Deutsche Akademie für Psychoanalyse

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Die Deutsche Akademie für Psychoanalyse e. V. (DAP) wurde am 14. Dezember 1969 in Berlin gegründet und widmet sich der Ausbildung, Forschung und Therapie nach der von Günter Ammon (1918 - 1995) entwickelten sogenannten Dynamischen Psychiatrie bzw. Humanstrukturellen Psychoanalyse. Die Ausbildung berechtigt nach dem Psychotherapeutengesetz eine Approbation als Psychologischer Psychotherapeut zu beantragen. Die beiden Lehr- und Forschungsinstitute (LFI) der DAP befinden sich in Berlin und München. Die institutionell größte Ausdehnung erreichte die DAP zu Beginn der 1980er Jahre. Vorsitzende der DAP (Stand 2007) ist Maria Ammon.

Die Geschichte der DAP ist von Konflikten begleitet. Vor allem Ende der 1970er Jahre bis Mitte der 1980er Jahre fanden zahlreiche Auseinandersetzungen mit Günter Ammon und der DAP in den Medien und vor Gericht statt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Entwicklung der Deutschen Akademie für Psychoanalyse ist eng mit dem deutschen Psychiater und Psychoanalytiker Günter Ammon verbunden. Günter Ammon absolvierte seine Ausbildung als Psychoanalytiker von 1952 bis 1956 bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und arbeitete anschließend von 1956 bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1965 bei der Menninger-Foundation in den USA. Nach seiner Rückkehr war Günter Ammon u. a. Mitarbeiter der psychotherapeutischen Beratungsstelle für Studenten an der Freien Universität Berlin und hatte eine Privatpraxis für Psychoanalyse und Psychotherapie. 1968 gründete Günter Ammon das Lehr- und Forschungsinstitut für Dynamische Psychiatrie und Gruppendynamik in Berlin und im Mai 1969 die Deutsche Gruppenpsychotherapeutische Gesellschaft (DGG). Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV), bei der Günter Ammon Mitglied war, sah in der Gründung einer gruppenpsychotherapeutischen Gesellschaft eine Zuwiderhandlung gegen ihre Zwecke und Interessen und forderte eine Prüfung im Rahmen einer mündlichen Anhörung. Sie bildete dazu einen Ausschuss unter Leitung des Vorsitzenden der DPV. Zu einer mündlichen Anhörung kam es nicht mehr, denn Günter Ammon trat aus der DPV aus.<ref>Der Briefwechsel zwischen Ammon und dem Vorsitzenden der DPV ist abgedruckt in: Dynamische Psychiatrie. 3. Jhg. 1. Heft 1970, S. 52-57. Vorlage:ISSN.</ref> Die Deutsche Akademie für Psychoanalyse war ein Monat vorher gegründet worden mit dem Ziel, „psychoanalytische Arbeit in Vereinigungen zu organisieren, welche in der Lage sind, sich selbst zu analysieren und die nicht, wie die DPV, im Gewande der Vereinsbürokratie die viktorianische Entstehungssituation der Psychoanalyse perpetuieren und damit die Fortentwicklung unserer Wissenschaft verhindern.“<ref>Gründungsaufruf zur Gründung der Deutschen Akademie für Psychoanalyse (DAP). In: Dynamische Psychiatrie. 3. Jhg. 1. Heft 1970, S. 52.</ref>

Die DAP zog besonders im ersten Jahrzehnt viele Studenten an.

