antisemitismus.net / klick-nach-rechts.de / nahost-politik.de / zionismus.info

haGalil onLine - http://www.hagalil.com
     

hagalil.com
Search haGalil


Newsletter abonnieren
Bücher / Morascha
Koscher leben...
Jüdische Weisheit
 
 

 

Eine Möglichkeit für die jüdischen Künste:
Jewish Alternative Movement

Unter dem Titel ''Jewish Alternative Movement'', einem Projekt der Knitting Factory New York, werden an zwei Abenden in der Centralstation (Darmstadt) vier ganz unterschiedliche Musikformationen der jüngeren jüdisch-amerikanischen Generation zu Gast sein. Die Knitting Factory hat eine lange Tradition in der Förderung junger Musiker und ist bekannt für ihr kreatives und scharfkantiges Musikprogramm.

Seit 1998 hat sie ein neues Platten-Label: J.A.M. - Jewish Alternative Movement. Hinter dem Projekt steht jedoch mehr als das sogenannte ''Yiddish Revival'', der Suche der zweiten und dritten Immigrantengeneration nach ihren kulturellen Wurzeln und ihrer Identität. Vielmehr will es den vielfältigen Strömungen der zeitgenössischen jüdisch-amerikanischen Kultur Ausdrucksmöglichkeiten und Raum geben. Die zeitgenössische Arbeit jüdischer Künstler ist mittlerweile Teil der amerikanischen Musik geworden, und amerikanische und jüdische Kultur geben sich wechselseitig Impulse. Auch das Publikum hat sich gewandelt. Jüdische Musik hat nicht mehr allein ein jüdisches Publikum, sondern ebenso Zuhörer anderer Herkunft und unterschiedlicher Konfessionen.

Nach dem Holocaust war es innerhalb der jüdisch-amerikanischen Gemeinschaft ein starkes Bestreben, an der Tradition, dem Althergebrachten festzuhalten. ''Dies kann jetzt eine Möglichkeit für die jüdischen Künste sein, die Phase der Trauer hinter sich zu lassen, die sich lange Zeit restriktiv auf sie ausgewirkt hat'', sagt Greg Wall von den Klezmatics of Hasidic New Wave in einem Interview. ''In den Tehillim (Psalmen) heisst es 'Sing ein neues Lied, kein altes Lied'.

Die, die dieses neue Lied, diese neue Musik noch nicht gehört haben, können sie nun im Rahmen des Jewish Alternative Movement hören: am 18. und 19. Mai 1999 sind Hasidic New Wave, Uri Caine, Matt Darriau´s Paradox Trio und das Roy Nathanson/Anthony Coleman Duo in der Centralstation zu Gast. (jb)

Hasidic New Wave

Ähnlich ihrer Gleichgesinnten John Zorn, den Klezmatics oder den Klezmer All-Stars gehört auch Frank London‘s und Greg Wall‘s Hasidic New Wave Projekt zu dem in New York auffallenden Bestreben junger Musiker, die Pfade jüdischer Musik ihrer Vorfahren neu zu entdecken und sie keck und unvoreingenommen umzupflügen und in einen modernen Kontext zu stellen. Chassidische Volksmelodien zeigen sich auf diese Weise in einem modernen Outfit mit einer Ästhetik des ''Downtown-Jazz''.

Der Trompeter Frank London beschreibt, wie es zu dieser, wie er sagt, ''radikalen Annäherung'' an die jüdische Musik gekommen ist: ''Genau wie 20 Jahre Salsa zu Salsa Jazz und Salsa Fusion geführt haben, hat Klezmer - in den vergangenen 20 Jahren immer populärer geworden - viel zu einer jüdischen Musik beigetragen, die nicht mehr ausschließlich mit all den problematischen Assoziationen verbunden ist... Mit Klezmer habe ich ein musikalisches Zuhause gefunden, er ist funky, sinnlich und körperlich, da er Tanzmusik ist.''

Gitarrist Gary Lucas sieht die Musik als Teil von sich, weil er damit großgeworden ist. Und Greg Wall, der bei Hochzeitsfeiern einen Großteil seines Repertoires gelernt hat, meint: ''Wir glaubten, die Melodien aus den schmierigen Gaststätten befreien zu müssen.'' Daraus entstanden sind Free-Jazz-, Modern-Rock- und Funk-inspirierte Improvisationen der jahrhundertealten jüdischen Melodien.

Ehrfurchtsvoll wirkt die Aufnahme des bekannten ''Eliyahu haNovi'' und findet sich auf demselben Album wie das abstraktere ''Welcome to McDonald‘s in Dachau'' von Frank London. Hasidic New Wave präsentiert einen Querschnitt der typischen Musik für Hochzeiten, Horas, Freilachs, Ballads und Nigunim in Verknüpfung mit eigenen Kompositionen und Improvisationen. Neben prägnanten Erklärungen über die Herkunft jedes Stückes schreiben Hasidic New Wave in ihren Anmerkungen ''the Hasidic wedding scene is hot''. Ihr Auftritt in der Centralstation wird dies auf den Punkt bringen. (mm)

Uri Caine

Der Sampler, der bei dem Plattenlabel ''Jewish Alternative Movement'' erschienen ist, enthält auch eine Pianoversion von ''Hava Nagila''. Sie stammt von Uri Caine. Caine ist einer der führenden Jazzpianisten seiner Generation, und seine Arbeit mit Dave Douglas und Don Byron hat einiges dazu beigetragen, seinen wohlverdienten Ruf zu konsolidieren.

