haSchanah: Pessach - Chag Sameach!

In diesem Monat feiern wir Pessach, eines der wichtigsten und schönsten Feste der jüdischen Religion und Tradition. An Pessach wünschen wir uns "Chag Sameach" (Fröhliches Fest) und "Pessach kasher" (Koscheres Pessach). Pessach dauert 8 Tage und beginnt in diesem Jahr am Abend des 12. April. An diesem Abend wird der "Seder" gefeiert. Seder heißt "Ordnung". Damit ist die genaue Ordnung dieses speziellen Abends gemeint, die in einem Buch, der "Haggada", genau aufgeschrieben ist. Wir lesen am Seder Abend gemeinsam die Haggada und die Geschichte vom Auszug der Juden aus Ägypten.

Pessach ist eines der Feste mit vielen Bedeutungen. Es erinnert an die Knechtschaft der Juden in Ägypten und den Auszug aus Ägypten. Es ist auch die Geburtsstunde des jüdischen Volkes. Gleichzeitig ist Pessach ein Fest der Familie, denn Pessach wird nicht in der Synagoge, sondern mit der Familie zu Hause gefeiert. Pessach ist auch das Frühlingsfest, in dem die blühende Natur die Erneuerung und das Erwachen eines Volkes symbolisiert. Vor allem aber ist es das Fest der Freiheit, der Freiheit jedes Einzelnen und der Freiheit des jüdischen Volkes.

Der Seder-Abend

Am Seder-Abend feiert die ganze Familie zusammen. Wir essen besondere Dinge, die uns an den Auszug aus Ägypten erinnern und lesen die Haggadah. Der Sederabend wurde das Mittel, die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten an die nächste Generation weiterzugeben. Wir können dadurch die Erfahrung der Knechtschaft und die Befreiung nachvollziehen. Die Haggadah sagt uns, dass sich jede Generation so betrachten soll, als sei sie selbst aus Ägypten ausgezogen. Besonders den Kindern soll diese Erinnerung vermittelt werden, und Kinder spielen auch eine besondere Rolle beim Seder-Abend.

An Pessach essen wir kein Brot, sondern Mazzot. Das ist ungesäuertes Brot, das kurz nach dem Anrühren von Wasser und Mehl ohne weitere Zutaten in dünnen Scheiben gebacken wurde. Mazzot sehen ein bisschen aus wie Knäckebrot, sind jedoch ohne Salz und Gewürze (auch wenn es heute mit Schokolade überzogene Mazzot zu kaufen gibt). In der Woche vor Pessach muss das ganze Haus sehr gründlich sauber gemacht werden, so dass es keinen Krümel mehr von Gesäuertem im Haus gibt. Wir nehmen zu Pessach auch ein extra Geschirr.

Schau mal, so sieht der gedeckte Seder-Tisch aus:

In der Mitte, oder neben demjenigen, der den Seder leitet, steht die Seder-Platte, ein großer Teller.

Darauf befinden sich folgende Dinge, die uns alle an den Auszug aus Ägypten erinnern:

Bild aus: Yaffa Ganz: Pessach, Schawuot, Sukkot. Morascha Verlag Zürich

Der Seder-Abend ist keine Feier, bei der es nur ganz ernst zugeht. Der Seder soll auch Spaß machen! Es wird viel gesungen, Wein getrunken und Kinder haben, wie schon gesagt, eine ganz besondere Rolle. Zum Beispiel wird ein Teil einer Mazza (den man Afikoman nennt) beiseite gelegt und vor den Kindern versteckt. Diese suchen das Afikoman und verstecken es anderswo, bis es gegen kleine Geschenke ausgelöst wird. Im Mittelpunkt stehen Kinder durch die Fragen, worin und warum sich diese Nacht und die Mahlzeit von allen anderen unterscheidet, die sie dann mit der Haggadah beantworten.

Jetzt wollen wir erst über die Geschichte des Auszugs aus Ägypten lesen.

Der Auszug aus Ägypten

Im Land Israel herrschte eine große Hungersnot, so dass Jakob mit seiner Familie beschloss, nach Ägypten zu gehen. Dort erging es den Juden zunächst sehr gut und sie wuchsen zu einem großen Volk an. Pharao, der Herrscher der Ägypter, bekam es mit der Angst, dass sich die Juden vielleicht einmal gegen ihn wenden könnten. Er versklavte darum alle Juden, legte ihnen hohe Steuern auf und ließ sie sehr hart arbeiten. Außerdem befahl Pharao, dass alle männlichen jüdischen Babys, also alle Jungen, getötet werden müssen.

Doch die junge Hebamme Jochewed hielt sich nicht daran, sie rettete vielen Babys das Leben. Ihren eigenen Sohn, Moses (auf hebräisch: Mosche), versteckte sie drei Monate lang und legte ihn danach in einen Korb, den sie auf dem Fluss aussetzte, im Vertrauen auf G-tt. Die Tochter des Pharaos fand den Korb und brachte den kleinen Mosche in den Palast, wo er aufwuchs. Jochewed konnte als Amme für Mosche eingestellt werden, so dass er nicht vergaß, dass er Jude war.

Als Mosche schon ein junger Mann war, sah er einmal, wie ein Ägypter einen hilflosen Juden schlug. Mosche wurde so wütend, dass er den Ägypter tötete. Pharao war erzürnt und Mosche musste fliehen. Er lebte daraufhin einige Jahre als einfacher Hirte in Midjan. Einmal, als Mosche auf der Suche nach einem verirrten Lamm war, sah er einen brennenden Dornbusch. Der Busch stand in Flammen, doch er verbrannte nicht. Als er sich näherte, hörte Mosche die Stimme G-ttes. Für die Juden sei die Zeit gekommen, Ägypten zu verlassen und in das Land Israel zurückzulehren, hörte Mosche, und er, Mosche, sollte die Juden führen.

Also machte sich Mosche, gemeinsam mit seinem Bruder Aaron auf den Weg, um Pharao davon zu überzeugen, die Juden ziehen zu lassen. Doch der lachte nur und ließ die Juden noch härter arbeiten. Mosche hatte Pharao gewarnt, dass G-tt ihn strafen würde, doch Pharao glaubte ihm nicht.

Und so sandte G-tt die zehn Plagen, die überall, nur nicht in Goschen, wo die Juden lebten, wüteten:





A
us: Yaffa Ganz: Pessach, Schawuot, Sukkot. Morascha Verlag Zürich

Pharao gab sich geschlagen. Er ließ Mosche rufen und befahl ihm und den Juden das Land zu verlassen.

Jede jüdische Familie hatte am Abend ein Schaf geschlachtet und mit dem Blut die Tür des Hauses bestrichen. Als G-tt kam, um die zehnte Plage auszuführen, ging er an jedem Haus vorüber, das so gekennzeichnet war. Dadurch hat Pessach seinen Namen bekommen, von "passah", "er ging vorüber". G-tt hat die Juden "mit starker Hand und ausgestrecktem Arm", "mit Wundern und großartigen Taten" aus Ägypten herausgeführt, so lesen wir es in der Haggadah.

In großer Eile bereiteten die Juden ihre Abreise vor, es war keine Zeit mehr, Brot zu backen, so dass sie Mazzot mitnahmen. Damit begann eine lange Wanderung von 40 Jahren durch die Wüste. G-tt führte sein Volk, tagsüber mit einer Wolkensäule und nachts mit einer Feuersäule.

Pharao bereute bald, dass er die Juden ziehen ließ und schickte ihnen seine Soldaten nach. Am Roten Meer trafen sie aufeinander. Die Juden waren verzweifelt, vor ihnen das Meer und hinter ihnen die Soldaten des Pharao. G-tt sprach zu Mosche, er solle seinen Stab erheben, das Meer werde sich spalten. Und so geschah es, das Meer teilte sich und die Juden konnten es durchqueren. Die Ägypter konnten das Meer nicht durchqueren, über ihnen schlossen sich die Wassermassen und sie ertranken. Die Juden aber waren gerettet!

Pessach ist das Fest der Freiheit

Pessach ist ein Fest der Freiheit. Zuerst einmal, weil die Juden aus der Sklaverei befreit wurden und als freie Menschen in ihr Land ziehen konnten. Die Pessach Haggadah legt für uns fest, dass wir diesen Aspekt sehr ernst nehmen müssen. Es heißt, in jeder Generation sind wir verpflichtet, uns so zu sehen, wie wenn wir selbst aus Ägypten gezogen wären. Das heißt, wir müssen uns über das Geschenk der Freiheit, in der wir leben, bewusst sein. Wir müssen unsere eigene Tradition ernst nehmen und uns einzusetzen für eine bessere Welt.

Dabei ist unsere Freiheit nicht nur ein Geschenk, sie ist auch eine Pflicht. Denn der freie Wille des Menschen führt auch zur vollen Verantwortung des Menschen - für seine guten Taten und seine schlechten Taten.

Am Ende des Seder-Abends wünschen sich alle:
BaSchanah haBaah b'Jeruschalajim!
Nächstes Jahr in Jerusalem!

Jerusalem ist nicht nur die Hauptstadt von Israel, sondern das geistige Zentrum des Judentums. In Jerusalem befinden sich viele heilige Stätten und einst stand dort der Tempel der Juden.

Was es damit auf sich hat und warum man sich am Ende des Seder-Abends wünscht "Nächstes Jahr in Jerusalem", das erfährst du im nächsten Teil.
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