Um etwas über die Bedeutung von Jerusalem und die jüdische Geschichte zu erfahren, muss man sehr weit zurück gehen. Über den Auszug aus Ägypten haben wir bereits gehört.

Danach eroberten die Juden nach und nach das Land. Etwa um 1020 v.d.Z. entstand im Land Israel das Königreich. Der erste König hieß Saul. Sein Nachfolger David konnte Machtkämpfe, die es im Land gab niederschlagen und weitere Gebiete zum Königreich erobern. David machte Jerusalem zur Hauptstadt des Landes. Davids Sohn Salomo machte das Königreich zu einem wirtschaftlich mächtigen Land und errichtete in Jerusalem einen Tempel. Nach Salomons Tod spaltete sich das Land in zwei Königreiche: Israel im Norden und Juda im Süden. Jerusalem blieb trotz der Teilung ein wichtiges Zentrum, weil sich dort ja der Tempel der Juden befand.


So in etwa könnte der Tempel ausgesehen haben

Das Nordreich Israel wurde 722 v.d.Z. von den Assysrer erobert, die Bevölkerung wurde vertrieben und zerstreute sich. Auch das Reich Juda im Süden wurde erobert, 586 v.d.Z. von den Babyloniern. Sie zerstörten den Tempel in Jerusalem und die jüdische Bevölkerung lebte im Exil in Babylonien.

In dieser Zeit des Exils in Babylonien hielt das jüdische Volk zusammen, auch wenn es kein Land und keinen Tempel mehr hatte. Erst ach der Eroberung des babylonischen Reiches durch die Perser 538 v.d.Z. kehrten viele Juden nach Juda zurück. Der Tempel in Jerusalem wurde neu erbaut und das jüdische Leben im Land wiederhergestellt. In den folgenden Jahrhunderten konnten die Juden relativ unabhängig leben.

Nach 60 v.d.Z. geriet das Land zunehmend unter römische Herrschaft. Gegen die Römer gab es einige Aufstände, die schließlich im Jahre 66 n.d.Z. in einer großen Revolte endeten. Vier Jahre lang dauerten die Kämpfe, am Ende mussten sich die Juden geschlagen geben. Der Tempel wurde erneut zerstört und die meisten Juden wurden des Landes verwiesen. Bis zuletzt gab es etwa 1000 Juden, die sich am Toten Meer in einer Festung verschanzt hatten und den Römern Widerstand leisteten.


Die Klagemauer in Jerusalem ist für Juden eine heilige Stätte. Sie ist ein Teil der ehemaligen Westmauer des Tempels. Juden kommen zur Klagemauer, um dort zu beten. Viele schreiben ihre Wünsche auf kleine Zettel und stecken diese in die Ritzen der Mauer. Auf hebräisch heißt die Klagemauer "Kotel".

Seitdem gab es keinen jüdischen Staat mehr, das Gebiet stand zuerst unter römischer und dann byzantinischer Herrschaft. Die Juden konnten ihre eigene Erziehung und Kultur leben und auch die jüdische Gesetzgebung weiter entwickeln. In dieser Zeit entstand der Talmud.

Im 7. Jahrhundert wurde das Land durch Araber erobert, im Mittelalter durch die Kreuzritter, später durch die Mamelucken und osmanische Türken. Die ganze Zeit über gab es eine kleine jüdische Bevölkerung im Gebiet des biblischen Israel und Juda, aber die meisten Juden lebten in der Welt verstreut, in der "Diaspora" (griechisches Wort für "Verstreuung").

Juden zogen nach der Zerstörung des zweiten Tempels in alle Teile der Welt, nach Europa und in arabische Länder. Obwohl sie nun kein eigenes Land mehr hatten, hielten sie sich an die jüdischen Religionsgesetze und fühlten sich als Volk. Und sie gaben nie die Hoffnung auf, dass sie einmal in das Land Israel zurückkehren können. Deswegen wünschen wir uns an Pessach: "Nächstes Jahr in Jerusalem!"
BaSchanah haBa'ah biJiruschalajim!

Puh, das war viel Geschichte! Aber wichtig, denn im nächsten Monat wollen wir uns das heutige Israel anschauen.
Im dritten Teil findest Du noch zwei Pessach-Lieder und ein Spiel zu Pessach.
Hier geht es weiter!