![]() |
Viele sagen es
gibt sie kaum ... aber es gibt sie doch: super gute deutschsprachige jüdische Kinderbücher. Zum Beispiel dieses, das ich kürzlich entdeckt habe, und euch sehr empfehlen kann. Sowohl zum Vorlesen für Kinder ab 6 als auch als Buch für die Kinder selbst (und sogar für Erwachsene, die Geschichten zum Nachdenken brauchen). Eine Leseprobe anbei. Rabbi Marc Gellman Was ist die beste Farbe für einen Menschen?
Warum gibt es keine Ringkämpfe im Himmel? Der Briefkasten Gottes Von Rabbi Marc Gellman Der geschickteste Handwerker und Künstler in der ganzen Bibel war ein Mann namens Bezalel. Wenn man jemanden brauchte, um irgendetwas herzustellen, wandten sich die Verantwortlichen immer an Bezalel und beauftragten ihn, es zu machen. Sogar Gott beauftragte Bezalel mit allen wichtigen Dingen, die Gott gemacht haben wollte. Bezalel fertigte einen wunderbaren siebenarmigen Leuchter aus Gold für den Tempel in Jerusalem. Jeder der sieben Kelche für das Öl und den Docht war wie eine Mandelblüte geformt, und wenn die Dochte angezündet waren, sahen sie wie kleine Glühwürmchen aus, die in sieben goldenen Blüten leuchteten. Bezalels beste Arbeit war die Lade für die Zehn Gebote. Die Lade war aus Akazienholz und ganz mit Gold überzogen, und auf der Oberseite waren zwei goldene Engel, deren große Flügel die ganze Deckplatte beschirmten. An den beiden Seiten der Lade waren Ringe und Stangen angebracht, damit man sie tragen konnte. Das Problem bei der Lade für die Zehn Gebote war, dass Gott befohlen hatte, sie nicht anzuschauen, weil sie etwas so Besonderes war. Einige hatten sie trotzdem angeschaut, und da war ihnen das Gesicht weggeschmolzen. Danach wollte niemand mehr die Lade für die Zehn Gebote anschauen. Bezalel war darüber ein wenig traurig, denn die Lade war seine beste Arbeit, aber er verstand, dass niemand sein Gesicht einbüßen wollte. Weil Bezalel so tüchtig war, waren die anderen Künstler und Handwerker eifersüchtig auf ihn. Einige sagten hinter seinem Rücken: »Natürlich macht Bezalel großartige Sachen, aber Gott gibt ihm alle seine Entwürfe ein. Bezalel muss sie dann nur noch ausführen.« Bezalel war es gleich, was die Leute
redeten. Er war zufrieden, wenn Gott die ganze Ehre bekam. »Ich leihe Gott
nur meine Hände-, sagte Bezalel gern. Aber Gott war nicht glücklich darüber,
dass Bezalel nicht genug Anerkennung für seine Arbeit erhielt, und deshalb
tat Gott schließlich etwas, was sogar für Gott äußerst ungewöhnlich war.
Gott schrieb einen Wettbewerb aus. Eines Tages sahen die Menschen viele
Blätter Papier vom Himmel herabschweben, und auf jedem Blatt stand diese
sehr merkwürdige Aufforderung: Die Woche war so schnell vorbei, dass nicht alle bis zur Morgendämmerung des letzten Tages ihren Briefkasten fertig hatten, und da sollte entschieden werden, wer den Wettbewerb gewonnen hatte. Alle, die mit ihrem Briefkasten fertig waren, hielten ihn noch verhüllt, damit niemand ihn sehen konnte, nur Dagliel zeigte Jedermann bereitwillig seine Entwürfe. Einer von Dagliels Briefkästen war ein Fisch, der an einem Stock steckte. Der war aber nicht zu gebrauchen, weil der Briefkasten nach ein oder zwei Tagen zu stinken begann. Ein zweiter Entwurf bestand in einem großen blauen Briefkasten mit Flügeln. Der war aber auch nicht zu gebrauchen, weil Dagliel keine Idee hatte, wie er die Flügel bewegen könnte. Als der Wettbewerb richtig anfing, war der
Erste, der seinen Entwurf für einen Briefkasten Gottes zeigte, der Weinbauer
Ziptor. Ziptors Briefkasten bestand aus einer ganzen Traube traubenfarbiger
Luftballons, die alle mit einer Schnur an einen Briefkasten gebunden waren,
der auf beiden Seiten die Aufschrift GOTT trug. Von den Schnüren hing auch
eine Karte herunter, auf der stand. Dann enthüllte Baruch, der Schildermaler,
seinen Entwurf für einen Briefkasten Gottes. Es war ein viereckiger Kasten
mit einer roten Fahne obendrauf und riesigen Schildern auf allen vier
Seiten. Auf einem Schild stand: "ESST ZIPTORS TRAUBEN UND HOLT EUCH EINEN
LUFTBALLON ALS GESCHENK". Auf einem anderen hieß es: "URLAUB IN JERUSALEM?