Seine Interpretation der Werke Gustav Mahlers spitzt Caine durch einen Hauch an Ironie gekonnt zu. Seine Erarbeitung der Orchestermusik Mahlers mit einem aus dem Klezmer herrührenden Gefühl hat Mahlers lang verschwiegene jüdische Wurzeln zutage gebracht. Gustav Mahler wurde als Sohn eines jüdischen Händlers im böhmischen Kalischt geboren, doch leugnete er seine Herkunft und trat zum Christentum über, um sich als Kapellmeister an der Staatsoper in Wien zu bewerben, in dem nach dem Krieg eine antisemitische Stimmung herrschte. Begleitet von einem Sänger wird Caine bei seinem Konzert Stücke seiner letzten Veröffentlichung spielen. (mm)

Matt Darriau‘s Paradox Trio

Die reichhaltigen Traditionen aus dem Balkan, der Türkei und der Musik der Roma bilden die Grundlage für Matt Dariau‘s Paradox Trio. Instrumentell bereichert durch ein elektrisches Cello spielen Matt Dariau, Rufus Cappadocia, Brad Sheplik und Seido Salifoski in ihrem neuesten Programm eine Mischung aus griechischer, türkischer und rumänisch-jüdischer Musik.

Dabei soll die Beziehung zwischen Klezmer und mit ihm verwandten Zigeuner- bzw. nicht-jüdischen, osteuropäischen Musikformen aufgegriffen werden, denn zahlreiche Melodien, die der jüdischen Gemeinschaft bekannt sind, stammen ganz offensichtlich aus dem Griechischen oder Türkischen und werden auch dort heute noch gepflegt. Man kann das Repertoire des Paradox Trios nur schwerlich einem bestimmten Genre zuordnen, entscheidend ist, daß hier einzelne Aspekte der Klezmer Musik beleuchtet werden. (mm)

Roy Nathanson / Anthony Coleman Duo

Sehr unterhaltsam ist das New Yorker Duo, bestehend aus Roy Nathanson am Saxophon und Anthony Coleman am Keyboard, wenn es - beispielsweise wie bei ''Birds/Jews'' - auf komödiantische Art zu einer fast zügellosen Musik im Hintergrund die jüdische Geschichte rezitiert, bevor das Ganze in ein unbeschwertes Piano-Saxophon-Duett übergleitet.

Nathanson, Co-Bandleader der Jazz Passengers und ehemaliger Lounge Lizard, und Coleman, regelmäßiger Partner John Zorn‘s und Mitglied von Marc Ribot‘s Rootless Cosmopolitans, haben sich zu einem Duett des Free Jazz zusammengefunden. Wenngleich recht zwanglos, so erkundschaften auch sie die jüdische Tradition und Geschichte (zum Beispiel eben in "Birds/Jews'') sowie Standards namhafter Künstler wie Mingus, Monk und Strayhorn.

Dabei erproben Alt- und Sopransaxophon, Piano und Sampler auch gelegentlich, wo die Geräuschgrenzen des Jazz liegen, indem sie den Sound in den künstlerischen Mittelpunkt stellen. Dennoch dominiert hier nicht eine allzu überschwengliche Selbstironie, sondern das Duo zeigt ein sensibles Gespür für unverfälschten Einfallsreichtum - sowohl musikalisch als auch inhaltlich. (mm)

Centralstation, Darmstadt:
Festival Jüdischer Künstler

Vom 16. bis 22. Mai 1999 veranstaltet die Centralstation - Darmstadt ein Festival Jüdischer Künstler. Sieben ganz unterschiedliche Musikformationen werden in der Centralstation zu Gast sein und die vielfältigen Ausdrucksformen jüdischer Musik vorstellen. Mit dabei sind legendäre Künstler wie die Epstein Brothers und Coco Schumann, aber auch junge jüdische Musiker aus New York und Israel. Thematisch abgerundet wird das Programm durch die Fotografien und Erzählungen des Schweizers Livio Piatti vom ''Schtetl Zürich''.

Dienstag, 18. Mai 99 und Mittwoch, 19. Mai 99, jeweils 20.00 h
Klangstation-Festival Jüdischer Künstler/Saal
Eine Produktion der Knitting Factory, New York
je VVK 32, 29, 26, 22 DM - je AK 37, 34, 30, 26 DM

Jewish Alternative Movement - Vier Bands aus New York stellen zeitgenössische, jüdisch-amerikanische Musik vor.

haGalil onLine presents...

Galuth Ashkenas
JIDDISCH - YIDDISH - JIDISH - YIDISH
JIDDISCH & KLEZMER IM FORUM / DiscussionBoard

haGalil onLine - Dienstag 04-05-99


Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!
 

haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2014 © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved