haSchanah: Happy Birthday Israel

In diesem Monat feiern wir Geburtstag. Der Staat Israel hat Geburtstag, am 5. Ijar, das ist in diesem Jahr der 3. Mai, und wird in diesem Jahr 58 Jahre alt. Israel wurde 1948 gegründet und wir feiern den Unabhängigkeitstag!

  
Israels Flagge und Staatswappen

Wir haben im vorigen Kapitel gehört, dass die Juden seit fast 2000 Jahren keinen eigenen Staat mehr haben und überall in der Welt verstreut lebten. Immer wieder gab es Einzelne oder kleine Gruppen, die sich auf den Weg nach Palästina, wie das Gebiet genannt wird, machten. Aber die große Mehrheit der Juden tat dies nicht, einerseits aus religiösen Gründen. Denn im Judentum gibt es den Glauben, dass die Juden im Exil bleiben müssen bis der Messias kommt und sie erlöst und aus dem Exil herausführt. Andererseits war eine Rückkehr nach Israel ein sehr "fernes" Ideal, das nicht sehr realistisch erschien. Dort gab es nur sehr wenige jüdische Bewohner und das Land war heiß und trocken. In der Diaspora dagegen hatten sich Juden ihre Gemeinden aufgebaut, es gab eigene Schulen, eigene religiöse Gerichte, Synagogen, Friedhöfe, Wohlfahrtseinrichtungen und alles, was sonst noch nötig war.

Doch gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich die Einstellung vieler Juden. In den verschiedenen Ländern Osteuropas, vor allem aber in Russland, gab es immer wieder schreckliche Pogrome, das sind gewaltsame Übergriffe, bei denen sehr viele Juden getötet wurden. Und auch in Deutschland, Österreich und Frankreich wurden Juden zwar offiziell geduldet und waren gleichberechtigt, aber sie bekamen sehr oft Hass und Antisemitismus, also Judenfeindschaft, zu spüren. Daher gab es, zunächst in Osteuropa, und später auch in Mitteleuropa immer mehr Juden, die davon überzeugt waren, dass nur ein eigener jüdischer Staat ihre Not lindern wird. Der Zionismus war geboren.

Zionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die sich für einen eigenen jüdischen Staat einsetzte. Die Anhänger bezeichnet man als Zionisten. Der Name leitet sich von dem Wort "Zion" ab, mit dem man oft Jerusalem, den Tempelberg in Jerusalem oder auch das Land an sich bezeichnet hat.

Obwohl es bereits Zionisten in Osteuropa gab, entstand der politische Zionismus nicht dort. Es war ein Journalist aus Wien, der dem Zionismus ein politisches Programm gab: Theodor Herzl (Bild). Herzl war kein religiöser Jude, aber er wurde durch den Judenhass in Österreich und Frankreich, sowie durch die zahlreichen Pogrome in Osteuropa, ständig daran erinnert, dass er Jude war und dass Juden gehasst wurden. Er kam daher zu dem Schluss, dass nur ein eigener Staat die "Judenfrage", wie es in diesen Jahren hieß, lösen könne. Er berief 1897 einen großen Kongress ein, der in Basel in der Schweiz stattfand. Dort wurde die Zionistische Organisation gegründet. Herzl versuchte sein ganzes Leben lang, von den Herrschern Europas die nötigen Zusagen für die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina zu erhalten. Er verhandelte mit dem türkischen Sultan, dem deutschen Kaiser, er traf sogar den Papst. 1903, als es ein besonders schreckliches Pogrom in Russland gab, hielt es Herzl für gut, den jüdischen Staat in Uganda, in Afrika, zu gründen, aber das lehnte die Mehrheit der Zionisten ab. Herzl starb 1904 mit nur 44 Jahren, er hat also die Gründung des "Judenstaates", so hieß sein berühmtes Buch, in dem er sein Programm festschrieb, nicht mehr erlebt.

Die Zionisten führten seine Arbeit fort, aber es sollte noch einige Jahrzehnte dauern, bis der Staat Israel gegründet wurde. Bis dahin entschlossen sich immer mehr Juden, nach Palästina auszuwandern. Sie lebten dort in landwirtschaftlichen Siedlungen und gründeten viele neue Städte und Dörfer. Bald kam es mit den arabischen Bewohnern des Landes zu Auseinandersetzungen, so dass die Briten, die das Land verwalteten, die jüdische Einwanderung begrenzten. Erst nach dem zweiten Weltkrieg und der Schoah, nachdem also sechs Millionen Juden ermordet worden waren, gab es die Entscheidung, das Land in zwei Staaten zu teilen: in einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat.

Der jüdische Staat, Israel, wurde am 14. Mai 1948 ausgerufen. Unter einem Bild von Theodor Herzl las David Ben-Gurion, der schließlich Israels erster Ministerpräsident wurde, die Unabhängigkeitserklärung.

Und das hörte sich dann so an: ca 20kB Anfang der Rede Ben-Burions 14.05.1948
Im Lande Israel entstand das jüdische Volk. Hier prägte sich sein geistiges, religiöses und politisches Wesen. Hier lebte es frei und unabhängig, Hier schuf es eine nationale und universelle Kultur und schenkte der Welt das Ewige Buch der Bücher. Durch Gewalt vertrieben, blieb das jüdische Volk auch in der Verbannung seiner Heimat in Treue verbunden.

Noch am selben Tag wurde Israel von den arabischen Nachbarstaaten angegriffen. Der Unabhängigkeitskrieg dauerte ein ganzes Jahr und es war nicht der letzte Krieg, den Israel mit seinen Nachbarn führte. Seitdem gab es den Sechs-Tage-Krieg 1967, den Jom-Kippur-Krieg 1973 und den Libanon-Krieg 1982. Israel hat im Sechs-Tage-Krieg auch arabische Gebiete besetzt, das Westjordanland, oder auch Westbank genannt, und den Gaza-Streifen. In diesen bis heute besetzten Gebieten leben knapp vier Millionen Palästinenser (also Araber, die gerne einen eignen Staat, einen palästinensischen Staat gründen möchten). In der Karte rechts sind die Westbank und der Gazastreifen grün eingefärbt. Vielleicht hast Du in den Nachrichten gehört, dass Israel im August 2005 den Gazastreifen geräumt hat, d.h. dass dort keine israelischen Siedler mehr wohnen und keine israelischen Soldaten mehr stationiert sind.

Seit mehr als 10 Jahren versuchen Israel und die Palästinenser Frieden zu schließen, bisher allerdings ohne Erfolg.

Der Alltag in Israel ist durch diesen Zustand und die Kriege des Landes sehr geprägt. In Israel müssen alle Jugendlichen nach der Schule zum Militär, Jungen für drei Jahre, Mädchen für zwei Jahre. Soldaten sieht man dadurch ständig auf der Straße. Auch die Sicherheitsvorkehrungen in Israel sind sehr intensiv, an jedem Restaurant, Kino, Supermarkt und Cafe gibt es einen Wachmann, der die Taschen kontrolliert. Das wurde nötig, weil es sehr viele Terroranschläge von Palästinensern gibt. Meistens sind das "Selbstmordattentäter", das heißt, sie sprengen sich selbst und viele andere Unschuldige in die Luft.

In Israel versucht man mit dieser ständigen Bedrohung umzugehen und ein normales Leben zu leben. Meistens klappt das auch ganz gut und wenn Du schon einmal in Israel warst, dann weißt Du, dass es ein sehr lebensfrohes Land ist.

Im nächsten Teil erfährst Du ein wenig darüber, was Israel für Juden in Deutschland bedeutet.
Hier geht es weiter!