Differenzen gab es im Jahr 1975 auch mit einem anderen Fachverband. Die DAP war der Ansicht, sie sei einer „Diffamierungskampagne“ der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPPT) e. V. (heute DGPT) ausgesetzt. Die vom Justitiar der DGPPT unterzeichnete Stellungnahme zu den Leistungen Günter Ammons und der DAP, so die Exekutivsekretärin und die Geschäftsführung der DAP, „wimmelt von Unwahrheiten, fahrlässigen Unterstellungen und erinnert in seiner verketzernden Art an im Mittelalter ausgetragene Streitigkeiten wissenschaftlicher Richtungen.“ In der Stellungnahme der DAP heißt es weiter, es sei ein Leichtes, die Originalität der von Günter Ammon durchgeführten Weiterentwicklung der Psychoanalyse nachzuweisen und wenn man Ammons Schriften als populärwissenschaftlich abqualifiziere, so müsse man mit den gesamten Schriften Freuds ebenso verfahren. Den DAP-Instituten zum Vorwurf zu machen, ihr Ausbildungspersonal sei verhältnismäßig jung, sei eine der unlauteren Methoden von Machtpolitik der DGPPT.<ref>Stellungnahme zu den Aktivitäten der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPPT) e. V., Sitz Berlin. In: Dynamische Psychiatrie, 8. Jg., 1975. S. 433-436</ref> Die Ausbildung bei der DAP wird bis heute nicht von der DGPT anerkannt. Zur Problematik der Anerkennung schreibt der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer, der sich zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter früh von Günter Ammon trennte in Bezug auf die Trennung, „Es war sicherlich entlastend, den Größenanspruch preiszugeben, man könne eine funkelnagelneue psychoanalytische Identität schaffen und ein Ausbildungskonzept anbieten, das die Nachteile der Tradition überwindet, ohne sich neue Schattenseiten einzuhandeln. Andererseits war die Überanpassung an äußere Normen, um der DGPT, der Ärztekammer, der Bundeskassenärztlichen Vereinigung zu gefallen (...) auch keine Lösung.“<ref>Wolfgang Schmidbauer: Wie Gruppen uns verändern. Selbsterfahrung, Therapie und Supervision. Kösel, München 1992, ISBN 3-466-30334-6. S. 371.</ref> (Das von Schmidbauer mitgegründete Ausbildungsinstitut hat die Anerkennung durch die DGPT 1991 erhalten.)

Nach einer Expansionsphase Mitte der 1970er Jahre mit bis zu sieben Lehr- und Forschungsinstituten gibt es 1985 nur noch die beiden ältesten in Berlin und München. Einige Gerichtsprozesse haben zu dieser Zeit schon stattgefunden. Günter Ammon äußert 1985 in einem Interview die Meinung, die DAP sei ähnlich wie die BRD in die Wirtschaftskrise hineingerissen worden und hätte deshalb ähnlich wie andere mittelständische Betriebe einen Mitgliederschwund und bekäme keine wesentlichen Spenden mehr. Ähnlich wie in der SPD gäbe es auch in der DAP Spannungen, Untergruppierungen und Richtungskämpfe. Daher mussten die Organisationsstrukturen gestrafft und Menschen, die mit schwierigen Aufgaben nicht fertig wurden oder unfähig waren, mit Macht und Einfluss umzugehen, entlastet, abgewählt oder ausgeschlossen werden.<ref>Interview der Redaktion mit Günter Ammon am 24.9.1985. In: Dynamische Psychiatrie. 18. Jg., 1985, S. 440-445.</ref> In einem anderen Interview ein Jahr später begründet Günter Ammon die Trennung einiger Therapeuten von der DAP mit ihrer mangelnden Bereitschaft, auf den Klausurtagungen in Paestum bei dem neu eingeführten humanstrukturellen Tanz zu tanzen. Auf die Bitte des Interviewers um Stellungnahme, warum die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ihn als Psycho-Guru und autoritäre Führungsfigur bezeichne, antwortet Günter Ammon, dass er es manchmal mit Patienten und Ausbildungskandidaten zu tun habe, die ihr paranoides Denksystem auf ihn projizieren. Mit ihm habe das absolut nichts zu tun.<ref>Die ganze Vorstellung der forschenden Psychiatrie wird in Frage gestellt. Interview des Magazin 2000 mit Günter Ammon, Nr. 63, Juni 1986. Abdruck in: Dynamische Psychiatrie. 19. Jg., 1986, S. 216-223.</ref>

Der erste Vorsitz der DAP ist durch personelle Kontinuität gekennzeichnet. Günter Ammon war Präsident der DAP seit der Gründung 1969 bis Januar 1985 und von September 1985 bis 1994. Günter Ammon erklärt seinen Rücktritt im Jahr 1985 damit, dass er ganz dem Geist dienen wollte. Die jüngeren Menschen der Bewegung und seine Schüler seien aber nicht in der Lage gewesen, die Organisation zu übernehmen, sie hätten dies aufgrund ihrer Ausbildung in Europa nicht gekonnt.<ref>Interview der Redaktion mit Günter Ammon am 24.9.1985. In: Dynamische Psychiatrie. 18. Jg., 1985, S. 440-445. Vorlage:ISSN.</ref> Seit 1994 ist die Psychologin Maria Ammon, die zweite Ehefrau Günter Ammons, die Präsidentin der DAP. Günter Ammon prägte die DAP fachlich und organisationell maßgeblich. Sein theoretisches und therapeutisches Wirken sind bis heute für die DAP bedeutsam. Die Leitung der Dynamisch-Psychiatrischen Klinik Menterschwaige würdigt ihn mit folgenden Worten: „Wenn man Ammon begegnete, traf man einen konzeptionell planenden, tatkräftig vorwärts schreitenden Menschen, der mit großer Ernsthaftigkeit, aber auch Verspieltheit und Humor arbeitete. Ammon hat seine ganze Arbeit immer am Menschen selbst orientiert, der ihm den Stellenwert und die Praxisrelevanz seiner wissenschaftlichen Konzeption korrigiert und erweitert hat.“<ref>Website der Klinik Menterschwaige: Über Günter Ammon</ref>

