haSchanah: Jüdisches Leben in Deutschland

Heute gibt es in Deutschland gut 100 jüdische Gemeinden. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man auf die Geschichte des letzten Jahrhunderts schaut.

1933 lebten in Deutschland ca. 570.000 Juden. Die meisten von ihnen fühlten sich so sehr als Deutsche und liebten Deutschland so sehr, dass auch nachdem die Nazis an die Macht kamen und die Situation für Juden in Deutschland immer schrecklicher wurde, weniger als die Hälfte das Land verließ. Sie konnten sich nicht vorstellen, was passieren würde: Etwa 180.000 deutsche Juden wurden von den Nazis ermordet.

Nach dem II. Weltkrieg wurden einige der jüdischen Gemeinden wieder gegründet. Zu diesem Zeitpunkt waren die Mehrheit der Juden in Deutschland Überlebende aus den Konzentrationslagern aus vielen verschiedenen Ländern (Polen, Ungarn, etc.). Einige von ihnen, die sich gegen eine Auswanderung z.B. nach Israel entschlossen, blieben in Deutschland und gründeten neue jüdische Gemeinden und Synagogen. Die jüdische Gemeinschaft blieb allerdings immer sehr klein. Bis 1989 haben die Mitgliederzahlen der jüdischen Gemeinden ständig abgenommen und man musste sich um die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland sorgen. Nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung sind Zehntausende Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Dadurch gibt es in Deutschland wieder sehr viele Gemeinden und viele Aspekte jüdischen Lebens.
 

Die Synagoge in der Oranienburger Straße, Berlin
Foto: Andreas Praefcke

Der Eingang zur Synagoge Dresden
Foto: haGalil

Heute haben die jüdischen Gemeinden gut 100.000 Mitglieder. Davon sind etwa 80.000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Wieviele Juden aber genau in Deutschland leben, kann man nicht wirklich sagen, weil nicht alle Juden Mitglieder in den Gemeinden sind. Von den 100.000 Gemeindemitgliedern abgesehen, leben ca. weitere 80.000 Juden in Deutschland.

Es gibt also wieder an die 100 jüdische Gemeinden mit ihren Einrichtungen, es gibt jüdisches Leben in Deutschland, das sehr vielfältig und bunt ist.

Jüdische Organisationen und Einrichtungen

Die größten jüdischen Gemeinden sind in Berlin, Frankfurt und München.  Koschere Lebensmittel gibt es nur in speziellen Geschäften in Berlin, Frankfurt und München oder per Postversand.

Jüdische Schulen gibt es in Berlin, Frankfurt, München und Düsseldorf. In Berlin gibt es die einzige jüdische Oberschule.

Leider müssen jüdische Einrichtungen unter ständigem Polizeischutz stehen. Es gab immer wieder Bedrohungen und Beschimpfungen, Randale, aber auch Bombenanschläge mit Toten und Verletzten. Deswegen wird jede jüdische Gemeinde, Schule und andere Einrichtungen von der Polizei bewacht.

Reformjudentum

Erinnerst Du Dich daran, dass es verschiedene Richtungen im Judentum gibt? Die jüdischen Gemeinden sind heute überwiegend orthodox. Es gibt aber auch wieder Reformgemeinden, mittlerweile sogar 19 Stück, unter anderem in Hamburg, Köln, München und Freiburg.

Anforderungen an die jüdischen Gemeinden

Die Integration der Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist eine der größten Herausforderungen für die jüdischen Gemeinden. Es ist nicht immer einfach, die Zuwanderer zu integrieren. Zum einen gibt es Sprachprobleme, denn die allermeisten der Zuwanderer sprechen nur russisch und noch kein deutsch. Zum anderen sind viele der Zuwanderer mit der jüdischen Religion nicht sehr vertraut, denn in der ehemaligen Sowjetunion war es für Juden sehr schwierig, manchmal sogar lebensgefährlich, ihren jüdischen Glauben zu leben. Die jüdischen Gemeinden versuchen ihren Mitgliedern Hilfe in allen Bereichen zu geben, also sowohl Sprachkurse, Beratungen, soziale Unterstützung und vieles mehr.

Im nächsten Teil wollen wir noch einmal darüber nachdenken, was es heißt, als Jude in Deutschland zu leben.
Hier geht es weiter!