haSchanah: Die hohen Feiertage

Rosch haSchanah

Ein gutes neues Jahr!!

"Wieso neues Jahr?", werden sich viele von Euch fragen, das Schuljahr hat schon angefangen, Sylvester ist noch weit weg.

Der jüdische Kalender ist anders, als der Kalender, den man sonst kennt. Im Judentum fängt das neue Jahr mit dem 1. Tischrei an, also mit dem ersten Tag des Monats Tischrei. Und das ist in diesem Jahr, 2005, der 4. Oktober. Dieser Tag ist Rosch haSchanah (der Anfang des Jahres).

Darum also:
Ein gutes neues Jahr! Schanah Tovah!

An Rosch haSchanah denken die Menschen viel darüber nach, was im vergangenen Jahr passiert ist. Und sie denken vor allem darüber nach, ob sie sich falsch verhalten haben, ob sie einen Anlass haben, ihre Taten zu bereuen. Denn Rosch haSchanah dreht sich genau darum. Die Juden glauben, dass G-tt an diesem Tag über die Menschen urteilt.

Aber auch wenn sich ein Mensch falsch verhalten hat, wenn er gesündigt hat, soll er nicht verzweifeln, denn er hat die Möglichkeit zur Rückkehr, er kann immer den rechten Weg einschlagen. "Ein Mensch wird nur in Bezug auf seine augenblicklichen Taten beurteilt" heißt es. Wenn er also am Tag des Gerichts, an Rosch haSchanah, Reue zeigt und "zurückkehrt", dann wird er beurteilt für das, was er augenblicklich tut und fühlt.

An Rosch haSchanah, und auch schon im Monat davor, wird das Schofar geblasen. Das Schofar ist ein Widderhorn. Sein Klang soll uns aufwecken, damit wir uns daran erinnern, dass G-tt bereits darüber nachdenkt, was wir in diesem Jahr getan haben. Der Schofar soll uns auch die Thora, die Lehre G-ttes, wieder in den Sinn rufen. Auch Moses hat das Schofar geblasen, als er am Berg Sinai die Zehn Gebote empfing.

Schofar: hör mal, das klingt dann so

Aber Rosch haSchanah ist nicht nur ein ganz ernstes Fest, es ist auch ein sehr süßes Fest! Damit das neue Jahr ein gutes und süßes wird, isst man Challah, ein süßes Brot, das mit Rosinen und Honig verfeinert wird, außerdem Apfelstückchen in Honig und Granatapfel, damit sich unsere guten Taten mehren, wie die Kerne des Granatapfels. Die Familie feiert zusammen und alle wünschen sich Glück. Rosch haSchanah dauert zwei Tage.
 


Jom Kippur - Versöhnungstag

Der Monat Tischrei ist ein Monat der hohen und wichtigen Feiertage. Acht Tage nach dem Neujahrsfest feiern wir Jom Kippur.

Jom Kippur ist der Versöhnungstag und der höchste Feiertag im Judentum. Es ist der Abschluss der Zeit in der wir über unsere Taten nachdenken. Diese Zeit fängt mit Rosch haSchanah an, wie Du oben schon gelesen hast.

Jom Kippur ist ein Fastentag, das heißt, dass gläubige Juden in die Synagoge gehen und den ganzen Tag nichts essen und trinken! Außerdem hat man schlichte, weiße Kleidung, und statt lederner schlichte Schuhe aus Stoff an. Die Synagoge ist durch das Licht vieler Kerzen und weiße Vorhänge und Decken geschmückt.

In diesem Licht, in dieser Stille, beginnt die Weihe des höchsten Festes, erklingt das Gebet, das nur am Vorabend des Jom Kippur vorgetragen wird, das Kol Nidrei.

Hier kannst Du das Kol-Nidrei anhören.

Die beiden Feste, Neujahr und Versöhnungstag, gehören also zusammen, sie stellen das jährlich wiederkehrende himmlische Gericht dar. Am Neujahrstag wird das Urteil für das kommende Jahr über jeden einzelnen geschrieben und am Versöhnungstag festgesetzt. Während der zehn Tage dazwischen geht es nur darum, wie wir unser Leben ausrichten.

In Israel ist Jom Kippur übrigens etwas ganz Besonderes. An diesem Tag fahren keine Autos, Busse und Züge, alle Geschäfte und Kioske, Kinos und Theater haben geschlossen. Es gibt kein Fernsehen und Radio! An diesem Tag steht alles still.


Sukkot
Das Laubhüttenfest

In diesem Monat gibt es noch ein Fest, Sukkot, das Laubhüttenfest. Aber Sukkot hat nicht so einen ernsten Charakter wie  Jom Kippur, es ist ein Familienfest, bei dem man viel Zeit zusammen verbringt.

Das Laubhüttenfest dauert eine Woche und es erinnert an die Zeit, als das Volk Israel durch die Wüste wanderte. Weil die Juden in dieser Zeit keine wirklichen Häuser hatten, bauen wir an Sukkot zur Erinnerung daran eine Sukka, eine Laubhütte. Die Hütte darf kein beständiger Bau sein, die Wände können aus jedem Material (Holz, Zeltplane, gespannte Decken) bestehen, das Dach jedoch nur aus Laub und dies nur so dicht, dass man ein wenig durchblicken und den Himmel sehen kann. Die Familie sitzt abends zusammen in der Laubhütte und es kommen immer auch Gäste dazu.

Sukkot ist auch ein Fest zum Abschluss der Erntezeit. Deswegen spielen Pflanzen eine wichtige Rolle bei diesem Fest. Aus den verschiedenen Arten wird ein Strauß gebunden, der dann zum G-ttesdienst mitgebracht wird. Der Strauß besteht aus Palme, Myrte, Weiden und Etrog (eine Art Zitrone).


Puh! So viele Feiertage! Das war viel Information...
Im zweiten Teil wollen wir noch ein bisschen mehr zu dieser besonders wichtigen Zeit lesen, im dritten Teil kannst Du dann Rosch haSchanah-Karten basteln.

Hier geht es weiter