The Kings of Klezmer beim Kulturfestival:
Die Epstein Brothers - ein Kitzeln im Herzen
- Centralstation
- Darmstadt - Samstag, 22 .Mai 99, 20.30h,
Klangstation-Saal
Festival Jüdischer Künstler / VVK 50, 43, 39, 33 DM AK 56, 49,
44, 38 DM
- Centralstation
- Darmstadt - Dienstag, 11.Mai 99, 20.30h,
Traumstation-Saal
Festival Jüdischer Künstler - A Tickle in the Heart - Ein Leben
für die Musik:
Max Epstein und die Epstein Brothers.
Ein Film von Stefan Schwietert - VVK 10 DM, AK 12
DM freie Platzwahl
Der Dokumentarfilm von Stefan Schwietert erzählt vom Leben und
der Musik der Epstein Brothers. Bei seinem Erscheinen 1996 löste der
Filme wahre Begeisterungsstürme bei Presse und Publikum aus!

Die Musik der Epstein Brothers ist eine Reise in die
amerikanisch-jüdische Musik und Kultur der vergangenen hundert Jahre. Im
Repertoire der Brüder spiegeln sich die vielfältigen Veränderungen, die die
amerikanisch-jüdische Gemeinschaft im zwanzigsten Jahrhundert geprägt haben:
die Erfahrungen der ersten Siedler aus den ''Shtetlekh'' Osteuropas in der
Neuen Welt, die Akkulturation der nachfolgenden, in Amerika geborenen
Generationen, die kulturelle und politische Identifikation mit dem neuen
israelitischen Staat, der Aufstieg des Chassidismus und der modernen
Orthodoxie nach der Shoah, und schließlich das sogenannte ''Yiddish
Revival'', die Suche der zweiten und dritten Immigrantengeneration nach den
Wurzeln ihrer osteuropäischen Vorfahren.
Die Epstein Brothers wuchsen im Immigrantenmilieu der Lower East
Side und Brooklyns auf. Der Vater schuftete als Schneider in einer der
Billiglohnwerkstätten, ''sweat shops '' genannt. Anders als die meisten
Musiker der eigenen und vorangegangenen Generationen waren die Epsteins
keine Klezmer-Dynastie. Zwar ranken sich zahllose Geschichten um die
Leidenschaft des streng religiösen Großvaters für das Geigenspiel, doch
erst die Brüder Max, Willie, Julie und Chi (1913-1986) wählten die Musik
als Brotberuf. Beide Eltern waren als Jugendliche in die Neue Welt
eingewandert, der Vater von Pinsk und die Mutter aus dem benachbarten
„shtetl '' Libishey.
Max begann als Zwölfjähriger, in Stummfilmkinos und
Vaudeville-Theatern Geige zu spielen. Mit dem Aufkommen des Tonfilms
Ende der zwanziger Jahre brachte er sich das Klarinetten- und
Saxophonspiel bei und verdiente schon nach der ersten Woche in einem
rumänisch-jüdischen Restaurant 221 Dollar. ''Hast Du etwa eine Bank
ausgeraubt? '' soll ihn seine Mutter besorgt gefragt haben.
Als der Junge bei einer Benefizveranstaltung zugunsten
mittelloser jüdischer Musiker auftrat, spätabends, nachdem die
Klarinettenstars Naftule Brandwein und Dave Tarras schon die Bühne
verlassen hatten, erntete er stürmischen Beifall für sein Spiel. Die
Immigranten nannten ihn fortan ''boytshik'', das Jüngelchen, und Max
wurde für Hochzeiten, Bar Mitzvahs und andere simkhes (Feierlichkeiten)
engagiert, besonders von den Landsmanshaftn, den jiddischsprachigen
Wohltätigkeitsorganisationen der Immigranten. ''Sie waren Freunde. Wenn
die eine Sache organisierten, hatte ich zu spielen. Wenn ich es nicht
machen konnte, verlegten sie es auf einen anderen Tag.''
