Geschichte
einer Freundschaft:
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Als Bettnachbarn in einem Jerusalemer Krankenhaus lernen sie
sich kennen: Jossi, ein jüdischer, und Hassan, ein arabischer
Junge. Aus der anfänglichen Notgemeinschaft entwickelt sich
eine feste Freundschaft. Gemeinsam entdecken sie die bunte
Vielfalt ihrer Stadt, von der sie jeweils nur eine Hälfte
kannten: Jossi sein Jerusalem - Hassan sein El Kuds.
Fast verzaubert von der geheimnisvollen Lebenswelt des anderen, lernen sie sich immer tiefer verstehen. Doch es ist eine Freundschaft, die es im Teufelskreis von Haß und Gewalt eigentlich nicht geben darf. Von vielen wird sie deshalb mit großer Skepsis, ja Angst betrachtet. Und Jossi wird eines Tages zum Militär müssen und Hassan vielleicht für einen unabhängigen Palästinenserstaat kämpfen. Wird ihre Freundschaft das alles überstehen?
Beispielhaft erzählt dieses Buch, wie junge Menschen sich
unbefangen über Mauern von Fremdheit und Feindschaft
hinwegsetzen und mitten in einer heillos zerrissenen Welt
entdecken: Miteinander ist das Leben viel schöner. ... Es ist gleich dunkel, und es ist die Stunde des Gebets. Zu Hause ruft jetzt der Muezzin die Gläubigen zum Gebet. Zu Hause im Dorf, denkt Hassan wehmütig. Mutter wird jetzt den Abendbrottisch decken. Vater wird mit den älteren Brüdern Nader und Samir »politische Gespräche« führen, wie sie es nennen, wenn sie über Israelis schimpfen. Und ich liege hier in einem israelischen Krankenhaus - und neben mir ein Jude, der kein Wort mit mir redet. »He du, weißt du, wie spät es ist?« Keine Antwort. Dann eben nicht. Vielleicht hat er Heimweh wie ich. Sie haben ihn gerade erst gebracht, und seine Eltern sind noch nicht gekommen. Sicher fühlt er sich schrecklich einsam. »Haver - Freund, kann ich etwas für dich tun?« fragt Hassan den Bettnachbarn, der noch immer den Kopf zur Wand gedreht hat. Die ganze Zeit heult der, denkt Hassan. Und ich habe geglaubt, Juden heulen nicht so schnell, sind unheimlich mutig. Vielleicht sind sie doch nicht so mutig. Wenn sie durch unser Dorf kommen, tun sie, als gehöre ihnen alles, auch unser Dorf, sagt Vater. Und er und die Brüder haben dann immer eine schreckliche Wut. »lma, Aba«, schluchzt er (Jossi), »wo bleibt ihr denn? Ich will zu meinem Bruder Uzi.« Jossi steigt aus dem Bett. Er tastet sich im Dunkeln zur Tür, fällt über den Stuhl neben Hassans Bett. »He, was machst du denn da? Wohin willst du? Mußt du aufs Klo?« Jossi setzt sich auf sein Bett und mustert den Nachbarn. »Woher kommst du? Bist du Araber? Dein Hebräisch klingt so arabisch.«»Was dagegen?« fragt Hassan mißtrauisch. »Ne nur ...« »Was nur?« »Nur, nach allem, was passiert ist, jetzt auch noch 'n Araber neben mir.«
Jossi erzählt von dem Autounfall mit seinem Bruder
Uzi.
Dann erzählt Hassan über sein Heimatdorf, das eine halbe
Stunde von Jerusalem entfernt liegt. »Sie könnten hier nicht mehr leben, sagen sie. Sie würden erst zurückkommen, wenn Palästina den Palästinensern
gehört.« Am nächsten Morgen kommen Jossis Eltern zu Besuch und Jossi stellt Hassan seinen Eltern vor. Die beiden Jungen kommen immer besser ins Gespräch und sie verabreden sich für die Zeit nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen sind zum Felafel-Essen in der Altstadt von Jerusalem bei Abu Shukri und auf der Ben-Jehuda-Straße im israelischen Teil der Stadt. Und dann kommt die letzte Nacht im Krankenhaus. Morgen, Freitag, werden sie beide entlassen. Eine Woche lang lagen sie nebeneinander. Eine lange Woche. Aber die Woche ist schnell vergangen. Sie haben sich die Zeit mit Geschichtenerzählen vertrieben. Jossi erzählte von seinen Großeltern aus dem Jemen. Und Vater mußte einen Atlas bringen, damit Jossi Hassan zeigen konnte, wo der Jemen liegt. Nurit war nicht ins Krankenhaus gekommen, Nurit, seine Mitschülerin, die so gut in Mathe ist, und auch sonst nicht übel, und er hatte geglaubt, daß sie Freunde wären. Schöne Freundin, dachte Jossi und beschloß, sich von Nurit zu trennen. Aber dann hat er Nurit sehr schnell vergessen. Es gab immer etwas zu tun. Keinen Augenblick war es langweilig mit Hassan. Sie tauschten Comic-Hefte aus, und Hassan hat Jossi ein orientalisches Spiel beigebracht: Scheshbesch, jeden Tag haben sie es gespielt. "Komisch", hat Jossi dabei gedacht, ich hätte nie geglaubt, daß ich mich mit 'nem Araber anfreunden könnte. Und als sie beide so im Bett liegen und darüber nach denken, was sie nachher alles zusammen unternehmen werden, da müssen beide zugeben - war eigentlich gar nicht so schlimm, die Zeit im Krankenhaus. »Bist du noch wach, Hassan?« »Hm, ich kann auch nicht schlafen. Ich muß immer daran denken, daß wir jetzt Freunde sind. Glaubst du, wir können richtige Freunde werden?«»Warum nicht, du redest zwar ein bißchen viel, aber sonst bist du eigentlich ganz in Ordnung.« »Jossi, es bleibt dabei, nächsten Freitag um drei am Damaskustor. « »Klar doch, Hassan.« »Dann Jossi, zeige ich dir El Kuds, den Shouk, die Wasserpfeifen, Abu Shukri und den Felsendom.« »Und ich zeige dir mein Jerusalem, die Klagemauer, die Ben-Jehuda-Fußgängerzone, und du wirst sehen, daß es dort die besten Felafel gibt.« »Aber erst gehen wir zu Abu Shukri, versprochen?« »Versprochen.«
Einige aus eurer Klasse sind bestimmt auch schon mal im
Krankenhaus gewesen: Erzählt, wie ihr euch da gefühlt habt:
ganz am Anfang und auch gegen Ende. Für Jossi und Hassan ist
es nicht so leicht, sofort Freunde zu werden. Welche
Schwierigkeiten haben sie? Was machen Sie in der Zeit im
Krankenhaus? Aus dem selben Buch: haGalil onLine 12-12-2000 | ||