hagalil.com
Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!

Newsletter abonnieren
Koscher leben...
 
 

Paraschath KEDOSCHIM (Wajikra):
Nächstenliebe

Zwi Braun, Zeitlos aktuell

Tohaw et Re'acha - kamokha!

Bewusst übersetzt Rabbiner S.R. Hirsch die Torah nicht mit "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", wie der berühmte Vers der Torah (und nicht des Neuen Testaments!) oft wiedergegeben wird. Hirsch kann sich auf Ramban berufen, der in seinem Kommentar uns darauf aufmerksam macht, dass die Tora im Hebräischen nicht formuliert "et Re'acha" (deinen Nächsten), sondern "le'reacha" (für deinen Nächsten).

Das Wörtchen "et" wird in der Regel einem Akkusativobjekt vorangestellt, während die Vorsilbe "le" den Dativ wiedergibt. Daher kommentiert Hirsch zu Recht:

"Le'reacha ist aber nicht die Persönlichkeit des Nebenmenschen, sondern sind alle die Verhältnisse, das Wohl und das Weh, die seine Lebensstellung auf Erden gestalten. Dies, sein Wohl und Weh, sollen wir lieben, wie das eigene, sollen uns freuen mit seinem Glück wie mit dem eigenen, sollen uns betrüben über sein Leid, als hätte es uns getroffen, sollen mit derselben Freudigkeit zu seinem Wohl beitragen, als gelte es das eigene Wohl, sollen Leid von ihm abwenden, als wären wir selber davon bedroht. Das ist eine Forderung, die wir selbst in Beziehung auf den uns im hfichsten Grade antipathisch widerstehenden Menschen erfüllen können, erfüllen sollen. Denn diese Liebesforderung sieht völlig ab von der Persönlichkeit des Nebenmenschen, gründet sich auf keine seiner Eigentümlichkeiten, sondern 'Ich Gott' heißt das Motiv dieser Forderung, im Namen Gottes wird sie von uns für alle unsere Mitmenschen erwartet."

Was die Tora hier positiv formuliert, hat der Mischna-Gelehrte Hillel verneinend ausgedrückt, als er einem Nichtjuden das wichtigste Prinzip des Judentums kurz und bündig mitteilte: "Was dir verhasst ist, tue deinem Nächsten nicht an. Dies ist das ganze Gesetz, alles andere ist nur seine Erläuterung, nun gehe und lerne" (Schabbat 31a).

Originell ist, wie Raw Jakow Zwi Meklenburg das "kamocha" (wie deines) interpretiert. Er verweist auf einen Vers in Tehilim: "... nach Dir durstet meine Seele, nach Dir sehnt sich (kama) mein Körper..." (63, 2). Er liest unseren Passuk so: "Liebe deinen Nächsten, so wie du es für dich ersehnst (kamocha)". Eine weitere Lesart geht auf den Baal Schem Tow, den Begründer der chassidischen Lehre zurück: "Liebe deinen Nächsten - so wie du es tust (kamocha) - so verhalte Ich Mich, sagt Gott (Ani Haschem)". In dem Masse, in dem wir dem Mitmenschen Gutes tun, lässt Gott auch uns Gutes zukommen. Rabbi Levi Jizchak von Berditschew hält dazu fest, dass, so wie wir uns mit all unseren Fehlern selbst akzeptieren, wir auch den anderen mit seinen Mängeln akzeptieren müssen. Seine Unvollkommenheit darf uns nicht vom korrekten Verhalten ihm gegenüber abhalten.

Rabbi Mosche Leib von Sasow lernte die wahre Bedeutung der Nächstenliebe aus einer Unterhaltung zweier betrunkener Bauern. "Sag mir, liebst du mich oder nicht", fragte der eine. "Ich liebe dich sehr", antwortete der andere. "Dann sag mir, was mir fehlt!", sagte der Erste. "Wie kann ich wissen, was dir fehlt?", antwortete der Zweite. "Wenn du nicht fühlst, was mir fehlt, wie kannst du dann behaupten, dass du mich liebst?", lautete die Antwort.

Rabbi Awraham von Trisk verweist auf den Zahlenwert des hebräischen Wortes für Liebe, Ahawa, der 13 beträgt. Wenn zwei Menschen sich gegenseitig Liebe entgegenbringen, erhalten wir den doppelten Wert, 26. Genau dies ist der Zahlenwert des Gottesnamens in unserem Vers! Gott ist der Dritte im Bunde. Rabbi Mosche Jechiel Halevi Epstein von Osarow erwähnt in seinem zehnbändigen Kommentar zur Tora "Be'er Mosche", eine erstaunliche Gimatrija. Der Zahlenwert der Worte "Liebe deines Nächsten Wohl wie deines, Ich bin Gott - we'ahawta le'reacha kamocha, Ani Haschem" entspricht demjenigen der Worte des Kriat Schma "Und du sollst deinen Gott lieben -we'ahawta et Haschem Elokecha" (Dew. 6, 5). Die Liebe zu Gott muss der Liebe zum Mitmenschen entsprechen und umgekehrt.

"Räche dich nicht und grolle nicht
liebe deines Nächsten Wohl wie deines,
Ich bin Gott" (Waj. 19, 18).


Aktuelle Betrachtungen zum Wochenabschnitt
und zu den jüdischen Feiertagen

3 MINUTEN EWIGKEIT (ersch. 1998)
ZEITLOS AKTUELL
(ersch. 2001)

von Dr. Zwi Braun

Die Bücher enthalten jeweils drei kurze Betrachtungen zu jedem Wochenabschnitt der Tora und zu den jüdischen Feiertagen.
Sie verstehen sich als Kommentare für den modernen Menschen, der aber eine Vielzahl von klassischen und neuzeitlichen rabbinischen Quellen einbezieht. Glossare und Literaturnachweise der benutzten Quellen ergänzen die Betrachtungen.

MORASCHA - sFr. 42.-...

Bitte beachten Sie: Diese Texte sind heilig. Die hebräischen Text enthalten den Namen G'ttes. Wenn Sie sich diese Seiten ausgedruckt haben, werfen Sie sie bitte nicht weg. Bewahren Sie sie an einem reinen Ort oder geben Sie diese Seiten beim nächsten Rabbinat ab.

Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
Zum Inhaltsverzeichnis: Jahaduth

MORASCHA ZÜRICH

hagalil.com 25-04-03



Fragen an die Rebbezin...
Jüdische Weisheit
haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2014... © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved
ehem. IDPS, Kirjath haJowel