Alle drei Brüder, der Klarinettist Max, der Trompeter Willie und
der Schlagzeuger Julie, der jüngste Sproß der Familie, machen in den
dreiziger und vierziger Jahren in der jiddisch-amerikanischen Musikszene
Karriere. Willie arbeitet mit berühmten jüdischen Bandleadern wie
Naftule Brandwein und Dave Tarras, Julie steigt in das amerikanische
Musikgeschäft ein und arbeitet als Bühnendirektor des Forest Hill
Festivals in New York, für das er Begleitorchester für Stars wie Judy
Garland, Barbara Streisand und Diana Ross zusammenstellt. Max entwickelt
sich im Laufe der Jahre zum ältesten und angesehensten der in Amerika
geborenen Klezmer-Musiker. Er
ist der Einzige, der von den legendären Virtuosen aus der Alten Welt als
Ebenbürtiger in ihre Reihen aufgenommen wurde.
Di Musik klingt asoj shejn!
In der Nachkriegszeit steigen alle vier Epstein Brothers ins
Chassidische Musikgeschäft ein, das sich sprunghaft zu entwickeln
beginnt, als die Überlebenden der Shoah aus Osteuropa nach Amerika
kommen und sich vorzugsweise in Brooklyn ansiedeln. Als sie zu der
jährlichen Zeremonie für den Satmarer Rebben spielen, ruft dieser ''Di
musik klingt azoy sheyn!'' (Die Musik klingt so schön!).
Fortan treten sie als ''Epstein Brothers Orchestra'' auf und
werden die populärste Band in Williamsburg. Sie spielen zu Festen wie
der Hochzeit der Kinder von zwei der geehrtesten Rebben an der Lower
East Side, einem Massenereignis, für das ganze Straßenzüge abgeriegelt
werden. Ihre Alben mit chassidischer Musik werden zu internationalen
Hits.
Seit den siebziger Jahren wohnen die Brüder in einer
Bungalow-Kolonie im sonnigen Südflorida, und immer noch unterhalten sie
ihr Publikum in jüdischen Gemeindezentren, Altersheimen und Synagogen
zwischen Boca Raton und Sunrise mit Polkas, Walzern und einem
gelegentlichen Witz. Selten dauert es länger als einige Minuten, bis die
gutgelaunten Rentner die Refrains der jiddischen Operettenlieder
mitsingen und ihre "Mejdlekh'' zur Tanzfläche führen.
Bis vor kurzem hat das Klezmer Revival so gut wie keinen Einfluß
auf die Epstein Brothers gehabt. Doch die Aufmerksamkeit durch die
Medien und die Anerkennung durch ein großes Publikum, nicht zuletzt
durch ihre Europatournee, haben ihnen noch einmal unerwartete
Perspektiven eröffnet. So unterrichtete Max eine Zeit lang junge Musiker
am YIVO Institut for Jewish Research und wunderte sich: ''Wir haben uns
nie um unsere Musik gekümmert - wir haben sie einfach gespielt! Und
jetzt kommen sie alle und interessieren sich für uns.''
Spätestens seit 1996 , mit dem Erscheinen von Stefan Schwieterts
Dokumentarfilm ''A Tickle in the Heart. Ein Leben für die Musik: Max
Epstein und die Epstein Brothers'' haben die Epsteins auch in
Deutschland an großer Popularität gewonnen.
Die Epsteins verstehen sich zu Recht als Innovatoren auf dem
Gebiet der jiddischen, Klezmer- und chassidischen Musik. Sie haben ihre
Erfahrungen als amerikanische Tanzkapellmusiker in die Klezmer-Musik
einzubringen vermocht und die einstige Hochzeits- und Festmusik der
osteuropäischen „Shtetlekh
'' als Ausdrucksmittel des nordamerikanisch-jüdischen, urbanen Lebens im
zwanzigsten Jahrhundert entscheidend mitgeprägt. (jb)
Centralstation, Darmstadt:
Festival Jüdischer Künstler
Vom 16. bis 22. Mai 1999 veranstaltet die
Centralstation - Darmstadt ein Festival Jüdischer Künstler.
Sieben ganz unterschiedliche Musikformationen werden in der Centralstation
zu Gast sein und die vielfältigen Ausdrucksformen jüdischer Musik
vorstellen. Mit dabei sind legendäre Künstler wie die Epstein Brothers und
Coco Schumann, aber auch junge jüdische Musiker aus New York und Israel.
Thematisch abgerundet wird das Programm durch die Fotografien und
Erzählungen des Schweizers Livio Piatti vom ''Schtetl Zürich''.
Hasidic New Wave -
Uri Caine - Matt Darriau‘s Paradox Trio
- Roy Nathanson / Anthony Coleman Duo -
Meira Asher

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haGalil onLine - Dienstag 11-05-99 |