzig (Reclam) 2001. ISBN 3-379-00777-3
  • Brigitte Heidenhain: Juden in Wriezen. Ihr Leben in der Stadt von 1677 bis 1940 und ihr Friedhof. Universitätsverlag, Potsdam 2007, ISBN 978-3-939463-39-1
  • Herbert Liedel/Helmut Dolhopf: Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe. Würzburg (Stürtz) 1985. ISBN 3-8003-0251-9
  • Alfred Udo Theobald (Hg.): Der jüdische Friedhof. Zeuge der Geschichte - Zeugnis der Kultur. Karlsruhe (Badenia) 1984. ISBN 3-7617-0228-0

Weblinks

ms:Perkuburan Yahudi pl:Kirkut

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