Autoritärer Charakter

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Das Konzept des autoritären Charakters geht wesentlich auf Erich Fromm zurück, das dieser im Institut für Sozialforschung von Max Horkheimer in den 30er-Jahren entwickelte. Nachdem Erich Fromm 1939 aus dem Institut ausschied und Theodor W. Adorno Vollmitglied wurde, änderte sich das theoretische Programm der Kritischen Theorie. Die Studien zur autoritären Persönlichkeit, an denen Adorno mitarbeitete, sind ein theoretischer Neuansatz, der mit dem analytisch-sozialpsychologischen Ansatz von Erich Fromm, auch in forschungsmethodologischer Hinsicht, nur wenig gemeinsam hat. Dennoch werden oft „autoritärer Charakter“ und „autoritäre Persönlichkeit“ synonym gebraucht.

Erich Fromm beschrieb den autoritären Charakter als sadomasochistischen Charakter, der in der aktiven Variante überwiegend mit sadistischen Tendenzen (Freude an Beherrschung eines Schwächeren, Befriedigung durch Machtausübung) und in der passiven Variante überwiegend mit masochistischen Tendenzen (Freude an Unterwerfung unter einen Stärkeren, Befriedigung durch Gehorsam) in Erscheinung trete. (Das hierbei zum Ausdruck kommende Verständnis von Sadismus/Masochismus ist nicht auf sexuelle Praktiken bezogen.) In gesellschaftliche Hierarchien füge sich der autoritäre Charakter fraglos ein, weil er sich in der Identifikation mit Machtträgern nicht länger mit seiner Nichtigkeit und Ohnmacht konfrontiert sähe, sondern diese Gefühle kompensieren könne. Die autoritäre Gesellschaftsstruktur produziere Bedürfnisse nach Gehorsam, Unterwerfung und Machtausübung etc. und bände das Individuum an Autoritäten und hierarchische Strukturen, die diese Bedürfnisse befriedigten.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei der autoritäre Charakter als Sozialcharakter weit verbreitet gewesen; aber auch heute sei er - z.T. in modifizierter Form - häufig vorzufinden.

Als literarische Beispiele werden genannt: Heinrich Manns Der Untertan, in dem dieser Charakterzug vor allem den Protagonisten Diederich Heßling kennzeichnet, sowie die Erzählung "Der Vater eines Mörders" von Alfred Andersch.

Literatur

  • Erich Fromm: Studien über Autorität und Familie. Sozialpsychologischer Teil. (1936a) In: Erich-Fromm-Gesamtausgabe. Band II. Stuttgart 1980, S. 141–188 (Erstveröffentlichung in: Max Horkheimer, 1936).
  • Max Horkheimer (Hrsg.): Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Paris 1936

Siehe auch

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