Hannah Pick-Goslar und ihre Schulfreundin:
Erinnerungen an Anne Frank

Die Geschichte der Anne Frank ist weltweit bekannt. Das Tagebuch der Anne Frank und die von Anne Frank-Vereinen auf der ganzen Welt organisierten Ausstellungen über ihr Schicksal haben etwas geschaffen, die zum Allgemeingut geworden ist, deren Geschichte fast jedes Schulkind kennt. Die Erinnerungen der in Jerusalem lebenden ehemaligen Schulfreundin der Anne Frank bieten die Perspektive einer Augenzeugin, die das Schicksal der Anne Frank bis zu deren Tod im März 1945 teilte.

Und der es gelingt, ihre Eindrücke und Erfahrungen als zunächst kleines Kindergartenkind im Exil, später als Halbwüchsige im Konzentrationslager selbst im Rückblick nach mehr als fünf Jahrzehnten nicht nur detailgetreu sondern auch in der kindlichen und jugendlichen Sprache zu erzählen, in der sie ihre Erfahrungen gemacht hat, und mit der sie sich ihrem Hauptzielpublikum - Kinder und Jugendliche - gut verständigen kann.

Die Vorgeschichte begann 1933, als die Wege von Hannah und Anne sich mit der Emigration ihrer Familien aus Deutschland zu kreuzen beginnen, als die Franks aus Frankfurt und die Goslars aus Berlin kommend ihren neuen Wohnsitz am Amsterdamer Merwedeplein auf Nummer 37 und 31 bezogen. Hannah und Anna sind gemeinsam in den Montessori-Kindergarten und zur Schule gegangen und verbrachten ihre Freizeit miteinander. Über die gleichaltrigen Töchter Anne und Hannah freunden sich auch die Familien an und verbringen die meisten Feiertage gemeinsam. Die Familien teilten ein ähnliches Schicksal und waren doch grundverschieden: Im Gegensatz zu den Franks lebten die Goslars religiös und waren traditionell zionistisch eingestellt. Während Otto Frank Geschäftsmann war, arbeitete Hans Goslar als Staatssekretär im Innenministerium in Berlin, in den Niederlanden eröffnete er ein Büro für Flüchtlingsberatung.

Die von Alison Leslie Gold aufgezeichneten Erinnerungen Hannah Pick-Goslars beginnen mit dem 7. Juli 1942, als Hannah Anne von zuhause abholen und bei dieser Gelegenheit eine Küchenwaage für ihre Mutter von Frau Frank ausleihen wollte. Dabei musste sie erfahren, dass Anne und ihre Familie in die Schweiz abgereist waren - vom Versteck der Franks im Hinterhaus des Frank'schen Opekta-Vertriebs erfuhr sie erst bei der Begegnung mit Anne kurz vor deren Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Hannahs Erinnerungen an das Leben in den von deutschen Truppen besetzten Amsterdam ergänzen Anne Franks Aufzeichnungen vom Leben im Versteck. Im Juni des folgenden Jahres, 1943, wurden auch Hannah Goslar und ihre Familie deportiert, zunächst in das Konzentrationslager Westerbork, wo ihr Großvater starb, danach in das Konzentrations- und vorgebliche "Austausch"-Lager Bergen-Belsen, wo sie schließlich im März 1945 wieder auf Anne traf, die gemeinsam mit ihrer Schwester Margot vom Konzentrationslager Auschwitz kommend nach Bergen-Belsen "evakuiert" worden war.

Über den Stacheldraht hinweg tauschen die Beiden ihre Erfahrungen während der vergangenen zweieinhalb Jahre aus. Kurze Zeit später stirbt Anne Frank, kurz nach ihrer Schwester Margot, an Thyphus. In ihrer Tagebucheintragung im Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht hatte Anne Frank noch vermutet, dass ihre Freundin Hannah, die sie Hanneli nannte, umgekommen wäre, während sie selbst noch leben dürfte. Dass es genau umgekehrt gekommen ist, und Hannah Pick-Goslar als glückliche Mutter und Großmutter von 12 Enkelkindern in Jerusalem lebt, während Anne Frank nicht am Leben bleiben durfte, versteht Pick-Goslar als Verpflichtung, Anne Franks Vermächtnis zu bewahren.

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Ravensburger Buchverlag. ISBN 3-473-35185-7