STEIGT IM GRANDHOTEL JERUSALEM AB! JEDES ZIMMER MIT EIGENEM KAMEL!" Dann kam Ohollab an die Reihe. Als er das Tuch von dem Briefkasten abzog, den er für Gott entworfen hatte, hielten die Menschen die Luft an. Manche brachten kein einziges Wort heraus. Einige murmelten nur: »Ah! Toll! Sagenhaft!« Ohollab hatte einen goldenen Turm gemacht. Der Turm war mit Fähnchen und Glöckchen geschmückt und rundherum mit kleinen geschnitzten Tieren und Blumen verziert. Er hatte kleine Borde und Schubladen und Schlitze und Klammern für Briefe und Päckchen, und das Ganze schimmerte und klang im Wind wie eine große Glocke. Niemand hatte 'e etwas Schöneres gesehen. Manche sagten sogar: »Er ist noch schöner als die Lade, die Bezalel für die Zehn Gebote gemacht hat«, aber da keiner von ihnen die Lade je gesehen hatte, konnten sie das gar nicht wissen. Alle waren sich einig, dass Ohollab gewiss den Wettbewerb für den Briefkasten Gottes gewinnen werde und dass nicht einmal der große Bezalel den goldenen Briefkastenturm von Ohollab übertreffen könne. Dann entfernte Bezalel die Umhüllung von
seinem Entwurf. Die Leute brachen in Gelächter aus. Bezalel hatte Steine
aufeinander geschichtet, einfach gewöhnliche Steine! Er hatte sie nicht
einmal behauen oder geglättet. Er hatte sie einfach zu einer Art Tisch aus
unbehauenen Steinen zusammengefügt. »Hübsche Steine!«, rief jemand Bezalel
zu. »Wirkhch hübsche Steine. Du hast dir nicht einmal Zeit genommen, sie so
zu behauen, dass sie richtig zusammenpassen. Was soll das? Wohin tust du die
Gebete und die Briefe an Gott? Dein Briefkasten ist ein Witz!« Bezalel
wartete, bis sich das Gelächter gelegt hatte, und sagte dann ruhig: »Ich
habe Gottes Briefkasten aus vielen Gründen aus unbehauenen Steinen gemacht. Diese unbehauenen Steine erinnern uns daran, dass die besten Dinge, die wir in dieser Welt bauen, die Dinge sind, die alles unversehrt lassen. Gott gibt jedem von uns spezielle Kanten und spezielle Begabungen, die keinem anderen Menschen in der ganzen weiten Welt gegeben werden. Auch Steine sind unterschiedfich, bis sie behauen werden. Aber wenn wir unsere Kanten behalten und das Beste aus unseren Begabungen machen, dann ist jeder Einzelne von uns Gottes Bn'efkasten.« Als Bezalel zu Ende gesprochen hatte, schwiegen die Menschen lange. Einige weinten und einige nickten und einige sagten einfach: »Ah! Toll! Sagenhaft!« Dann sagte Ohollab. »Bezalel, wir haben uns in dir getäuscht. Wir haben gedacht, du hättest nur wunderbare Hände. Aber du hast auch ein wunderbares Herz. Du kannst jederzeit für uns Dinge bauen.« Dann legten die Menschen ihre Briefe und Gebete auf den Briefkasten Gottes, und jeder Brief und jedes Gebet wurde beantwortet. Das fünfte Buch Mose 27,5-6 Aus: Geschichten über Geschichten aus der Bibel |
![]() |
Vom selben Autor: Die Autoren stellen die Ähnlichkeiten und die Unterschiede der großen Religionen - Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus - heraus. Dabei gehen sie von den Fragen aus, die sich alle Religionen stellen: Wie sollen wir leben? Was geschieht mit uns nach dem Tod? Warum müssen auch gute Menschen leiden? Warum gibt es überhaupt Not, Krieg und Elend in der Welt? (Ab 12 Jahren.) "Um
Frieden zu erreichen, müssen wir die verschiedenen Religionen der Welt
verstehen lernen. Ich bin deshalb sehr glücklich, daß dieses Buch
geschrieben wurde." hagalil.com / 13-10-02 |
|
|