
15 Lea-Geschichten
von
Ramona Ambs Zurück |
Leas moderne Kunst
Wer wie Lea gerne malt, der mag in der Schule am liebsten den
Kunstunterricht. Da darf man nämlich malen, so viel man will und bekommt
sogar noch gute Noten dafür! Außerdem hat Lea eine Kunstlehrerin, die sehr
nett ist. Sie heißt Frau Gollinger, hat rote Haare und ein buntes Gesicht,
weil sie das mit sehr viel Schminke anmalt.
Als Lea heute zum Kunstunterricht kommt, sitzen die
meisten anderen Schüler schon in den Bänken. Auch Frau Gollinger sitzt schon
vorne am Pult und blättert in einem Buch. Es läutet gerade, als sich Lea
setzt. Frau Gollinger begrüßt die Kinder und sagt dann, dass sie eine
Geschichte vorlesen wird. Darin geht es um einen kleinen Jungen in Schweden,
der erzählt, wie sie Santa-Luzia-Fest feiern, mit den Mädchen in langen
Kleidern und den Lichtkränzen auf dem Kopf. Als die Geschichte zu Ende ist,
sagt die Frau Gollinger, dass nun jeder Schüler ein Fest malen soll, wie er
es erlebt hat. Alle holen ihre Farbkästen hervor und füllen die Gläser mit
Wasser. Sie decken die Tische mit Zeitungspapier ab und fangen an zu malen.
Lea schielt nach links zu Meral. Die malt gerade einen
runden Tisch mit vielen Speisen und fängt gerade an einige Menschen dazu zu
malen. "Was ist das für ein Fest?" fragt Lea. Rabi-ul-Awwal'der Geburtstag
des Propheten. Da kommt bei uns immer die ganze Familie zusammen und es ist
so fröhlich!" flüstert Meral zurück. Lea nickt und schielt jetzt nach rechts
zu Anna.
"Aha, Weihnachten!" sagt sie, denn Anna malt eine große
grüne Tanne aufs Papier. Anna nickt. Lea überlegt kurz. Dann taucht sie den
Pinsel ins Wasser. Dann malt sie die Synagoge. Die Bima in der Mitte und
vorne den geöffneten Thora-schrank. Sie malt die Männer, die mit der Thora
durch die Synagoge tanzen. An den Rändern malt sie die Menora mit den
Kerzen, die die Synagoge in ein schönes goldenes Licht tauchen.
Meral stupst sie von der Seite: "Was malst Du denn für
ein Fest?". "Simchat Thora, das ist das Fest der Gesetzesfreude. Da fangen
wir an, die Thora wieder von vorne zu lesen. Erst tanzen die Männer mit der
Thora im Kreis und am Schluss tanzen wir Kinder hinterher und die Leute
schmeißen uns Bonbons zu und andere Süßigkeiten!" Meral staunt: "Also ein
Fest, wo man uns Süßigkeiten zuwirft haben wir nicht!". Jetzt guckt auch
Anna rüber: "Oh, Dein Bild ist aber schön!". Lea nickt: "Hmm' mir gefällt es
auch!".
Und alle drei beugen sich wieder über ihre Bilder und
malen weiter. Am Ende der Stunde werden die Bilder kurz an die Wand gehängt.
Die allermeisten sind Weihnachtsbilder. Es gibt nur noch zwei Osterbilder,
das Tischbild von Meral, ein Tempelbild von Kan und eben das Bild von Lea.
Die Schüler stehen dicht gedrängt vor den Bildern. Frau Gollinger lobt: "Ihr
habt alle sehr schön gemalt! Bei Franks Tannenbaum sind die Kerzen schon
sehr naturgetreu, schaut mal alle hin, oder guckt bei Lea' die hat durch die
vielen Goldtöne eine ganz festliche Stimmung aufs Papier gebracht!". Lea
wird ganz rot. Sie ist noch nie vor der ganzen Klasse gelobt worden, aber
dann freut sie sich.
Zuhause zeigt sie Mama das Bild. Die findet es auch
wunderschön und hängt es sogar in der Küche auf. "Damit ich mich jetzt schon
auf Simchat Thora freuen kann!"sagt Mama. Und Lea nickt, ja, sie freut sich
auch schon darauf!

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