Die DAP erhielt am 7. Februar 1978 die Anerkennung als gemeinnütziger Verein. Der Vereinssitz wurde am 5. Juli 1980 von Berlin nach München verlegt.

Theorie

Im Zentrum der theoretischen und praktischen Ausrichtung der DAP steht die von Ammon entwickelte sogenannte Dynamische Psychiatrie bzw. Humanstrukturelle Psychoanalyse, in der die Bedeutung von sozialen Gruppenerfahrungen und konstruktiver Aggression besonders betont werden. Die Dynamische Psychiatrie nach Ammon versteht sich als eigenständige Weiterentwicklung der Interpersonellen Psychiatrie. Zwei Bände des Handbuchs für Dynamische Psychiatrie dokumentieren diese Entwicklungen. Im Vorwort des ersten Bands (Erscheinungsjahr 1979) schreibt Günter Ammon, es handle sich um den ersten Schritt der Systematisierung der Lehre. Der zweite Band (Erscheinungsjahr 1982) wird mit folgenden Worten eingeleitet: „Nach nunmehr dreijähriger Pause erscheint der bereits von vielen Menschen in Ost und West erwartete 2. Band unseres Handbuches. In diesem Buch vollzieht sich die inzwischen erfolgte Weiterentwicklung unserer Bewegung in Europa und der Welt.“ Der für Herbst 1984 angekündigte dritte Band des Handbuchs der Dynamischen Psychiatrie ist nicht erschienen, das geplante Inhaltsverzeichnis lässt sich im zweiten Band nachlesen.

Dynamische Psychiatrie nach Ammon bzw. die Humanstrukturelle Psychoanalyse unterscheidet sich in einigen Ansätzen von anderen psychoanalytischen Theorien. Mit der von Annemarie Dührssen entwickelten Dynamischen Psychotherapie ist die Dynamische Psychiatrie nicht verwandt. Die von Günter Ammon begründete Schule wird in der modernen Psychoanalyse nicht rezipiert.<ref>Ilse Burbiel: Punkt 9 der Gegendarstellung der DAP zu den Artikeln in Heft Nr. 6, 1989. In: Psychologie Heute. Heft Nr. 10. 1989, S. 81. (Die Gegendarstellung bezieht sich auf die Artikel zur DAP in Psychologie Heute in Heft. Nr. 9, 1989.)</ref><ref>Wolfgang Mertens: Einführung in die psychoanalytische Therapie. 3. überarbeitete Aufl., Kohlhammer, Stuttgart 2000. ISBN 3-17-015689-6.</ref><ref>Wolfram Ehlers, Alex Holder: Psychologische Grundlagen, Entwicklung und Neurobiologie. Klett-Cotta, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-608-94163-0.</ref> Die Berliner Ärztekammer lehnte mehrere Anträge auf Zulassung zur vertieften Ausbildung nach dem Psychotherapeutengesetz ab.<ref>Kulturkritisches Lexikon: Dynamische Psychiatrie</ref>

