Frauen haben in der Purim-Geschichte eine besondere Rolle, wie Du vielleicht bemerkt hast. Es ist dem Einsatz von Esther zu verdanken, dass Haman überführt und das jüdische Volk gerettet werden konnte. Frauen haben in der Purim-Geschichte keine passive Rolle, sondern greifen ganz aktiv ein. Wie Du sicher weißt, wurde Frauen nicht immer so eine Rolle zugeschrieben, Frauen waren nicht immer "gleichberechtigt" mit Männern, sondern mussten und müssen sich diese Stellung erst erkämpfen. Welchen Beitrag kann also die Esthergeschichte bezüglich des Status der Frau in der Gesellschaft leisten?

Das Buch Esther bezieht sich auf zwei Frauen, Vashti, die erste Königin, und die Jüdin Esther, die ihre Nachfolgerin wird. Wie unterschiedlich ist der Status von Vashti - die wie  Unterhaltungsobjekt in den Händen ihres Ehemannes und den Launen einer Männergesellschaft lebt, wo es keinen Platz für sie gibt, ihre Persönlichkeit zu entwickeln - von dem Respekt, der Esther gezollt wird, die mit einem bemerkenswerten Grad an Unabhängigkeit handelt.

Nicht von ungefähr wird Vasthi manchmal als "erste Feministin" bezeichnet: sie hat es trotz der Gefahren, die in ihrer Entscheidung liegen, abgelehnt, zum König zu kommen, um ihre Schönheit zu demonstrieren. Wie mutig ihre Entscheidung war, zeigt sich auch in der Art und Weise, wie der König darauf reagierte. Seine Ratgeber und Minister waren davon überzeugt, dass Vashtis Verhalten für die Männer im Reich nicht gut war, denn ihre Tat wird hinaus zu allen Frauen dringen. Wenn diese hören, dass der König Ahasveros seine Frau rief und diese sich weigerte zu kommen, werden auch andere Frauen nicht mehr bedingungslos auf ihre Männer hören. Deswegen wurde Vasthi verstoßen.

Der Stand von Frauen in dieser Männerwelt des persischen Reiches wird auch deutlich bei der Suche nach einer neuen Königin. Was wurde von der neuen Königin erwartet, welcher Art Kandidatin wurde diese erhabene Position vorgeschlagen? Wichtig war nur, dass sie schön ist. Die schönsten Frauen des Landes wurden zum Hof gebracht und unter diesen wählte der König. Etwas anderes als ihre äußere Gestalt war dabei nicht wichtig. Esther war völlig uninteressiert daran, zu den Kandidatinnen zu gehören. Sie wurde gegen ihren Willen an den Hof des Königs gebracht, der sich schließlich für sie entschied. Als die Frau des Königs hat Esther keinen besonderen Status, sie ist ihm nicht gleichgestellt, sie hat auch keine besonderes Rechte. Als Frau hat sie in dem Reich, in dem sie Königin ist, nichts zu bestimmen.

Für Mordechaj ist Esther in seinen Bemühungen, das jüdische Volk zu retten, eine gleichwertige Partnerin. Mordechaj macht klar, dass jeder, Mann oder Frau, in seinem Leben eine Aufgabe zu erfüllen hat, die er oder sie annehmen muss. Und jedes Mitglied des jüdischen Volkes hat die Pflicht, die Existenz des Volkes mit allen ihm oder ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu bewahren. Esthers Aufgabe scheint es zu sein, den König zu beeinflussen. Und Esther stellt sich ihrer Aufgabe, sie allein plant und führt alle Schritte aus, die zur Rettung der Juden führen.

Esther wächst an ihrer Rettungsaktion. Sie erkennt, dass Haman den Gipfel seiner politischen Macht erreicht hat und dass der König von ihm abhängig ist. Sie weiß, dass der Status von Frauen und ihr eigener Status in Bezug auf den König wackelig ist. Es gibt keinen Grund für Achasveros, auf ihren Rat zu hören. Andererseits weiß sie auch, dass der Koenig an Themen wie soziale Gerechtigkeit und Herrschaft des Gesetzes kein Interesse hat, da er egozentrisch ist und nur seine Bedürfnisse sieht. Deshalb entwirft Esther einen Plan, wie sie das volle Vertrauen des Königs erobern und Haman überführen kann.

Esther erfüllte ihre Rolle als Führerin des Volkes Israel mit Intelligenz, Hartnäckigkeit und Hingabe. In ihrem Rettungsplan für das Volk und in der Art und Weise, wie sie ihre Sache voranbringt, enthüllt sich ihre Persönlichkeit.

Man könnte Vashti und Esther als zwei unterschiedliche Phasen von Gleichberechtigung bezeichnen. Vashti muss sich mit Widerstand durchsetzen, sie muss für ihre Grundsätze kämpfen. Esther hat eine gefestigtere Stellung, sie kann langfristigere Ziele ins Auge fassen.

Was meinst Du, ist die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen auch heute noch ein wichtiges Thema? Sind Männer und Frauen gleichberechtigt in allem, was sie tun? Was denkst du über Vashtis Verhalten? Hat sie recht gehabt, nicht vor dem König erscheinen zu wollen? Was denkst Du über Esther?
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