hagalil.com
Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!

Newsletter abonnieren
Koscher leben...
 
 

Paraschath KEDOSCHIM (Wajikra):
Unverzügliche Lohnauszahlung

Zwi Braun, Zeitlos aktuell p. 307ff

"Enthalte deinem Nächsten nichts vor (den Lohn) und verübe keinen Raub und der bei dir erarbeitete Lohn eines Tagelöhners soll bei dir nicht bis zum Morgen übernachten" (Waj. 19, 13).

Der Talmud diskutiert die Definition der obigen Begriffe: "Was bedeutet Vorenthalten und was heißt Raub? Rabbi Chisda erwiderte: Sagt er: 'Geh und komm wieder, geh und komm wieder' (Mischle 3, 28), so heisst dies Vorenthalten. Sagt er aber: 'Du hast den Lohn gut bei mir und ich gebe dir nichts', so heißt dies Raub" (Baba Mezia).

Rawa hält schließlich fest, dass Vorenthalten und Raub identisch sind. Die Tora führt nur deshalb dieses Vergehen unter zwei verschiedenen Begriffen auf, um klarzumachen, dass bei einem Zuwiderhandeln gleich zwei Verbote übertreten werden! Wie sehr unsere Weisen sich für die prompte Lohnauszahlung einsetzten, geht ferner aus der zitierten Talmudstelle hervor. Dort wird postuliert, dass beim Zurückhalten des Lohnes eines Tagelöhners insgesamt fünf Verbote und ein Gebot übertreten werden! Drei Verbote sind im obigen Vers unserer Parascha aufgeführt. Hinzukommen: "Du sollst den Lohn eines Armen und Bedürftigen nicht zurückhalten, von deinen Brüdern oder von dem Fremden, der in deinem Land wohnt, in deinen Toren" (Dew.24,14). Ferner: "Am selben Tag gib ihm seinen Lohn und lasse die Sonne nicht darüber untergehen; denn er ist arm und er verläßt sich mit ganzer Seele darauf. Dass er nicht wegen dir zu Gott schreie und Sünde an dir sei" (Dew.24,15). Vergleichen wir die Forderungen der Tora zum Beispiel mit der noch heute ziemlich rechtlosen Stellung südamerikanischer Tagelöhner, so hat die Tora gewerkschaftliche Forderungen unseres Jahrhunderts bereits vor mehr als 3000 Jahren vorweggenommen!

Die mündliche Lehre führt diese Vorschriften genauer aus: "Ein für den Tag Gemieteter kann die ganze Nacht (die auf den Tag folgt) den Lohn einkassieren. Ein für die Nacht Gemieteter kann den ganzen Tag (nach der Nacht) den Lohn einkassieren. Ein auf Stunden Gemieteter kann entweder den ganzen Tag oder die ganze Nacht den Lohn einziehen. (Wenn seine Mietszeit am Tag zu Ende ist, so ist der Rest des Tages die Zeit seiner Lohnzahlung, endigt seine Arbeitszeit in der Nacht, so ist der Rest der Nacht als Zahlungszeit zu betrachten.) Ein auf eine Woche, einen Monat, ein Jahr oder sieben Jahre Gemieteter kann, wer bei Tag herausgeht, den ganzen Tag den Lohn einkassieren. Geht er bei Nacht heraus, so kann er die ganze Nacht und den ganzen Tag (nach Rabbi Schimon) den Lohn einkassieren. Sowohl hinsichtlich des Lohnes für Menschen, als für Vieh oder für Geräte gelten die Vorschriften: 'An seinem Tag sollst du seinen Lohn geben' und 'der Lohn eines Tagelöhners soll bei dir bis zum Morgen nicht übernachten.' Wann gilt dies? Wenn er von ihm den Lohn gefordert hat. Hat der Tagelöhner von ihm nichts gefordert, so übertritt der Arbeitgeber nicht die Vorschriften... Ein Tagelöhner, der in der oben bestimmten Zahlungszeit den Lohn fordert (und der Arbeitgeber behauptet, denselben bereits ganz oder zum Teil ausbezahlt zu haben), schwört und erhält die Zahlung. (Von Rechts wegen hatte der Arbeitgeber seine Aussage beschwören müssen, um sich von der Zahlung zu befreien. Allein, da er wegen seiner vielen Geschäfte oft irrtümlich glaubt bezahlt zu haben, läßt man den Tagelöhner schwören.) Ist seine Zeit vorbei, so kann er nicht schwören und gezahlt nehmen (sondern der Arbeitgeber schwört und ist frei; denn am Ende des Zahlungstermins überlegt es dieser genau und erinnert sich, ob er bezahlt hat oder nicht, da er nicht das Verbot des 'Lohnübernachtens' übertreten will.) Sind Zeugen vorhanden, dass der Tagelöhner ihn zur Zeit gefordert hat (und dass der Arbeitgeber zu ihm gesagt hat, er werde ihm später zahlen), so schwört er und bekommt gezahlt" (Baba Mezia 9, 11-12).

In der Regel kann man durch Ablegen eines Schwurs eine Geldforderung nicht eintreiben. Es gilt namlich das Prinzip: Wer eine Forderung hat, muss den Beweis dafür antreten - Hamozi Mechawero, alaw Hara'aja (Baba Kama 35a). Im Fall des Tagelöhners macht die Halacha eine Ausnahme, weil sie den sozial schwacher Gestellten in seinen Rechten stärken will.

Im Sefer Haparschijot erfährt das "Enthalte deinem Nächsten nichts vor" eine weitergehende Deutung. Auch ein Gebet, das man für seinen Nächsten sprechen könnte, es aber nicht tut, fällt unter diese Kategorie. Denn so spricht der Prophet Schmuel: "Auch ich, fern sei es von mir zu sündigen gegen den Ewigen, es zu unterlassen, für euch zu beten..." (Schmuel 112, 23).


Aktuelle Betrachtungen zum Wochenabschnitt
und zu den jüdischen Feiertagen

3 MINUTEN EWIGKEIT (ersch. 1998)
ZEITLOS AKTUELL
(ersch. 2001)

von Dr. Zwi Braun

Die Bücher enthalten jeweils drei kurze Betrachtungen zu jedem Wochenabschnitt der Tora und zu den jüdischen Feiertagen.
Sie verstehen sich als Kommentare für den modernen Menschen, der aber eine Vielzahl von klassischen und neuzeitlichen rabbinischen Quellen einbezieht. Glossare und Literaturnachweise der benutzten Quellen ergänzen die Betrachtungen.

MORASCHA - sFr. 42.-...

Bitte beachten Sie: Diese Texte sind heilig. Die hebräischen Text enthalten den Namen G'ttes. Wenn Sie sich diese Seiten ausgedruckt haben, werfen Sie sie bitte nicht weg. Bewahren Sie sie an einem reinen Ort oder geben Sie diese Seiten beim nächsten Rabbinat ab.

Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth

MORASCHA ZÜRICH

hagalil.com 25-04-03



Fragen an die Rebbezin...
Jüdische Weisheit
haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2014... © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved
ehem. IDPS, Kirjath haJowel