Die Agressionslehre wird in der Dynamischen Psychiatrie mit dem Begriff der konstruktiven Agression neugefasst. Das Triebmodell der klassischen Psychoanalyse wird in der Dynamischen Psychiatrie durch das Modell der Sozialenergie ersetzt. Sozialenergie nach Ammon ist die für die Entwicklung des Einzelnen notwendige psychische Energie aus der Gruppe. Pathogene Beziehungserfahrungen des Kindes mit der Mutter in den ersten Lebensjahren werden als Symbiosekomplex bezeichnet. Das topographische Modell von Es, Ich und Über-Ich wird durch das Ich-Struktur-Modell mit den primären biologischen, den zentralen unbewusst wirksamen und den sekundären, vorwiegend das Verhalten des Menschen und seine Tätigkeit ausdrückenden Ich-Funktionen ersetzt. Mitte der 1980er Jahre wurde das therapeutische Behandlungsangebot um den Humanstrukturellen Tanz erweitert. Für die therapeutische Behandlung werden besonders Gruppenpsychotherapie und Milieutherapie als wichtig angesehen. „Ein Mensch kann in Gruppen gesund, aber auch krank werden.“ lautet daher ein Grundgedanke der Dynamischen Psychiatrie.

Einrichtungen

Der DAP zugehörig sind die im Mai 1969 gegründete Deutsche Gruppenpsychotherapeutische Gesellschaft (DGG) e. V. (München), die im Juni 1973 gegründete Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin (DGPM) e. V. (München), der 1973 gegründete Psychoanalytische Kindergarten Purzelbaum (München), die 1979 eröffnete Dynamisch-Psychiatrische Klinik Menterschwaige (München) und der Trägerverein für Freie und Therapeutische Wohngemeinschaften der Dynamischen Psychiatrie e. V. mit zwei psychotherapeutischen und einer supervidierten Wohngemeinschaft. das Tagungszentrum Paestum (Süditalien) sowie der Pinel-Verlag für humanistische Psychiatrie und Philosophie GmbH.

Die seit 1968 herausgegebene Zeitschrift Dynamische Psychiatrie. Internationale Zeitschrift für Psychotherapie, Psychoanalyse und Psychiatrie/Dynamic Psychiatry. International Journal for Psychotherapy, Psychoanalysis, and Psychiatry fungiert als offizielles Publikationsorgan der DAP. Herausgeberin: Maria Ammon, Auflage: 450.<ref>PSYNDEX, Abruf Oktober 2007</ref>

Ehemalige Einrichtungen

Bis auf die ersten beiden Lehr- und Forschungsinstitute in Berlin und München existierte keines der folgenden länger als bis 1985: Frankfurt am Main (am 1. Dezember 1974 gegründet), Düsseldorf (am 18. Januar 1975 gegründet), Hamburg (am 1. Oktober 1978 gegründet), Köln (am 15. Februar 1980 gegründet) und Freiburg (am 15. März 1980 gegründet).<ref>Die Bekanntmachungen zu den Gründungen sind in folgenden Ausgaben der Zeitschrift Dynamische Psychiatrie erschienen: LFI Frankfurt (7. Jg., 1974, S. 325), LFI Hamburg (11. Jg., 1978, S. 656-658), LFI Köln und LFI Freiburg (12. Jg., 1979, S. 531).</ref>

1978 wurde das 10-jährige Jubiläum des Psychoanalytischen Kindergartens in Berlin mit einer gruppendynamischen Wochenendtagung gefeiert. Neben dem ersten Kindergarten in Berlin gab es 1978 weitere Kindergärten in München, Düsseldorf, Hamburg, Erlangen und Stuttgart. Die Psychoanalytikerin Gisela Ammon, die erste Ehefrau Günter Ammons, war maßgeblich an der Konzeption und Ausbau der psychoanalytischen Kindergärten beteiligt. Ein Anliegen des Psychoanalytischen Kindergartens der DAP ist die frühe Evaluierung von Gruppendynamik, Psychodynamik und Entwicklung von Ich-Strukturen und Ich-Funktionen innerhalb der Familie des Kindes. Elternabende mit ausgebildeten Psychoanalytikern der DAP sollen unterstützend wirken.<ref>10 Jahre Psychoanalytischer Kindergarten Berlin. In: Dynamische Psychiatrie. 11. Jg., 1978, S. 652-655. Vorlage:ISSN.</ref> Heute (Stand 2007) gibt es nur noch in München den o.g. Psychoanalytischen Kindergarten Purzelbaum.

