haSchanah: Purim

Am 14. des Monats Adar, ist alles anders, 2006 ist das der 14. März.
Es ist Purim!! Wie im Karneval verkleiden sich alle Kinder. Und sie nehmen Rasseln mit in die Synagoge... Weißt Du warum?
An Purim wird das Buch "Esther" gelesen, ein Teil der hebräischen Bibel. Hier kannst Du zuerst einmal darüber mehr erfahren.

Das Buch Esther

Vor sehr langer Zeit gab es in Persien einen neuen König, Ahasveros. Ahasveros hatte viele Länder erobert und regierte über ein großes Reich mit 127 Provinzen. Um seine Herrschaft zu feiern, hielt er an seinem Hof in der Hauptstadt Schuschan ein großes Fest, das viele Tage dauerte. Schon ziemlich betrunken befahl Ahasveros an einem Abend, Vasthi, die Königin, herzubringen, damit er den den Gästen ihre Schönheit vorführen könne. Die Königin weigerte sich aber. Ahasveros war unerbittlich und legte ihr eine harte Strafe auf. Sie wurde abgesetzt, und ihr königlicher Rang sollte "einer anderen, die besser ist als sie" gegeben werden. Um eine Nachfolgerin für Vasthi zu finden, brachte man "Jungfrauen von jugendlich schöner Gestalt" aus allen Teilen des Reiches. Unter diesen Frauen war auch die Jüdin Esther, die von ihrem Verwandten Mordechaj nach dem Tod ihrer Eltern adoptiert worden war. Esther, ihr zweiter Name war Hadassah, war sehr schön und gefiel dem König, und Ahasveros machte sie anstelle Vasthis zur Königin. Dass sie Jüdin war, behielt Esther für sich, wie Mordechaj es ihr empfohlen hat. Niemand am Hof von Ahasveros wusste, dass Esther Jüdin war.

Ahasveros hatte sehr viele Berater an seinem Hof. Um Mordechaj in ihrer Nähe zu haben, schlug Esther dem König vor, auch einen jüdischen Berater einzustellen. Tatsächlich hielt Ahasveros Esthers Ratschlag für klug. Mordechaj konnte nur kurze Zeit später eine Verschwörung gegen den König aufdecken. Der Plan der beiden Bösewichte Bigtan und Teresch, Ahasveros zu vergiften, konnte dadurch verhindert werden. Diese Ereignisse wurden in der Chronik des Königs aufgeschrieben.

Doch Mordechaj fiel bald in Ungnade. Der König ernannte kurz darauf Haman, den reichsten Mann im Land, zu seinem Ministerpräsidenten. Alle fürchteten sich vor Haman und der König befahl, dass alle vor Haman niederknien mussten. Nur Mordechaj widersetzte sich diesem Befehl. Haman wurde darüber so wütend, dass er beschloss, Mordechaj und alle Juden des Landes zu vernichten. Dem König trug Haman vor, dass die Juden sich weigern würden, mit den übrigen Angehörigen des Volkes zu essen, Wein zu trinken und auch deren Töchter nicht heiraten würden. Sie würden die Gesetze des Königs nicht befolgen und wären faul, weil sie sich am Schabbat weigerten zu arbeiten. Ahasverso erteilte Haman daraufhin freie Hand, so zu verfahren, wie dieser es für richtig hielt.

Haman plante daraufhin, alle Juden des Landes töten zu lassen. Per Los (auf hebräisch: Purim) entschied er sich für einen Tag und verschickte Anordnungen an alle Provinzen des Landes, die Juden an diesem Tag zu töten.

Mordechaj bat Esther darum, den König umzustimmen. Aber auch für Esther war es nicht so einfach, den König zu sprechen. Esther sagte ihm, er solle ein dreitägiges Fasten anordnen. Danach werde sie vor dem König erscheinen, obwohl sie nicht gerufen sei und damit ihr Leben in Gefahr bringe. Denn niemand durfte ungebeten vor den König hin treten. Tat er es dennoch, so wurde er dem Gesetz und Brauch am Hofe getötet, - es sei denn, der Herrscher streckte ihm das goldene Zepter entgegen.

