
15 Lea-Geschichten
von
Ramona Ambs Zurück |
Lea in
Prag Wer wie Lea gerne etwas von der Welt
sieht, der freut sich, wenn er mit den Eltern verreisen darf. Als endlich
das erste Schuljahr vorbei und die Ferien da sind, geht es los. Nachdem sie
sich lang und ausführlich von Anna und Meral verabschiedet hat, steigt sie
mit den Eltern in den Zug nach Prag. Dort wohnt eine alte Schulfreundin von
Mama.
Während der ganzen Zugfahrt erzählen Mama und Papa wie
schön Prag sei, und wie nett die Freundin von Mama ist. Und sie sagen, dass
es höchste Zeit ist, dass Lea Prag endlich kennenlernt, weil dort viel
jüdische Kultur und Geschichte war. Lea wird vom vielen Zuhören müde und als
sie endlich in Prag bei Mamas Freundin Slatka ankommen, ist Lea so
erschöpft, dass sie gleich ins Bett fällt. In der Nacht träumt sie von einem
großen Felsen, der plötzlich lebendig wird und nach ihr greift. Sie läuft
weg und -wusch- fällt sie irgendwo runter. "Mama!" ruft sie - und da steht
Mama auch schon neben ihr. "Was ist denn los, Lea? Hast Du schlecht
geträumt?". Da erzählt Lea ihren Traum. Mama streichelt ihr den Rücken: ,,Da
hast also vom Golem geträumt!". ,,Golem?" fragt Lea erstaunt. Aber Mama ist
zu müde zum erklären. "Wir erklären Dir morgen, was Golem bedeutet" sagt
Mama und nimmt Lea mit zu sich ins Bett.
Am nächsten Tag gehen Mama und Papa mit ihr auf den
alten jüdischen Friedhof. Papa zeigt ihr ein Grab: "Das ist das Grab von dem
wundertätigen Rabbi Löw, Lea, und mit ihm hängt die Sage vom Golem zusammen.
Der Rabbi hatte nach einer Zauberformel aus einem großen Lehmklumpen eine
Figur geformt und ihr in die Stirn einen geheimen Namen Haschems eingeritzt,
wodurch der Lehm zum leben erwachte und seinem Meister alle lästigen Dienste
tat. Nur am Schabbes hat der Rebbe den Namen ausgewischt, so daß aus dem
Wesen für die Zeit des Schabbats wieder Lehm wurde. Einmal, so sagt nun die
Legende, hatte der Rabbi vergessen, den Namen auszuwischen, so dass der
Golem am Schabbat noch den Namen auf der Stirn hatte, und sich nun gegen die
Juden der Stadt wandte und vieles verwüstete. Erst am Schabbesende nahm der
Golem wieder die Befehle seines Meisters an. Doch dieser sah nun, daß der
Golem zu gefährlich war und hatte deswegen den Namen ausgewischt und die
Zauberformel vernichtet. Seither gibt es keinen Golem mehr." Lea hat
gespannt gelauscht. Nun schaut sie wieder auf das Grab, an dem viele Zettel
stecken. "Das sind Wünsche, die der Rabbi erfüllen soll", erklärt Mama. Lea
findet die Geschichte sehr spannend.
Als sie den Friedhof verlassen sagt Lea zu Mama:
"Eigentlich schade, dass er die Zauberformel vernichtet hat, ich könnte so
einen Golem gebrauchen für die Hausaufgaben!". "Ja, und ich für den
Abwasch!" kichert Mama, "aber eigentlich brauchen wir ihn nicht, Lea. Wir
haben ja uns und wir helfen uns gegenseitig!". Das findet Lea auch und dann
dreht sie sich noch mal zum Friedhof um und flüstert in Richtung Grab:
"Tschüs, Rebbe Löw, im Moment bin ich wunschlos glücklich, aber wenn ich mal
ein Problem hab, und Mama, Papa, Tante Rivka , Opa' Meral und Anna mir nicht
helfen können, dann schreib ich Dir auch so einen Zettel und dann hilfst Du
mir, o.k. ?".

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