In den DAP-Hochschulgruppen sollten u. a. die Inhalte der von Günter Ammon begründeten und weiterentwickelten Dynamischen Psychiatrie in Seminaren an den Hochschulen erarbeitet werden. Die Ansprechpartner der DAP-Hochschulgruppen im Jahr 1979 studierten an folgenden Universitäten: Berlin (TU Berlin), Erlangen (Universität Erlangen), Freiburg (Albert-Ludwig-Universität), Hamburg (Universität Hamburg), Heidelberg (Universität Heidelberg), Köln (Albertus-Magnus-Universität), Mainz (Johann-Gutenberg-Universität), München (Ludwig-Maximilians-Universität) Regensburg (Universität Regensburg) und Stuttgart.<ref>Bulletin der DAP-Hochschulgruppen. Beilage in: Dynamische Psychiatrie. 12. Jg., 1979. Vorlage:ISSN.</ref>

Eine Tagesklinik für intensive Gruppenpsychotherapie gab es in Stelzerreut bei Kumreut (Passau) zwischen Ende der 1960er Jahre bis längstens Mitte der 1980er Jahre.

Zwischen 1975 und 1979 gab es eine Dynamisch-Psychiatrische Klinik in Obermenzing, in München, die einige Monate parallel zur 1979 eröffneten Dynamisch-Psychiatrischen Klinik Menterschwaige mit größerer Bettenanzahl in München existierte.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

1980 wird die World Association for Dynamic Psychiatry (WADP) gegründet und Günter Ammon zum ersten Präsident gewählt. Die DAP veranstaltet mit der World Association for Dynamic Psychiatry (WADP) seit 1982 die internationalen Kongresse in verschiedenen Städten Europas gemeinsam. Der 15. Kongress fand im Mai 2007 am Psychoneurologischen Institut W.  M. Bechterew in St. Petersburg mit dem Thema What is new in Psychiatry and Psychotherapy? Creative Dimensions in Modern Treatment statt. Heute (Stand 2007) ist Maria Ammon Generalsekretärin.

Mit Wissenschaftlern aus der Sowjetunion pflegt die DAP pflegt mindestens seit Beginn der 1980er Jahre Kontakte.

1983 sprechen sich der Präsident der World Association for Dynamic Psychiatry (WADP), Günter Ammon, und die Pressereferentin der WADP, Ilse Burbiel, in einer Stellungnahme gegen die politisierte Pressekampagne anlässlich des Weltkongresses der World Psychiatric Association (WPA) in Wien aus. Die Pressekampagne habe das Ziel, die sowjetischen Psychiater wegen ihrer Behandlung von politischen Dissidenten mit psychiatrischen Methoden öffentlich durch Kongressteilnehmer verurteilen lassen. Die Sowjetunion und andere sozialistische Staaten seien daher aus der WPA ausgetreten. Die WADP sieht die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Psychiatern aus verschiedenen politischen Systemen als unentbehrlich für die Weiterentwicklung ihrer Organisation an. Sie setze sich daher für fruchtbare Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Psychiatern verschiedener Länder ein und wolle statt Misstrauen und Argwohn guten Kontakt und Freundschaft schaffen. Die psychiatrischen Verbände sollen mit politischen Aktivitäten aufhören und die guten Beziehungen wieder herstellen.<ref>Statement des Executive Council der World Association for Dynamic Psychiatry WADP über die Tätigkeit der World Association for Psychiatry WAP. In: Dynamische Psychiatrie. 16. Jg., 1983, S. 447 f. (Anmerkung: Gemeint ist eigentlich die World Psychiatric Association (WPA).)</ref> Neben Stimmen, die eine ähnliche Position vertreten, äußerten andere wie der Vorsitzende des Internationalen Komitees zum Missbrauch der Psychiatrie und Psychiater der American Psychiatric Association, Harold M. Visotsky, eine gegenteilige Meinung, „We can't have a scientific body without ethics.“<ref>Bryce Nelson: Czechs quit World Psychiatric Association. In: New York Times, 11. Juni 1983</ref>