Ahasveros war jedoch erfreut Esther zu sehen und fragte sie, warum sie gekommen sei. Esther sagte, sie wollte ihn einladen, zusammen mit Haman zu einem Gastmahl zu kommen, das sie am gleichen Abend geben wollte. Dabei lud sie den König und Haman auf für den nächsten Abend zu einem Gastmahl ein. Haman fühlte sich sehr geehrt und erzählte stolz seiner Frau Seresch davon. Von seinen Plänen auf Rache brachte ihn das jedoch nicht ab und er ließ einen hohen Pfahl errichten, an dem er Mordechaj aufhängen wollte, sobald er die Zustimmung des Königs erhalten hätte.

In dieser Nacht konnte der König keinen Schlaf finden. Er ließ sich daher aus der Chronik vorlesen und hörte so, was er bereits vergessen hatte: Mordechaj hatte ihm das Leben gerettet und dafür noch nicht einmal eine Belohnung erhalten. Als nun Haman am folgenden Morgen kam, um die Erlaubnis des Königs zu erhalten, Mordechaj zu hängen, fragte ihn der König, was man mit einem Mann machen sollte, den der König zu ehren wünsche. Haman, der glaubte, ihn selbst wolle Ahasveros ehren, antwortete, einem solchen Mann sollte man kostbare Kleider anlegen und ihn auf dem Pferd des Königs durch die Straßen der Stadt führen. Daraufhin befahl der König Haman, genau so zu verfahren, und zwar mit Mordechaj, dem Juden. Haman blieb nichts anderes übrig, als den Befehl des Königs auszuführen.

Am Abend waren Ahasveros und Haman erneut bei Esther zu Gast. Ahasveros versprach Esther als Dank, jeden ihrer Wünsche zu erfüllen. So bat ihn Esther unter Tränen, ihr Leben und das Leben ihres Volkes zu schützen, über das ein Todesurteil verhängt worden sei. Sie erzählte dem König von Hamans Plänen. Ahasveros befahl daraufhin, Haman gemeinsam mit seinen boshaften Söhnen am Galgen zu hängen, den er für Mordechaj errichten ließ. Und noch am gleichen Tag wurde Mordechaj an Stelle Hamans in das Amt des Ministerpräsidenten berufen. Der König ordnete auch an, dass Hamans Anweisung zurückgenommen wurde. Trotzdem mussten sich die Juden am Tag, den Haman bestimmt hatte, am 13. Adar, verteidigen, sie konnten jedoch ihre Feinde in den Provinzen und in der Hauptstadt zurückschlagen. Um zu feiern, gab es ein großes Fest, das man auch in der künftigen Zeit jedes Jahr feierte und es "Purim" nannte, weil  Haman zur Vernichtung der Juden "Lose" geworfen hatte.

Das Purim-Fest

Das ist die Geschichte, die an Purim gelesen wird, das Buch Esther. Die Geschichte wird in der Synagoge gelesen und jedes Mal, wenn der Name "Haman" vorkommt, machen alle so viel Krach wie sie nur können, mit Tuten, mit Rasseln (wie im Bild) und mit Rufen. Der Name G-ttes kommt übrigens im Buch Esther kein einziges Mal vor. Purim ist ein ausgelassenes Fest, man verkleidet sich und feiert gemeinsam, so ein bisschen wir an Karneval und Fasching. Ein anderer Brauch ist es, Süßigkeiten und Früchte in einem kleinen Korb an Freunde und Bedürftige zu verschicken, Schlachmones. Du findest später noch eine Bastelanleitung für Schlachmones. Besonders lecker sind die "Haman-Taschen" oder "Haman-Ohren" (im Bild unten), ein süßes Gebäck, mit Nüssen, Datteln, Marmelda oder Mohn gefüllt. Man spendet außerdem Geld für Arme und Bedürftige.

Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass in der Geschichte von Esther Frauen eine besondere Rolle spielen. Nicht nur Esther selbst, auch die vorige Königin Vasthi hat Mut bewiesen. Im nächsten Teil wollen wir diese Rolle noch ein bisschen genauer betrachten. Später wartet noch ein Quiz und die Bastelanleitung für die Schlachmones auf Dich.
Hier geht es weiter!