Ausdruckspsychologie
Aus HaGalil Lexikon
Die Ausdruckspsychologie ist jener Teilbereich der Psychologie, der sich in wissenschaftlicher Weise mit menschlichem Ausdruck und seinen Bedeutungsinhalten beschäftigt.
Zu den Methoden der Ausdruckspsychologie zählt das wissenschaftliche Experiment, die Erfassung von Ausdrucksverhalten durch validierte Instrumente wie beispielsweise das FACS, sowie die Statistik. Nicht zur Ausdruckspsychologie zählen beispielsweise spekulative oder plausible Überlegungen zu den Inhaltsbedeutungen der Ausdrücke.
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Abgrenzung der Ausdruckspsychologie
Diese psychologische Disziplin grenzt sich klar gegenüber anderen Disziplinen ab, die sich ebenfalls mit Ausdrücken beschäftigen, diese jedoch auf einem anderen theoretischen Hintergrund betrachten. Hierzu zählen:
- Kommunikationspsychologie (nonverbale Kommunikation)
- Sozialpsychologie (nonverbales Verhalten in sozialen Räumen)
- Ausdruckssprache/Körpersprache
Ebenfalls abzugrenzen ist die Ausdruckspsychologie gegenüber künstlerischen unwissenschaftlichen Ansätzen, wie sie beispielsweise vom Künstler Samy Molcho vorgestellt wurden. Innerhalb der Ausdruckspsychologie werden diese Konzepte als unseriös betrachtet.
Historische Entwicklung
Erste empirische Arbeit, die sich in naturwissenschaftlicher, nicht philosophischer Weise mit dem Phänomen der Ausdrücke beschäftigte, geht auf Charles Darwin zurück (The expression of the emotions in man and animals, 1872). Er gründete diese psychologische Disziplin und ordnete sie in die Biologie ein.
Ansätze der Ausdruckspsychologie
Es lassen sich in der Ausdruckspsychologie zwei Ansätze unterscheiden. Die physiologisch orientierte Ausdruckspsychologie betrachtet Gruppen der Gesichtsmuskulatur sowie ihre Innervierung. Dieser Ansatz geht auf Guillaume-Benjamin Duchenne zurück.
Die interpretierende Ausdruckspsychologie betrachtet nicht die Muskelgruppen, sondern die inhaltlichen Bedeutungen der Ausdrücke. Also das, was sich an Informationen entnehmen lässt. Sie geht auf Charles Darwin zurück.
Die meisten Ausdruckspsychologen haben beide dieser Ansätze zugleich verfolgt. Wichtige Wissenschaftlche Ausdruckspsychologen waren:
- Charles Darwin, Begründer der wissenschaftlichen Ausdruckspsychologie.
- Theodor Piderit, Gegenspieler Darwins, der die evolutionäre Herkunft der Ausdrücke nicht anerkannte. Er sah Ausdrücke als abgewandelte Zweckbewegungen, die sich auf imaginäre Sinneseindrücke richteten.
- August Strehle
- Philipp Lersch
- Karl Leonhard
- C.H. Hjortsjö, der die anatomischen Grundlage für die Entwicklung des FACS legte
- Paul Ekman, der u. a. 7 Primäremotionen klassifizierte und als einzige Ausdrücke auch wissenschaftlich validierte.
- Ludwig Ferdinand Clauß
Emotionslastigkeit der Ausdruckspsychologie
Die Ausdruckspsychologie ist derzeit stark emotionslastig orientiert. Die meisten Ausdruckspsychologen ordnen alle Ausdrücke als emotional ein, während Denkausdrücke und Motivationsausdrücke (Willensausdrücke) nur selten unterteilt werden. Dies hat historische Ursachen, geht aber auch auf den großen Einfluss der amerikanischen Ausdruckspsychologen Paul Ekman und Wallace Friesen zurück, die als Emotionspsychologen mit Hilfe des von ihnen entwickelten Facial Action Coding System bislang nur Emotionsausdrücke validieren konnten, die zudem heute in 7 Primäremotionen klassifiziert werden. Alle anderen Ausdrücke, die nicht in diese Primäremotionen fallen, werden diesen entweder als redundante Ausdrücke beigeordnet oder in wissenschaftlichen Arbeiten ignoriert. Zudem gibt es empirische Gründe:
- Für Emotionsausdrücke lassen sich neurophysiologisch psychische Hintergründe nachweisen, die bei Denk- und Willensausdrücken viel schwerer zu finden sind.
Person und Gegenüber
In der Ausdruckspsychologie wird sorgfältig zwischen Ausdrucksverhalten und Ausdrucksverständnis unterschieden. Das Ausdrucksverhalten ist das, was eine Person an Ausdrücken zeigt. Das Ausdrucksverständnis ist das, was der Gegenüber - der Beobachter - an Informationen entnehmen kann. Beides sind getrennte Funktionen, die beispielsweise auch getrennt erkranken und beeinträchtigt sein können.