Die schon lange bestehenden wissenschaftlichen Kontakte mit dem Bechterew-Institut (russisch: Психоневрологический институт им. В. М. Бехтерева) in Leningrad wurden 1990 vertraglich mit der wissenschaftlichen und klinischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Psychosentherapie gefestigt.<ref>Forschungsvertrag zwischen dem Bechterew-Institut Leningrad, der Deutschen Akademie für Psychoanalyse (DAP) und dem internationalen Ausbildungszentrum der World Association for Dynamic Psychiatrie, der Dynamisch-Psychiatrischen Klinik Menterschwaige München. In: Dynamische Psychiatrie. 23. Jg., 1990, S. 400 f.</ref> Mit dem Staatlichen wissenschaftlichen Zentrum für Soziale und Forensische Psychiatrie W.P. Serbski (russisch: Центр социальной и судебной психиатрии им. В.П.Сербского) in Moskau schloss die DAP 1996 ein Kooperationsabkommen. Vereinbart wird die Weiterentwicklung der russischen Version des Ich-Struktur-Tests nach Ammon (zusammen mit dem Bechterew-Institut), der Austausch von Wissenschaftlern und die Unterstützung bei der Einrichtung Dynamisch-Psychiatrisch strukturierte Einrichtungen in psychiatrischen Kliniken Russlands.<ref>Vertragsabschlüsse mit dem Moskauer Serbsky-Institut und der russischen psychotherapeutischen Gesellschaft, DAP und DGG affiliiert. In: Dynamische Psychiatrie. 29. Jg., 3.-4. Heft, 1996, S. 302.</ref>

Verschiedene Mitglieder der DAP haben sich am Psychoneurologischen Institut W.M. Bechterew habilitiert. Günter Ammon im Jahr 1995. Maria Ammon und Ilse Burbiel, die leitende Psychologin der Dynamisch-Psychiatrischen Klinik Menterschwaige, beide im Jahr 2003. Die Habilitationsschriften in russischer Sprache sind Beiträge zu verschiedenen Aspekten der Dynamischen Psychiatrie.

