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Koscher leben...
 
 

Paraschath ACHAREJ MOTH (Wajikra 16,1 - 18,30):
Vorbereitung zur Versöhnung

Wochenabschnitt[ORIGINALTEXT]

Zwi Braun, Zeitlos aktuell p. 307ff

"Und es sei euch zur ewigen Satzung: Im siebten Monat, am zehnten des Monats sollt ihr euch kasteien und keinerlei Arbeit verrichten, der Bürger und der Fremde, der unter euch weilt" (Wajikra 16.29)

Was haben wir unter Kasteiung, hebräisch Inuj, zu verstehen? Ibn Esra verweist unter anderem auf einen Vers in Jeschajahu (58,10), wo von einer kasteiten Seele die Rede ist, die man sättigen soll. Kasteiung hat also mit Fasten zu tun. Neben dem Verbot zu essen und zu trinken nennt die Mischnah (Joma 8,1) vier weitere Handlungen, welche am Jom Kipur verboten sind und eine Kasteiung darstellen: das Waschen und Salben des Körpers, das Anlegen von Lederschuhen und den Verkehr zwischen Mann und Frau.
Nach Raw Chisda finden wir in der Tora an fünf Stellen den Ausdruck "Inuj", was den fünf vorgeschriebenen Kasteiungen entspricht.
Rabbi Menachem ben Binjamin Recanati erklärt, warum die Enthaltsamkeit bei diesen fünf Dingen eine Vorbereitung und ein Mittel zur Versöhnung ist. Der Mensch ist ein irdisches Wesen aus Fleisch und Blut und kann sich den Versuchungen zur Sünde nicht vollständig entziehen. Was berechtigt ihn dazu, für seine Vergehen um Vergebung zu bitten? Himmlische Wesen, Engel, sündigen nicht. Indem der Mensch an Jom Kipur auf seine körperlichen Bedürfnisse verzichtet, wird er gleichsam, wenigstens für einen Tag, den Engeln ähnlich, die keine physischen Bedürfnisse haben und nicht sündigen. In diesem Rahmen erlangen wir am Jom Kipur Vergebung. Wir erheben uns über unsere materiellen Grundlagen hinaus und stellen im intensiven Gebet das Geistige in den Vordergrund.

Einen fast gleichlautenden Vers finden wir in Paraschat Emor (Waj. 23, 32), wo ebenfalls von Jom Kipur die Rede ist:

"Eine Schabbatfeier sei er euch und ihr müsst euch kasteien; am neunten des Monats abends, von Abend bis Abend sollt ihr eure Feier halten."

Hier lässt die Tora in Ergänzung zum oben zitierten Vers (Waj. 16, 29) die Kasteiung bereits am 9. Tischri beginnen. Im Talmud wird dies so gedeutet:

"Rabbi Chija bar Raw aus Difte lehrte: Fastet man etwa am neunten, man fastet ja am zehnten? Dies besagt vielmehr, dass die Tora jedem, der am neunten isst und trinkt, es anrechnet, als faste er am neunten und am zehnten" (Brakhoth 8b).

Wie sollen wir diese Auslegung verstehen? Rabbi Jakow ben Ascher, der Verfasser der Arba'a Turim, ein Werk auf dem der Schulchan Aruch aufbaut, erklärt dies anhand eines Gleichnisses mit einem König und seinem einzigen Sohn. Der König ordnet für den Sohn ein eintägiges Fasten an, befiehlt aber, ihm zuvor reichlich zu essen und zu trinken zu geben, damit er für den Fasttag gerüstet sei. Auch wir kennen den Brauch, am Vorabend des Versöhnungstages ein festliches Essen einzunehmen. Geschieht dies im Bewusstsein, uns damit für den heiligsten Tag im Jahr zu rüsten, so wird diese Mahlzeit selbst zu einer Mizvah. Der Sfath Emeth betont, dass man mit der richtigen Absicht (Kavanah) an diesem Tag gleichsam alle Übertretungen der Speisegesetze im vergangenen Jahr "neutralisieren" kann. Auch Essen und Trinken sollen im Dienst Gottes stehen. In typisch chasidischer Auslegung gibt uns Rabbi Elimelech von Lyzhansk zu verstehen, warum Essen am Vorabend des Jom Kippur einer Kasteiung gleichkommt. Kann man denn angesichts des bevorstehenden Tages, an dem das himmlische Urteil über jeden Einzelnen besiegelt wird, überhaupt an Essen und Trinken denken? Dies allein ist eine Peinigung!

Die Erwähnung des neunten Tischri als Beginn der Kasteiung erfährt im Talmudtraktat Rosch haSchanah (9a) eine weitere Deutung. Aus der Formulierung der Torah "am neunten" und "am Abend" leiten unsere Weisen das Prinzip von "Tosefeth Jom" (Hinzufügung) ab, das heißt die Verpflichtung den Festtag etwas früher beginnen und etwas später enden zu lassen. Wir fügen vom "Profanen" (Chol) zum Heiligen etwas hinzu. Dies gilt nicht nur für Jom Kippur, sondern auch fur Schabath und alle weiteren Festtage. So symbolisieren wir unsere Erwartung und Sehnsucht nach diesen Tagen der Heiligkeit und unser Bedauern, dass sie so rasch wieder vorbei sind. Manchmal ist die Vorbereitung auf eine Mizvah mindestens so bedeutend wie die Mizvah selbst!

Aktuelle Betrachtungen zum Wochenabschnitt
und zu den jüdischen Feiertagen

3 MINUTEN EWIGKEIT (ersch. 1998)
ZEITLOS AKTUELL
(ersch. 2001)

von Dr. Zwi Braun

Die Bücher enthalten jeweils drei kurze Betrachtungen zu jedem Wochenabschnitt der Tora und zu den jüdischen Feiertagen.
Sie verstehen sich als Kommentare für den modernen Menschen, der aber eine Vielzahl von klassischen und neuzeitlichen rabbinischen Quellen einbezieht. Glossare und Literaturnachweise der benutzten Quellen ergänzen die Betrachtungen.

MORASCHA - sFr. 42.-...

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Zum Inhaltsverzeichnis: haParashah
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