Hanas Koffer
Groß ist er, der Koffer. Groß, braun und ziemlich alt. "Hanna Brady,
Waisenkind, geb. 16/V 1931" steht mit weißer Farbe darauf geschrieben.
Wer war dieses Mädchen, wo ging ihre Reise hin und warum steht ihr
Geburtsdatum auf dem Gepäckstück?
Diese Fragen stellten japanische Kinder, die im Jahr 2000 das Tokio
Holocaust Educational Resource Center besuchten und den Koffer in einem
Glasschrank betrachteten. Sie bildeten die Gruppe der "Kleinen Flügel"
und machten sich mit der Leiterin des Museums, Fumiko Ishioka, auf eine
bewegende Reise in die Vergangenheit des jüdischen Mädchens.
Die kanadische Autorin Karen Levine hat die wahre Geschichte um "Hanas
Koffer" aufgeschrieben und verbindet dabei Vergangenheit und Gegenwart.
Die Erzählung ist bereits in über 17 Sprachen übersetzt worden.
Fukimo Ishioka, die junge, engagierte Leiterin des Tokio Holocaust
Educational Resource Centers ist eine hartnäckige Frau. Sie will ihren
jungen Besuchern die Geschichte des Holocaust begreifbar machen. Lange
bittet sie bei allen Gedenkstätten vergebens um Ausstellungsstücke, bis
sie aus Auschwitz einen Koffer bekommt den Koffer einer gewissen Hana
Brady. Unbeirrt von Rückschlägen forscht sie nach und erhält so nach und
nach Erinnerungsstücke und Informationen über die junge Jüdin das
Mosaik nimmt Form an.
Im Juli 2000 reist Fumiko Ishioka nach Terezin, dem ehemaligen
Theresienstadt, um im Getto-Museum weitere Bruchstücke aus Hanas Leben
zu finden. Von dieser Stelle hat sie schon wertvolle Informationen
erhalten, zum Beispiel, dass Hana nach der Deportation aus ihrem
tschechischen Heimatort Nevo Mesto zweieinhalb Jahre im Getto von
Terezin gelebt hat. Unter dramatischen Umständen und wortwörtlich in
letzter Sekunde erfährt die junge Japanerin, dass Hana Ende 1944 in
Auschwitz ermordet wurde, ihr älterer Bruder George aber als einziger
der Familie überlebt hat und heute in Toronto wohnt. In einem
vorsichtigen Brief nimmt sie Kontakt mit dem 72jährigen auf und ist
überwältigt von seiner prompten und bewegten Antwort. Im Frühjahr 2001
kommt George Brady nach Tokio, wo er den "Kleinen Flügeln" von seiner
Schwester erzählt und ihnen Fotos von ihr mitbringt. Die daraus folgende
Ausstellung reiste nicht nur durch die Museen von Japan, sondern ist
zurzeit auch in Kanada unterwegs, um von Hanas Koffer und ihrem
Schicksal zu erzählen. In den Erinnerungen der Kinder bleibt Hana
lebendig.
Karen
Levine
Hanas Koffer
Ravensburger Buchverlag 2003
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