Kritik

Erste kritsche Beiträge zur DAP erscheinen Mitte der 1970er Jahre in den Medien.<ref> Billige Helfer. In: Der Spiegel. 25. November 1974, Nr. 48, S. 155-157.</ref><ref>Jürgen-Peter Stössel: Ein Führer und seine abtrünnigen Schüler. Günter Ammons Deutsche Akademie für Psychoanalyse. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 68, 20. März 1980, S. 14.</ref><ref>Ärzte: Welt der Feinde. In: Der Spiegel. Nr. 17, 21. April 1980, S. 86-90. Die Geschäfte des Herrn A. In: Der Spiegel. Nr. 17, 21. April 1980, S. 90-97.</ref><ref>Tut-Ench-Ammon. In: Psychologie Heute. Heft Nr. 6, 1989, S. 44-51.</ref> Psychologie Heute veröffentlicht eine Gegendarstellung der DAP.<ref>Ilse Burbiel: Gegendarstellung der DAP zu den Artikeln in Heft Nr. 6, 1989. In: Psychologie Heute. Heft Nr. 10. 1989, S. 81.</ref> Es folgen Prozesse wie gegen den Spiegel-Artikel, in dem sich zwei ehemalige Mitarbeiter kritisch äußern. Nach Prozessende steht fest, dass z. B. die Feststellung erlaubt ist, dass zur damaligen Zeit ein Dutzend Prozesse oder Anzeigen gegen Günter Ammon, gegen andere DAP-Mitglieder sowie gegen die DAP selbst liefen (wegen Beleidigung und Verleumdung, Nötigung und brechen der ärztlichen Schweigepflicht) oder dass eine beliebte „Ammon-Technik“ die Konfrontation sei, die sich in aggressiver Beschimpfung äußert.<ref>Urteil im Ammon-Prozeß: Was „Der Spiegel“ und andere noch behaupten dürfen. In: DGSP-Rundbrief. Nr. 19, September 1982, S. 23. (Kostenteilung Ammon contra Spiegel: 5/6 muss Ammon bezahlen, Kostenteilung DAP contra Spiegel: 13/20 muss die DAP bezahlen. Az. 740 282/80)</ref> Ehemalige Mitarbeiter<ref>Marga Löwer und Friedrich Diergarten (Zwei Briefe an Dr. Günter Ammon, S. 53-58), Mathias Hirsch (Vom Problem der Selbsterfahrung in der psychoanalytischen Ausbildung — 10 Jahre Teil einer psychoanalytischen „Bewegung“, S. 172-181) und Gislinde Bass (Therapiebeginn: Mai 1968, S. 182-192) in: Kurt Kreiler, Claudia Reinhart, Peter Sloterdijk (Hrsg.): In irrer Gesellschaft. Verständigungstexte über Psychotherapie und Psychiatrie. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt a.M. 1980, ISBN 3-518-10435-7.</ref> und eine langjährige Patientin<ref>Gilda Boysen: Haut über Kopf. Erfahrungen mit einer Psychoanalyse. Goldmann, München 1992, ISBN 3-442-12386-0. (Erstausgabe 1988, Maroverlag. Autorenname ist ein Pseudonym, Institutsbezeichnung ist fiktiv.)</ref><ref>Schäden billigend in Kauf genommen. In: Psychologie Heute. Heft Nr. 6, 1989, S. 48-51. (Gilda Boysen gibt sich hier als langjährige DAP-Patientin zu erkennen.)</ref> berichten über ihre Erfahrungen in kritischen Buchbeiträgen. Der Münchner Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer („Helfersyndrom“) lernte Günter Ammon und die DAP Anfang der 1970er Jahre kennen. Beide teilten das Interesse für Gruppenpsychotherapie und dem Wunsch nach Reformierung der psychoanalytischen Ausbildung. Schmidbauer trennte sich wegen den als Beschimpfung empfundenen Konfrontationen Ammons und der Psychologisierung von Verhalten in Alltagssituationen nach einem knappen dreiviertel Jahr vom neu gegründeten Lehr- und Forschungsinstitut in München.<ref>Wolfgang Schmidbauer: Wie Gruppen uns verändern. Selbsterfahrung, Therapie und Supervision. Kösel, München 1992, ISBN 3-466-30334-6. S. 360-379.</ref> Auch nach dem Tod Günter Ammons 1995 und der staatlichen Anerkennung als Ausbildungsinstitut 1999 werden vereinzelt kritische Stimmen zur DAP geäußert. Der Bayerische Rundfunk bringt eine Sendung mit Beiträgen eines ehemaligen DAP-Mitglieds und zweier ehemaliger Patientinnen, die von einem außenstehenden Facharzt kommentiert werden.<ref>Sybille Giel (Redaktion): Nicht nur zum Wohl des Patienten? - eine kritische Auseinandersetzung mit der Deutschen Akademie für Psychoanalyse, Bayern 2, Sendung Notizbuch, 17. April 2001 (RTF; 119,6 KB)</ref> Ein Schwerpunkt der Sendung liegt auf den abhängig machenden Merkmalen der Therapien bei DAP-Therapeuten, wie es die Sendungsteilnehmer erlebt haben. Der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche Württemberg Hansjörg Hemminger meint zur DAP „nach neuen Insider-Berichten hat sich in der DAP intern nicht allzuviel geändert, sie versteht sich noch immer als Arbeits- und Lebensgemeinschaft für Therapeuten und Patienten. Die immerwährende Therapie bleibt deshalb die Lebensform ihrer Anhängerschaft. Damit wird auch der ständige Verstoß gegen die therapeutischen Regeln der Kunst (Abstinenz, Rollenklarheit, Vertraulichkeit usw.) fortgeschrieben.“<ref>Hansjörg Hemminger: Günter Ammon: Die Gruppe und der Narzist</ref> Eine Unterlassungsklage der DAP gegen den letzten Absatz des Textes, aus dem diese Aussage stammt, wird erstinstanzlich vollständig zurückgewiesen.<ref>LG Berlin, Urteil vom 3. April 2007, Az. 27 O 1092/06</ref> Die DAP wird heute (Stand 2007) von einigen Institutionen als Psychokult bzw. Psychosekte eingeschätzt.<ref>Erzbischöfliches Ordinariat München, Fachbereich Sekten- und Weltanschauungsfragen</ref><ref>Diözese Linz, Referat für Weltanschauungsfragen</ref><ref>Hansjörg Hemminger, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Landeskirche Württemberg und von 1996-1998 sachverständiges Mitglied der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestags „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ in: Sybille Giel (Redaktion): Nicht nur zum Wohl des Patienten? - eine kritische Auseinandersetzung mit der Deutschen Akademie für Psychoanalyse, Bayern 2, Sendung Notizbuch, 17. April 2001 (RTF; 119,6 KB)</ref>

Literatur

  • Günter Ammon (Hrsg.): Handbuch der Dynamischen Psychiatrie I. Ernst-Reinhardt, München 1979, ISBN 3-497-00864-8.
  • Günter Ammon (Hrsg.): Handbuch der Dynamischen Psychiatrie II. Ernst-Reinhardt, München 1982, ISBN 3-497-01004-9.
  • Hansjörg Hemminger: Das therapeutische Reich des Dr. Ammon: Eine Untersuchung zur Psychologie totalitärer Kulte. Quell-Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-7918-2341-8.

Einzelnachweise

<references/>

Weblinks

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